«Ich bin nicht der Geeignete» – Tief im Voodoo verstrickt – heute Bibelschul-Direktor

Der Vater von Wadestrant Jean-Baptiste war Voodoo-Priester. Als Wadestrant den Voodoo verliess, wurde er von seinem eigenen Vater verfolgt und ins Krankenhaus geprügelt. Er tauchte unter, doch damit war die Geschichte lange nicht zu Ende…

Der Vater von Wadestrant Jean-Baptiste war Voodoo-Priester. Auch er selbst war dem Kult lange Zeit ergeben. Als Wadestrant den Voodoo verliess, wurde er von seinem eigenen Vater verfolgt und ins Krankenhaus geprügelt. Er tauchte unter, doch damit war die Geschichte lange nicht zu Ende …«Durch meine Eltern wuchs ich katholisch auf», erinnert sich Wadestrant Jean-Baptiste. «Als ich elf Jahre alt war, wurde meine Mutter sehr krank. Deshalb gingen wir zu Hexendoktoren.» Sie klopften bei verschiedenen an, doch es wurde nicht besser. Schliesslich starb sie im Spital und hinterliess ihren Mann und sechs Kinder. «Die schlechten Geister kamen nun zu meinem Vater und er wurde Hexenmeister. Wir begannen diese Geister anzubeten. Ich tat das treu und war stolz darauf.» Er habe auch Kraft erhalten und sich Respekt in der Gesellschaft aufgebaut. Während acht Jahren, von zwölf bis zwanzig, war Wadestrant tief im Voodoo drin.

Eine neue Botschaft

Schliesslich war er an einer jungen Frau interessiert, welche in eine Baptistengemeinde ging. Ihr zuliebe ging er mit seinem älteren Bruder hin. «Wir sassen beide hinten. Zum ersten Mal hörten wir, dass Jesus sein Leben für uns gegeben hat, um uns von unserer Sünde zu retten. Das klang für uns sehr gut.» Die beiden Brüder erschienen wieder. Es handelte sich um eine Evangelisationswoche und am Freitag, dem fünften Abend, trafen beide die Entscheidung für Jesus Christus. Nun gingen die beiden regelmässig in die Gemeinde. «Mein Vater fand das bald heraus. Er wollte das verhindern und versuchte, uns am Sonntag beschäftigt zu halten. Einmal machte er die Schuhe kaputt und verbrannte unsere Kleider. Ein andermal schlug er mich, so dass ich blutete und ins Spital gehen musste.» Da zog Wadestrant zu einem Cousin und hielt sich bei diesem versteckt.

Krieg und Frieden

Als sich in Haiti die Armee gegen die Diktatur wendete, kam es zum Krieg. «Schüsse fielen. In der Nacht fanden wir meinen Bruder; er war erschossen und verbrannt worden. Mein Vater sagte, dass ich daran die Schuld trage.» Wadestrant wurde von einem Missionarspaar gerettet und aufgenommen. «Ich hatte nun meine Fragen. Bevor ich Christus kennengelernt hatte, war alles gut. Nun wurde ich verfolgt, durfte meine Familie nicht sehen und hatte meinen Bruder verloren.»

Er erfuhr unter anderem anhand der Bibel (2. Korinther, Kapitel 1) dass sich Gott als der Gott allen Friedens zeigt. «Er nimmt das Problem manchmal nicht weg, sondern gibt einem die Kraft, durchzuhalten. Er gab mir die Kraft, durchzukommen und meinem Vater zu vergeben. Ich konnte das schon früh tun.»

Neues Thema: Jüngerschaft

Wadestrant schulte sich theologisch, auch in den USA, wo er seine Frau kennenlernte und heiratete. Zurück in Haiti begann er auf dem «Séminaire de Théologie Evangélique de Port-au-Prince» (kurz STEP) als Lehrer des Alten Testaments zu arbeiten. «Meine Frau und ich nahmen uns immer Zeit für die Studenten. Sie konnten sich vor dem Unterricht bei uns waschen, da wir auf einem Hügel sind. Meine Tür war immer offen. Wir teilten das Leben miteinander und ich betete für sie.» Jedes zweite Wochenende sei er mit einem der 450 Studenten unterwegs gewesen, um zu sehen, woher er kommt und um seine Familie und seine Gemeinde kennenzulernen. «Ich kenne heute jeden Studenten mit Namen», so Wadestrant.

Treue wird belohnt

Nach etlichen Jahren wurde 2014 ein Nachfolger für den Posten des Direktors gesucht. Wadestrant wurde der Posten angeboten. «Ich sagte 'Nein', weil ich weiterhin Zeit für die Studenten haben wollte. Beim Vorgänger sah ich, dass es lange Meetings gab und er viel unterwegs war. Meine Leidenschaft waren jedoch die Studenten.» Jemand anderes leitete interimistisch für ein paar Monate die Bibelschule, anschliessend lehnte Wadestrant ein weiteres Mal ab. «Dann bearbeiteten sie auch meine Frau. Sie sagte zu mir, dass ich es mir nochmals überlegen sollte, wenn alle Professoren und Studenten mich in dem Amt haben wollen.» Schliesslich wurde Wadestrant Jean-Baptiste offen dafür.

In seinem neuen Posten konnte er nun bewirken, dass nicht nur er alleine in dieser Weise auf die Studenten einging, sondern dass es ihm alle 23 Professoren gleichtaten. «Der Herr beschämte mich. Ich wollte den Job nicht haben, weil ich die Studenten fördern wollte – nun war ich an einem Ort, wo ich organisieren konnte, dass alle nach der gleichen Weise vorgehen.»

Professoren müssen auch in die Schlange stehen

Auch ordnete er an, dass es in der Cafeteria keine getrennten Bereiche gibt und alle gleich behandelt werden. «Wenn man in Haiti einen Titel hat, wird man anders behandelt.» Beim STEP, das mit der schweizerischen «Mission Biblique» zusammenarbeitet, wurden von nun an jedoch alle gleich behandelt, was zum Beispiel bedeutete, dass auch die Professoren bei der Essensausgabe in die Schlange stehen mussten.

Und der Vater?

Während der Zeit in den USA besuchte Wadestrants Vater das Paar für einen Monat. «Es war sein erster Auslandaufenthalt. Unsere Liebe zu ihm berührte ihn. Er wusste bereits alles über den Glauben und der Herr veränderte sein Herz.» So fand der ehemalige Voodoo-Priester bei seinem abtrünnigen Sohn zum Glauben an Jesus. Wadestrant Jean-Baptiste dazu: «Als er zum Glauben fand, weinte ich den ganzen Tag, weil ich so glücklich war. Durch die Gnade Gottes ist nun mein Vater ebenfalls gläubig.»

Zur Webseite:
STEP

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