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Tori Hope Petersen

Tori Hope Petersen – Sie wuchs in zwölf Pflegefamilien auf

Mit vier Jahren kam Tori Hope Petersen in die erste von zwölf verschiedenen Pflegefamilien. «Ich fühlte mich ungeliebt, unerwünscht und wertlos – als ob mich jede Familie von einem Tag auf den anderen weggeben könnte.»

Die Autorin, Vortragsrednerin und Podcasterin Tori Hope Petersen ist verheiratet und Mutter von zwei leiblichen Kindern im Alter von vier und sechs Jahren. «Ausserdem haben wir eine 16-jährige Pflegetochter, die seit einiger Zeit bei uns lebt. Wir nehmen immer wieder Pflegekinder auf. Pflegekinder und Kinder in Not liegen uns sehr am Herzen, denn ich bin selbst im Pflegekinderwesen aufgewachsen.»

Sie wurde als Tochter einer alleinerziehenden Mutter geboren. «Sie hat das Beste aus dem gemacht, was sie hatte. Aber auch sie war als Kind traumatisiert und hatte nie die richtigen Mittel, um ihre Wunden zu heilen. So gab sie ungesunde und dysfunktionale Muster weiter.»

Mit vier erstmals in Pflegefamilie

Mit vier Jahren kam Tori Hope Petersen zum ersten Mal in eine Pflegefamilie, wurde aber später wieder mit ihrer Mutter zusammengeführt. «Doch im Laufe der Jahre verschlechterte sich der psychische Zustand meiner Mutter. Sie hat mir immer vermittelt, dass sie mich liebt und sich eine gute Zukunft für mich wünscht. Sie hatte grosse Hoffnungen und Erwartungen an mich, und dafür bin ich ihr sehr dankbar.»

Als sie etwa zwölf Jahre alt war, kam sie zusammen mit ihrer leiblichen Schwester erneut in eine Pflegefamilie. «In den folgenden Jahren habe ich zwölf verschiedene Pflegefamilien durchlaufen. Das war hart. Ich fühlte mich ungeliebt, unerwünscht und wertlos – als könnte mich jede Familie von heute auf morgen einfach weggeben.»

Plötzlich obdachlos

An ihrem 18. Geburtstag verliess sie das Pflegesystem, «ohne eine Familie, die mich für immer aufgenommen hätte, ohne ein Zuhause, das ich mein Eigen nennen konnte. Wie 20 Prozent aller Jugendlichen in dieser Situation war ich sofort obdachlos. Ich zog ziellos von Ort zu Ort, ohne zu wissen, wohin.»

«Glücklicherweise lebte ich in meiner zwölften Pflegefamilie bei einer Frau, die gläubig war und mich jeden Sonntag mit in die Kirche nahm. Ich war sehr skeptisch und fragte sie eines Tages: 'Wenn Gott mich so sehr liebt, warum musste ich dann in ein Heim? Warum hat Gott mir keinen Vater gegeben, der mich beschützt oder mich davor bewahrt?' Sie schaute mich an und sagte nur: 'Ich weiss es nicht.'»

Wichtige Worte

Zum ersten Mal hörte sie einen gläubigen Menschen diese Worte sagen: «Ich weiss es nicht.» Das habe alles verändert. «Bis dahin hatte ich das Gefühl, dass man mir immer nur sagt, was ich zu glauben habe. Aber ihre Ehrlichkeit liess mich innehalten.»

Von da an begann sie, in der Kirche wirklich zuzuhören. «Während eines Gottesdienstes sangen wir das Lied ‘Good Good Father’. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Gott war mein Vater. Er hatte mich beschützt, er war immer bei mir. Im Rückblick erkannte ich, wie oft Gott mich vor noch grösserem Leid bewahrt hatte.»

Jetzt wollte sie ihr Leben ändern. «Ich begann, mich in der Schule anzustrengen und meine Zukunft ernst zu nehmen.»

Die Unterstützung einer Vaterfigur

Eines Tages sagte ihr Leichtathletiktrainer: «Tori, ich glaube, du kannst die Staatsmeisterschaft gewinnen.» Sie erinnert sich: «Er wurde zu einer Vaterfigur für mich. Ich trainierte hart, wurde schneller und stärker. Doch trotz meiner Erfolge fragte ich meinen Trainer immer wieder: 'Glaubst du wirklich, dass ich die Staatsmeisterschaft gewinnen kann? Und er antwortete jedes Mal: 'Ja, ich glaube schon. Dann sagte er eines Tages zu mir: 'Tori, du musst selbst daran glauben.»

Sie begann, mit Gott zu verhandeln: «Wenn du mich die Staatsmeisterschaft gewinnen lässt, werde ich dir alle Ehre geben.» Heute weiss sie, dass Gott darüber gelächelt haben muss. «Denn so funktioniert er nicht. Aber ich habe weiter trainiert und bin schliesslich vierfache Staatsmeisterin im Sprint geworden.»

«Gott hält uns fest»

Ihr Trainer sagte: «'Du hast keine Familie, du hast kein Zuhause. Meine Frau und ich haben darüber gesprochen – wir wollen dich aufnehmen.' Am Tag, als ich die Staatsmeisterschaft gewann, zog ich bei der Familie meines Trainers ein. Dank meines Erfolgs bekam ich ein Vollstipendium für die Universität. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass Gott uns nicht nur rettet – er hält uns auch fest.»

Wie die Heilung verlaufe auch der Glaube nicht geradlinig. Es gebe Höhen und Tiefen, Berge und Täler. «Ich erinnere mich an eine christliche Konferenz, auf der viele Redner ihre Lebensgeschichten erzählten. In jeder Geschichte erkannte ich ein Stück meiner eigenen wieder. Ich ging ins Bad, schaute in den Spiegel und fing an zu weinen. In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass Gott zu mir sprach: 'Wenn du nicht erzählst, was ich in deinem Leben getan habe, ist deine Geschichte verschwendet.'»

Nicht für Vergangenheit schämen

«Ich habe mich lange für meine Vergangenheit geschämt», erinnert sich Tori Hope Petersen. «Aber ich erkannte, dass meine Geschichte nicht für mich war – sondern zur Ehre Gottes. Mit 17 Jahren wurde ich zum ersten Mal gebeten, in meiner Kirche zu sprechen – am sogenannten ‘Orphan Sunday’, einem Tag, an dem auf Pflegekinder aufmerksam gemacht wird. Jahre später erhielt ich eine Nachricht von einer Frau, die meine Geschichte gehört hatte. Sie schrieb: ‘Mein Mann und ich haben schon immer über Pflegekinder nachgedacht, aber wir dachten, die Zeit sei noch nicht reif. Aber als wir nach deinem Vortrag ins Auto gestiegen sind, haben wir gesagt: Jetzt ist es soweit. Heute adoptieren wir drei Geschwister.'»

Schönheit im Zerbrochenen

«Es gibt eine japanische Kunstform namens Kintsugi», erklärt Tori Hope Petersen. «Wenn eine wertvolle Keramik zerbricht, wird sie nicht einfach weggeworfen. Stattdessen wird es mit Gold geflickt, was es noch wertvoller macht. Ich glaube, dass Gott unsere Zerbrochenheit genauso sieht. Er will nicht, dass wir unser Leiden verleugnen oder unsere Vergangenheit ignorieren. Unsere Wunden sind nicht nur Schwächen – sie zeigen auch unsere Stärke, unsere Treue zu Gott.»

Und weiter: «Wenn Gott sagt, dass seine Schöpfung gut ist, dann heisst das auch: Er hat mich gut gemacht. Demut bedeutet nicht, sich selbst zu hassen. Wahre Demut bedeutet, sich so zu sehen, wie Gott uns sieht – als geliebte, wertvolle Menschen. Wenn du heute nur eine Wahrheit mitnimmst, dann sollte es diese sein: Gott hat dich gut gemacht und du bist es wert, geliebt zu werden!»

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