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Alice Achan

Alice Achan – Sie gab Hunderten von Kriegsopfern neue Hoffnung

Im Kriegs-Chaos im Norden Ugandas musste Alice Achan fliehen. Sie überlebte Unheil und Trauma und gründete die «Schule der Restauration». Mittlerweile konnte sie Hunderten anderer Opfer helfen.

Im Kriegs-Chaos im Norden Ugandas musste Alice Achan fliehen. Sie überlebte Unheil und Trauma und gründete die «Schule der Restauration». Mittlerweile konnte sie Hunderten anderer Opfer helfen.Alice Achan lebte friedlich in einem Dorf im Norden Ugandas, bis 1986 ein Nachbarstamm kam, um mit vorgehaltener Waffe das Vieh ihrer Familie zu stehlen. Mit zwei Verwandten und den anderen Kindern floh die damals 13-Jährige in den Busch. Als sie drei Tage später zurückkehrte, fand sie ihren Vater machtlos und verängstigt vor.

Bald darauf fand sich Alice mitten auf einem Schlachtfeld wieder: Die «Lord's Resistance Army» begann, ihr Dorf im Kampf gegen die Regierungstruppen zu terrorisieren. Die brutale Rebellentruppe nahm die Jungs gefangen und zwang sie dazu, sich den Kämpfen anzuschliessen. Mädchen wurden entführt und als Sexsklavinnen gehalten. Die dritte «Truppe» waren Viehdiebe – man konnte niemandem trauen.

Alice und eine Gruppe weiterer Mädchen versteckten sich während rund zwei Wochen im Busch.

«Nicht verlassen»

Überall fielen Schüsse. Das Militär hatte das Dorf übernommen, war aber schlecht ausgerüstet. Wenn die Gewehre verstummten, schlich Alice nach Hause zurück, um wieder kurz bei ihrer Familie zu bleiben. Sobald erneut Schüsse fielen, floh sie wieder.

Alice wuchs in einer christlichen Familie auf und bat Gott um Schutz. An einem sonnigen Tag hatte sie das Gefühl, dass ihr nichts den Blick auf seine Herrlichkeit versperrte. «Ich hatte die Gewissheit, dass er mich nicht verlassen wird.»

Einige Zeit später, auf einem Internat und ausserhalb der Konfliktzone, konnten sich die Rebellen Zugang zu den verschlossenen Schlafsälen verschaffen. Alice war eines von nur sechs Mädchen, die der Entführung entkommen konnten.

Nichten starben

Ein paar Monate später musste Alice die Schule wieder abbrechen, weil sie sich um drei Nichten – eine davon war sechs Monate alt – kümmern musste, deren Mutter an Aids verstorben war. Einige Zeit später starben die drei jedoch ebenfalls an Aids; es war fast mehr, als Alice verkraften konnte. Besonders die Kleine sei wie ihr Baby gewesen. Doch damals gab es noch keine HIV-Medikamente.

Bald darauf nahm sie eine junge Frau bei sich auf. In der LRA-Gefangenschaft war diese erneut schwanger geworden. «Sie hatte bereits ein zweieinhalb Jahre altes Kind gehabt. Ihre Eltern waren tot und sie konnte nirgendwo hin.» Also nahm Alice dieses Mädchen in ihre eigene Einzimmerwohnung auf und meldete sie nach sechs Monaten zu einer Lehre bei einem örtlichen Schneider an, der ihr eine Zukunft gab, indem er ihr half, ihre eigene Schneiderei aufzubauen.

Von dem Mädchen inspiriert, bildete Alice sich zur Sozialarbeiterin aus und gründete eine Akademie für junge Frauen, die von der LRA versehrt worden waren. Sie nahm sie auf, pflegte sie und sorgte dafür, dass sie ihre Ausbildung abschliessen können.

Alice verändert Leben

Auf ihrer Akademie wurde die Bibel bei der Trauma-Bewältigung zu einem starken Werkzeug. «Ehrlich gesagt, ich hatte keine Angst und ich war ruhig. Denn das war nicht 'meine' Arbeit. Ich hatte keine höhere Ausbildung – ich hatte nur ein Diplom. Gott schaute also nicht auf meine Qualifikation oder meine Fähigkeiten, sondern Gott schaute auf meine Bereitschaft.»

Kraft fanden die Mädchen in der Bibel, zum Beispiel mit den Themen Vergebung und Versöhnung. «Ich sagte ihnen: 'Seht, woher Gott euch gebracht hat. Ihr seid noch am Leben – das ist das Wichtigste.' Das wurde zu einer Schlüsselbotschaft für sie.»

Arbeit noch nicht zu Ende

Nach 20 Jahren des Konflikts ist der Norden Ugandas nun friedlich und die meisten NGOs sind weitergezogen, aber Alice ist mit ihrer Organisation noch da. Denn es gebe noch keine soziale Struktur, keinen sozialen Schutz, kein soziales Netz für Frauen.

«Es gibt so viele Waisenkinder, die übrig geblieben sind oder sie sind als Waisen oder bei den Grosseltern aufgewachsen. Wir sind Zeugen von viel sexueller Gewalt gegen Frauen nach dem Konflikt, von vielen Teenagerschwangerschaften und auch von Armut... Wir haben immer noch viele jugendliche Mütter, die während des Krieges in den Vertriebenenlagern geboren wurden und die ihr Leben noch nicht selbst bewältigen können.»

Alice Achan konnte schon mehreren Hunderten Mädchen helfen. Viele konnten dadurch die Schule abschliessen und arbeiten jetzt als Krankenschwestern und Hebammen und versuchen, die Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern zu senken.

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