Jane starb in Auschwitz – «Sie brauchen mich nicht nur im Sonnenschein»

Der Fund eines Testaments und von über 70 Fotos bringt einen neuen Einblick in das Leben einer Christin, die in Auschwitz durch die Hand der Nazis starb: Jane Haining. Die Schottin wird als «Gerechte unter den Nationen» im «Yad Vashem»-Museum geehrt.

Der Fund eines Testaments und von über 70 Fotos bringt einen neuen Einblick in das Leben einer Christin, die in Auschwitz durch die Hand der Nazis starb: Jane Haining. Sie ist die einzige Person aus Schottland, die im Jerusalemer Holocaust-Museum «Yad Vashem» als «Gerechte unter den Nationen» geehrt wird.

Nur sechs Monate bevor das Lager von der Roten Armee am 27. Januar 1945 befreit worden war, starb die couragierte Schottin Jane Haining im Alter von 47 Jahren. Die Nazis brachten sie um. Ihr «Verbrechen»: sie liebte jüdische Mädchen und gab ihnen Obhut.

Nun wurden im Dachgeschoss des Archivs des «Scotland World Mission Council» in Edinburgh «unbezahlbare» Dokumente gefunden, die einen tieferen Einblick in ihr Leben zulassen.

Über die Funde berichtet Lynley Smith, eine entfernte Verwandte aus Neuseeland, in ihrem Buch «From Matron to Martyr – One Woman's Ultimate Sacrifice for the Jews» («Von der Hausmutter zur Märtyrerin – das ultimative Opfer einer Frau für die Juden»). Sie durchreist die Welt, um stets neue Hinweise zur tapferen Schottin aus Dunscore zu finden – der einzigen Person aus Schottland, die im Jerusalemer Holocaust-Museum «Yad Vashem» als «Gerechte aus den Nationen» geehrt wird.

«Sie brauchen mich in der Finsternis»

Beim jüngsten Fund kam unter anderem ihr letzter Wille zutage, der auf den 2. Juli 1942 datiert ist. Daraus geht hervor, dass sie sich der Gefahr, in der sie sich befand, bewusst war.

Schottischen Missionaren wurde in dieser dunklen Zeit des Zweiten Weltkriegs nahegelegt, dass sie das europäische Festland verlassen und in die Heimat zurückkehren sollen. Doch Jane Haining schrieb in die Heimat: «Wenn diese Kinder mich in den Tagen des Sonnenscheins brauchen, wie viel mehr brauchen sie mich in den Tagen der Finsternis.»

Sie entschied sich zu bleiben

Jane lebte und arbeitete zunächst in Glasgow, bevor sie als Hausmutter in ein jüdisches Mädchenheim nach Budapest ging, das von einer schottischen Mission geleitet wurde. Dies sah sie als ihre Lebensaufgabe an und so entschied sie sich dagegen, diesen Posten zu verlassen, obschon mehrere Gelegenheiten zur Flucht da gewesen waren.

Wichtiger war ihr die Sicherheit der jüdischen Kinder, die unter ihrer Obhut lebten und die bereits unter zahlreichen Diskriminierungen und der Verfolgung durch die Nazis litten. Bei manchen Familien waren die Väter bereits separiert und in Arbeitslager gebracht worden.

Schuhe aus Kofferleder

Die Kinder liebten es, in Janes Armen Zuflucht zu finden und dass sie für ihre Sicherheit betete. Dann kam ein neues Gesetz, das sie zwang, gelbe Sterne auf die Schuluniformen der Mädchen anzubringen, und sie schluchzte unkontrolliert, als sie dies tun musste. Und als die Mädchen keine Schuhe mehr hatten, fertigte sie welche aus der letzten Erinnerung an ihre Heimat Schottland an – nämlich aus dem weichen Leder ihres Koffers.

Sie konnte sich gut mit jenen identifizieren, die ihre Eltern verloren, weil ihre Mutter bei einer Geburt verstarb, als Jane erst fünf Jahre alt war. Ihre Schwester Helen starb im Alter von 18 Monaten und ihr Vater, der später wieder heiratete, starb, als seine neue Frau schwanger war.

In Auschwitz gestorben

Jane wurde schliesslich durch die Gestapo verhaftet. Die verschiedenen Anklagepunkte liefen auf ihre Liebe zu den Juden hinaus. Zunächst wurde sie in verschiedene Gefängnisse gebracht, ehe sie in einen Viehwagen mit neunzig anderen Frauen den langen Weg nach Auschwitz gekarrt wurde. Die Frauen wurden im Wagen zusammengepfercht wie Tiere ohne Wasser und Toiletten.

Bald darauf starb die 47-Jährige angeblich eines natürlichen Todes. Doch weil sie eigentlich über eine solide Gesundheit verfügte, auch wenn sie ihr Essen mit anderen teilte, ist es wahrscheinlicher, dass sie erschossen oder vergast wurde. Zwei Tage vor ihrem Tod schrieb sie eine Postkarte, auf der stand, dass sie den Herrn bald in der Ewigkeit sehen würde, wo jedoch kein Hinweis auf eine Krankheit war.

In ihrem irdischen Leben säte sie mit Tränen, doch in der ewigen Heimat erntet sie mit Freuden. Ein Rabbi schrieb im Vorwort zu Lynleys Buch: «Die Juden müssen wissen, dass wahre Nachfolger Jesu unsere Freunde sind.»

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