«Glaube auf dem Prüfstand» – Pastor weigert sich, aus Syrien zu fliehen

Viele Menschen flüchten derzeit aus Syrien. Pastor Harout (Name geändert), ein evangelischer Pastor mit armenischen Wurzeln, ist einer von denen, die sich anders entschieden haben. «Jetzt ist nicht Zeit zu fliehen, sondern zu bleiben» sagt er.

Viele Menschen flüchten derzeit aus Syrien. Pastor Harout (Name geändert), ein evangelischer Pastor mit armenischen Wurzeln, ist einer von denen, die sich anders entschieden haben. «Jetzt ist nicht Zeit zu fliehen, sondern zu bleiben und über das zu reden, was Gott Grossartiges in unserem Leben tut», sagt er.

Rev. Harout ist ein armenischer evangelikaler Pfarrer, der sich weigert, seine Gemeinde in Syrien zu verlassen; er glaubt, dass es für christliche Leiter jetzt wichtiger als je ist, im Land zu bleiben und für die kämpfenden Menschen da zu sein. Er sprach mit einer Reporterin der Fernsehstation CBN anlässlich des nationalen Gebetsfrühstücks in Washington; sein voller Name wurde aus Sicherheitsgründen verändert. «Unser Leben ist gefährlich geworden, aber wir fühlen mehr denn je unsere Verantwortung für die Menschen, denen wir dienen», sagt Harout. «Unsere Nation ist vom Krieg zerrissen und braucht Menschen, die mit dem Geist Gottes und mit Liebe und Mitleid erfüllt sind. Wir werden hier bleiben, solange der Krieg dauert.»

Für alle Menschen da

Die Kirche von Pfarrer Harout dient als Hilfszentrum für alle Bewohner des Ortes, Christen und Muslime; sie bringt Hilfe für alle, die mit den Auswirkungen des Krieges in Aleppo kämpfen. «Unser Kirchengrundstück liegt in einem von Muslimen bewohnten Quartier, und jeder kommt in unsere Klinik und in unser Sozialzentrum; wir versuchen, die Hände zu allen Menschen auszustrecken, vor allem wenn das Wasser abgestellt wird. Wir teilen so gern alles, was wir haben, mit allen Menschen aus der Stadt ohne Unterschiede. Das ist unsere Lehre, das ist unser Glaube, so muss man als Syrer in Syrien leben.»

Kirchen werden repariert

Viele Kirchen sind in Syrien zerstört worden, aber Harout berichtet, dass sie, kaum zerstört, repariert und wiederaufgebaut werden: «Die Menschen brauchen ein Gefühl der Stabilität in all der Zerstörung um sie herum.» Egal wie gross die Zerstörung ist – Harout und seine Familie ist entschieden, in seinem Land zu bleiben. «Wir müssen hierbleiben, wir müssen unsere Kirchen, unsere Schulen und unsere sozialen Treffpunkte beschützen und erhalten.»

Flüchtlinge «nicht besser dran»

Harout berichtet von Flüchtlingen, die jetzt in Situationen leben, die nicht viel besser sind als das, was sie zurückgelassen haben. «Wir machen uns wirklich Sorgen um die, die geflohen sind. Wir hören so viele Geschichten, dass es ihnen nicht gut geht. Viele leben in irgendwelchen Unterkünften oder in den Eingangshallen von Kirchen in Toronto. Eine ganze Reihe von Familien haben uns in alle. Und in Syrien angerufen und haben gesagt: 'Pastor, wenn du irgendetwas arrangieren kannst, möchten wir gerne mit unserer Familie zurückkommen nach Aleppo, denn wir wollen nicht jahrelang so hier leben'.»

Glaube auf dem Prüfstand

Egal was geschieht, Harout hat keine Pläne, Syrien zu verlassen. «Ich will nicht weg, ich muss bei meinen Leuten bleiben. Als Leiter der armenischen protestantischen Kirchen in Syrien hat Gott mich gerufen, hier zu sein. Ich bin nicht nur Pastor für die guten Tage, sondern für alle Zeiten.» Und er ergänzt: «Der Glaube muss geprüft werden; Satan ist rings um uns da, aber wir dürfen doch die Wüste nicht verlassen und sie dem Satan überlassen. Jesus blieb in der Wüste zur Prüfung; wir werden auch hierbleiben und wir werden Satan sagen: Verschwinde!'»

Wenn der christliche Glaube nicht geprüft werde, würde man nicht sehen, wie real und wie kraftvoll er ist. «Die wahre Kraft des christlichen Glaubens bricht immer durch, wenn er geprüft wird.» Und wie wird er geprüft? Durch Feuer. «Das Feuer hier ist überall, und wir haben viele Kämpfe – darum glaube ich heute, dass auch unser christlicher Glaube so getestet wird. Darum ist dies nicht die Zeit, weg zu gehen, sondern zu bleiben und darüber Zeugnis abzulegen, was für eine wunderbares Werk Gott in unserem Leben tut.»

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