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Oliver S.*

Oliver S. – «Nun weiss ich, dass ich kein Versager bin»

Oliver S. hatte schon von klein auf Mühe mit seinem Selbstbewusstsein. Das Gefühl, niemandem zu genügen, war sein stetiger Begleiter und holt ihn bisweilen heute noch ein. Erst durch die Nähe zu Gott hat er gelernt, dass auch er wertvoll ist.

Oliver S.* hatte schon von klein auf Mühe mit seinem Selbstbewusstsein. Das Gefühl, niemandem zu genügen, war sein stetiger Begleiter und holt ihn bisweilen heute noch ein. Erst durch die Nähe zu Gott hat er gelernt, dass auch er wertvoll ist.

Nach zwei Jungen hatten sich meine Eltern ein Mädchen gewünscht. Stattdessen bekamen sie mich. Bevor ich überhaupt etwas angefangen hatte, sollte die Angst, nicht zu genügen, mein Leben prägen. Ich eiferte meinem Vater nach, der es mit Fleiss und Arbeit weit gebracht hatte. Nach der obligatorischen Schule schloss ich eine Lehre als Metzger ab. Als mich dann meine damalige Freundin verliess, trennte ich mich auch von unserem gemeinsamen Freundeskreis. Durch die Menschen, die ich dann kennenlernte, kam ich mit etwa 20 Jahren in Kontakt mit Cannabis und Kokain. Damals glaubte ich, dass mich die Drogen selbstbewusster machen würden – später musste ich mir eingestehen, dass ich dadurch nur gleichgültiger wurde. Als ich 22 Jahre alt war, experimentierte ich zusammen mit anderen mit Heroin. Es war erschreckend schön – keine Sorgen, keine Probleme mehr. Viele meiner Kollegen starben daran.

Eine Familie gibt Halt und zerbricht doch

Mit 23 Jahren lernte ich meine heutige Ex-Frau kennen. Mit ihrer Unterstützung konnte ich mich von meinen damaligen Freunden und dem Heroin lösen. Cannabis konsumierte ich jedoch weiterhin. Wir heirateten und bekamen drei Kinder. Dadurch nahmen der Druck, als Vater und Versorger zu genügen, und die Angst, zu versagen, immer mehr zu. Neben Cannabis begann ich zunehmend auch Alkohol zu konsumieren. Meiner Familie verheimlichte ich es und rauchte oft im Auto. Dort erwischte mich schliesslich die Polizei. Als der Strafbefehl zu Hause eintraf, war meine Frau sehr wütend und enttäuscht. Um meine Familie vor mir zu schützen, verliess ich sie.

Ein Geschenk Gottes, das man sich nicht verdienen kann

Während fünf Jahren lebte ich in einer eigenen Wohnung, bis es nicht mehr ging. Mein Cannabiskonsum stieg. Ich kiffte selbst während der Arbeit, nahm Kokain oder Amphetamine. Schliesslich wollte ich mir mit Medikamenten das Leben nehmen. Mein Suizidversuch scheiterte und ich konnte in ein Zentrum für Suchttherapie eintreten. Nachdem ich stabilisiert war, kam ich in ein Wohnheim.

Dort hatte ich ein Schlüsselerlebnis: Als ich vom Nachtwächter ein Beruhigungsmittel verlangte, hielt er mir die Bibel hin mit den Worten: «Wirklich helfen kann nur der Herrgott.» Ich rief, ich sei nicht würdig, Gott um Hilfe zu bitten! Darauf erwiderte er, dass dies ein Geschenk, eine Gnade sei, welche man sich nicht verdienen könne. Da spürte ich das Verlangen, mit Gott unterwegs zu sein.

Wenn der Körper versagt

Mithilfe von Gott und der Heilsarmee konnte ich auch dem Cannabis entsagen. Der Glaube war und ist für mich eine grosse Stütze. Deshalb entschied ich mich für die Wohnstätten Hasenberg. Hier gibt es Angebote wie Gottesdienste und Bibelgespräche. Während ca. eineinhalb Jahren konnte ich ausserhalb vom Hasenberg einen Arbeitsversuch machen, den ich aber aufgrund chronischer Rückenschmerzen abbrechen musste. Durch die Arbeitsunfähigkeit begann der «Du bist ein Versager»-Mechanismus wieder meine Gedanken zu dominieren. Dank Gesprächen mit meiner Bezugsperson bei der Heilsarmee wurde mir bewusst, dass meine Arbeitsunfähigkeit nicht an meinem Willen lag, sondern mein Körper nicht mehr mitmachte. Es war also nicht mein Versagen.

Versöhnung mit sich und der Familie

Nach ca. zweieinhalbjähriger Abstinenz von Drogen und Alkohol nahm ich wieder Kontakt zu meiner Familie auf. Auch mit meinen Eltern, welche mittlerweile verstorben sind, konnte ich Frieden schliessen. Mein Vater sagte mir vor seinem Tod, dass er stolz auf mich sei. Er fragte weder nach meinem sozialen Status noch, was ich arbeite – nur dass es schön sei, dass ich hier sei und es mir wieder gutgehe.

Die Heilsarmee half mir, mich wertvoll zu fühlen. Im Hasenberg wurde ich aufgefangen und werde ernst genommen. Zudem kann ich hier einer Beschäftigung in der Werkstatt nachgehen. Hier fühle ich mich für den Moment daheim und erhalte eine schmerzlindernde Therapie. Mein Ziel ist es, eine eigene Wohnung zu haben und weiterhin einer Tätigkeit nachzugehen.»

*Zum Schutz der Privatsphäre wurde der Name geändert und eine andere Person abgebildet.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Heilsarmee Schweiz.

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