Ein Äthiopier berichtet – «Nie wieder werde ich Jesus verlassen!»

Um einer weiteren Haftstrafe zu entgehen, flüchtete Mulugeta Adera aus Äthiopien in die Schweiz. Hier fand er zu Jesus, wandte sich aber wieder von ihm ab. Doch Gottes Treue war grösser und zog ihn zurück.

Um einer weiteren Haftstrafe zu entgehen, flüchtete Mulugeta Adera aus Äthiopien in die Schweiz. Hier fand er zu Jesus, wandte sich aber wieder von ihm ab. Doch Gottes Treue war grösser und zog ihn zurück.Mulugeta Adera (51) war in Äthiopien Musiklehrer und spielte Trompete in einer Band. 1997 wurden alle Lehrkräfte gezwungen, der Partei EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker) beizutreten. Bei Weigerung drohte eine Haftstrafe. Als Folge verbrachte auch Mulugeta mehrere Monate im Gefängnis. Da er der Partei auch nach der Freilassung nicht beitreten wollte, flüchtete er in die Schweiz.

Soziales und religiöses Leben

Damals war Mulugeta koptisch orthodox. Die regelmässigen Kirchenbesuche waren ihm wichtig und er liebte die Gemeinschaft und das gemeinsame Singen. Eine persönliche Beziehung mit Gott und dem auferstandenen Jesus waren aber weiter kein Thema. In der Schweiz hatte er keine Freunde und fand auch keine koptisch orthodoxe Kirche. Abgesehen von vereinzelten Auftritten mit einer kleinen äthiopischen Band hatte er auch keine Beschäftigung. Eine Arbeitsstelle fand er nicht und stattdessen steigerte er seinen Alkoholkonsum – regelmässig trank er zu viel.

Jesus gefunden…

Mulugeta traf einen Äthiopier, der ihn einlud, seine Gemeinde zu besuchen. Er folgte der Einladung in die äthiopische Gemeinde. Die Musik gefiel ihm nicht und auch die laute Gebetszeit war überhaupt nicht nach seinem Geschmack. Als dann aber der Prediger sprach, war Mulugeta gefesselt: Da war eine Kraft, die ihn nicht mehr losliess. Von da an besuchte er die sonntäglichen Gottesdienste, selbst dann, wenn er sich am Vorabend noch dem Alkohol hingegeben hatte. Mit seinem Leben war er immer mehr unzufrieden.

Im April 1998 führte die äthiopische Gemeinde eine dreitägige Konferenz durch. Mulugeta ging hin mit dem Ziel, Äthiopier zu treffen und äthiopisch zu essen. Sein Herz brannte aber immer, wenn er Gottes Wort hörte. «Wer will sein Leben Jesus übergeben?», lautete ein Aufruf und Mulugeta fragte sich plötzlich: «Was wird meine Familie sagen? Wird sie mich ablehnen?» Dann sprach der Prediger sehr direkte Worte: «Es gibt einen Mann in dieser Versammlung, der jetzt über seine Familie nachdenkt und sich vor Ablehnung und Verfolgung fürchtet. Wenn das dich betrifft, bitte ich dich, nach vorne zu kommen und dein Leben Jesus zu geben.» Mehrere Minuten kämpfte Mulugeta mit sich selbst, bis er es nicht mehr aushielt und nach vorne ging. Er wollte zu Jesus gehören!

…und das neues Leben wieder verloren

Friede und grosse Freude durchströmten Mulugetas Herz. Es war, als wäre er zu Hause angekommen. Es folgte ein Glaubensgrundkurs mit fünf oder sechs Personen.

Beim zweiten Treffen geschah ein hässlicher Zwischenfall. Ein äthiopischer Christ konfrontierte Mulugeta wegen dessen Kruzifix. Die Zurechtweisung gefiel ihm gar nicht. «Nein, das will ich nicht mehr», sagte er und blieb der Gemeinde von diesem Tage an fern. So wandte sich Mulugeta von seinem neu gefundenen Glauben ab, aber sein Leben war daraufhin leer und unerfüllt.

Verzweiflung und Gottes Treue

Mulugetas Leben schien nur noch sinnlos. Im September 1999 betete er: «Oh Gott, gib mir doch bitte eine Arbeitsstelle, egal welche. Und wenn du mir einen Job gibst, dann gebe ich dir mein Leben.» Ein paar Wochen später hatte er eine Arbeitsstelle – aber sein Versprechen war vergessen. Erst Ende Dezember erinnerte er sich wieder daran. So traf er an Silvester eine Entscheidung: Er wollte ganz für Gott leben. Aber erst, nachdem er sich noch einmal so richtig betrunken hatte. Er glaubte, noch einmal geniessen zu müssen, was er anschliessend nicht mehr zu dürfen glaubte.

Und Mulugeta hielt sein Wort. Von diesem Tag an hat er nie mehr Alkohol getrunken und besucht stattdessen regelmässig die Kirche. Die Freude an Jesus war wieder zurück und er packte in seiner Gemeinde an. Er schloss sich dem Chor an, wo er seine zukünftige Ehefrau Samrawit kennenlernte. Im Juni 2001 heirateten die beiden und hielten ein Jahr später ihre Tochter in den Armen. Später sollte noch ein Sohn folgen.

Nie mehr ohne Jesus

«Nie mehr werde ich mich von Jesus abwenden!», hält Mulugeta heute fest. Dieser Entscheid damals sei das Dümmste, was er jemals getan hat. «Es lohnt sich, ganz für den Herrn zu leben», weiss er heute mit Begeisterung zu bezeugen.

«Ich muss nicht mehr Alkohol trinken, denn ich bin ein Geweihter für Gott.» Mulugeta glaubt nicht, dass er auf alle Dinge dieser Welt, wie beispielsweise den Fernseher, verzichten muss. Aber Jesus soll immer den ersten Platz in seinem Leben haben. «Es geht mir nicht darum, ein Extremist zu sein, aber Gottes Wort und die Führung des Heiligen Geistes haben in meinem Leben absolute Priorität.» Diese Priorität hat sich für Mulugeta in den letzten achtzehn Jahren nicht verändert. Nie mehr will er seinem Glauben den Rücken drehen, egal welche Schwierigkeiten er in der Gemeinde findet und mit welchen Privilegien die Welt lockt. Denn echtes Leben gibt es nur in Jesus!

Seit 2003 gehört er zum Ältestenrat seiner Kirche und hält regelmässig Predigten. Aktuell absolviert er die Ausbildung &Culture, wo er wertvolle Impulse für sein Leben und seinen Dienst erhält.

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