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Tabitha Bühne

Ein Hoffnungsportrait – Nicht alles wird (sofort) gut!

Als Tabitha Bühne zwölf Jahre alt ist, wird ihre Freundin grausam umgebracht. Es folgt ein Leben voller Brüche. Während der FeG-Herbsttagung für Hauptamtliche auf Langeoog erzählt sie, wieso sie ihre Hoffnung heute trotzdem auf Gott setzt.

Tabitha Bühne führt auf den ersten Blick ein Leben, das sich neudeutsch als «instagrammable» bezeichnen liesse – vollkommen geeignet für die Hochglanzwelt des Social Media also. Wer sie googelt, stösst schnell auf grosse Meilensteine in der Berufslaufbahn: Als Model hat sie gearbeitet, in Filmen mitgespielt, einen Podcast beim ERF produziert. Sie verdingt sich als Chefredakteurin des digitalen Laufmagazins RUNTiMES (run-times.de), ist Buchautorin und beriet Menschen bei Themen wie Sport und Ernährung.

Auch auf der Hauptamtlichentagung auf Langeoog erzählen die Fotos in ihrer PowerPoint-Präsentation eine Geschichte voller beneidenswerter Erfahrungen: Da ist sie bei Marathons zu sehen, auf den Höhen des Himalayas, bei ihren Reisen durch Indien. Zum Interview hat sie ein rosa Shirt angezogen, das wunderbar mit ihrer beigefarbenen Jacke harmoniert. Aus ihren blauen Augen strahlt das Leben. Und mit ihren blond gefärbten Haaren könnte sie Platz auf jedem Beauty-Magazin finden. Nur, wer mit Tabitha spricht, merkt schnell: Der Schein trügt – natürlich.

Ein Kinderglaube bricht

In Tabithas Kindheit existiert sie noch, die heile Welt. Sie wächst als eins von sieben Kindern des Ehepaars Ulla und Wolfgang Bühne auf. Die Eltern sind evangelistisch tätig, unterhalten ein Haus für Menschen am Rande der Gesellschaft. Als Kind lernt die junge Tabitha, dass Gott Menschen versorgt. Als ihre Eltern beispielsweise zu wenig Geld für Essen haben, geht ihr Vater zum Briefkasten – und findet dort Münzen in der Menge, dass es für den Einkauf reicht. Doch so soll es nicht bleiben.

Der erste Bruch geschieht, als Tabithas Freundin mit zwölf Jahren ermordet wird. «Eigentlich wollte sie sich nur ein Eis holen», erzählt sie. Doch ein Mann entführt sie, möchte sie vergewaltigen. Und als sie sich wehrt, zertrümmert er ihr den Schädel. «Als Kind habe ich immer gesungen: ‚Gott hat alle Kinder lieb.‘ Doch das passte plötzlich nicht mehr.» Denn offenbar hat er die Freundin nicht genug beschützt, als dass diese überlebt hätte. Der Frust auf Gott wächst in dem Mädchen. Ihr Schluss: «Wenn es hart auf hart kommt, bin ich auf mich allein gestellt.»

Erfolg – und immer wieder scheitern

Tabithas Devise ist fortan: Niemanden etwas erzählen. Und sich selbst etwas beweisen. Immer wieder erlangt sie so äusseren Erfolg – und scheitert trotzdem.

Da wäre beispielsweise die Modelkarriere. Mit 14 Jahren schreibt Tabitha in ihr Tagebuch: «Es gibt nur eine Lösung: Ich muss schön sein.» Dieses Vorhaben setzt sie um – mit Erfolg. Während eines Praktikums für eine Modelagentur wird sie entdeckt. Eigentlich arbeitet sie dort nur als Assistentin, aber die Chefs sehen mehr in ihr. Plötzlich steht sie auf den grossen Bühnen. Und merkt: «In Unterwäsche auf der Bühne vor anderen Menschen herumlaufen war der Horror.»

Stichwort Sport: Nachdem der vermeintliche Traummann nach fünf Jahren an Weihnachten die Beziehung auflöst, geht Tabitha im Laufen auf. Das Muster wiederholt sich: Auf dem Papier feiert sie beachtliche Erfolge, läuft in einem Jahr zwölf Marathons, dann den 100-Kilometer-Lauf, später 174 Kilometer. Bei einem siebentägigen Etappenlauf durch die Alpen zerstört sie sich schliesslich ihr Sprunggelenk.

Und auch das Schauspiel endet als Sackgasse: Als Medienwissenschaftlerin darf sie für einen Horrorfilm das Drehbuch schreiben und wird dann sogar für die Hauptrolle auserkoren. Ein Dreivierteljahr dreht die Crew den Film. Dann tickt der Regisseur aus, möchte sich mit dem Gewehr im Wald erschiessen. Zwar wird der Selbstmordversuch verhindert, doch der Regisseur löscht das Filmmaterial – der Streifen erscheint nie.

Übergabegebet beim Hausarzt

Den Wendepunkt erlebt die Powerfrau am tiefsten Moment. Eine Woche lang kann sie nach den Erlebnissen des Horrorfilmdrehs nicht mehr schlafen. «Ich habe Eichhörnchen gesehen, die nicht da waren», erzählt sie. Ihr Hausarzt, selbst Christ, lädt sie zur Sprechstunde. Und dort spricht sie zähneknirschend ein Übergabegebet. «Ich kann ohne Gott leben, aber ich will es nicht mehr», so ihr Schluss.

In Hollywood wäre nun alles gut. Bei Tabitha Bühne ist es das nicht. Täler erlebt sie weiterhin. Beispielsweise, als sie drei Jahre mit ihrem Mann in Indien lebt und dort am eigenen Leib das Leid der Menschen erfährt. Oder als sie zurück nach Deutschland kommt und sieht: All die Firmen, für die sie arbeitete, gibt es nicht mehr. Wofür also das ganze Engagement? Und schliesslich wird sie sogar krank. «Zwischenzeitlich hätte ich mich vor Schmerzen manchmal am liebsten von der Brücke gestürzt», erzählt sie.

Was anders ist, ist das Wissen um Gott als Hoffnungspunkt. «Meine wichtigste Lektion war es, Spannungen im Leben auszuhalten. Die gehen nicht weg, wenn du Christ bist. Aber ich weiss, dass Jesus mich trägt, auch wenn sich das nicht immer so anfühlt», sagt sie. Oft genug flüstern in den Tälern des Lebens bei ihr noch die alten Stimmen, die ihr sagen, sie sei nicht gut genug und auf sich allein gestellt. Aber mittlerweile weiss sie: Das Gefühl ist eine Lüge. «Gefühle veräppeln mich ständig.» Ihr Wissen geht in diesen Zeiten tiefer. Und dieses Wissen und Vertrauen wiederum entsteht nur durch eine gelebte Beziehung zu Jesus.

Staunen lernen

Für Tabitha ist der zentrale Schlüssel dazu das Staunen über Gott. Wie in einer menschlichen Beziehung will sie immer wieder lernen, vom Schöpfer begeistert zu sein, um die Hoffnung auf ihn stärker werden zu lassen. Als Grundlage dient ihr die Natur: der Mauersegler, der monatelang in der Luft ausharren kann, ohne einmal zu landen. Oder die Pusteblume, die einfach so aus einem Löwenzahn entsteht.

Auch mit einer einfachen Übung lernt sie das Staunen über Gott: Einmal im Monat probiert sie etwas Neues aus: Mal kocht sie mit Freundinnen und Freunden ein neues Rezept, mal besucht sie einen Goldschmiedekurs und schmiedet sich einen Ring oder stellt sich einer neuen Sportart wie Klettern. Das Ergebnis: So entstehen nicht nur neue Strukturen im Gehirn, es wächst ausserdem die Faszination für den Schöpfer.

Und: Bekannte helfen ihr. «Bei meinen Freunden habe ich eine Auskotzerlaubnis. Und sie dürfen mir spiegeln, was sie wahrnehmen», sagt sie. Das kann beispielsweise sein, dass sie wieder in ihren alten Mustern und Glaubenssätzen gefangen ist – ohne die Güte und Grösse Gottes zu sehen.

Es sind kleine Schritte – mit ersten Ergebnissen: «Wenn ich dann von jemanden angerufen werde, der nur Kritik übt, aber ich mich nicht aufrege, sondern es mit Humor nehme und nicht direkt auflege. Dann merke ich: Ich wachse», erzählt Tabitha.

Tabitha Bühne ist 41 Jahre alt und verheiratet mit Markus Spieker. Sie ist Autorin, Rednerin und Chefredakteurin des digitalen Laufmagazins RUNTiMES (run-times.de). Im nächsten Jahr wird sie die Literatursendung «Auserlesen» von Titus Müller bei Hope TV übernehmen.

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