«Ich wollte, dass es vorbei ist» – Neun Selbstmordversuche - doch Shannon lebt noch!

Mehrfach versuchte sich Shannon Palmer das Leben zu nehmen. Vorausgegangen war eine schwierige Kindheit, in welcher ihr Vater die Familie im Stich liess. Der Durchbruch erfolgte vor rund drei Jahren auf eine aussergewöhnliche Art und Weise.

Mehrfach versuchte sich Shannon Palmer das Leben zu nehmen. Vorausgegangen war eine schwierige Kindheit, in welcher ihr Vater die Familie im Stich liess. Es folgten mehrere Einlieferungen in die Psychiatrie. Der Durchbruch erfolgte vor rund drei Jahren auf eine aussergewöhnliche Art und Weise.

Trotz seiner Drogensucht mochte die damals kleine Shannon ihren Daddy inbrünstig. Umso härter wurde die Siebenjährige getroffen, als er die Familie verliess. Kurz darauf glitt ihre Mutter auf einer Eisfläche in einer Parkgarage aus und verletzte sich am Rücken – seither leidet sie unter Schmerzen. Auf der Suche nach einem Wunder schloss sich die Mutter mit ihren beiden Kindern einer christlichen Gemeinde an. Shannon selbst war wütend auf Gott, wie sie rückblickend erzählt. Sie habe lange Zeit eine Distanz zu Gott gewahrt. «Erst vor drei Jahren wurde Gott für mich wirklich real.»

«Ich hoffte immer noch, seine Liebe zu gewinnen»

Um die Familie über Wasser zu halten, arbeitete Mutter für drei Arbeitgeber, bis sie einen «Rettungs-Vater» heiratete, bei dem die Kinder zum ersten Mal Weihnachten feiern konnten. Ihr Bruder nahm seinen Nachnamen an, Shannon nicht, da sie den Bezug zum biologischen Vater behalten wollte. Dies missfiel der Familie. «Ich hoffte immer noch, seine Liebe zu gewinnen, obschon er gar nicht da war.»

In ihr entwickelte sich eine Zwangsneurose. Bis diese Diagnose herauskam, verstand sie ihr Handeln oft selbst nicht.

Zwanghaft Sport treiben und hungern

Ihre Zwangsneurose versuchte sie auf der High-School in Leistungssport umzuwandeln. Sie stand um 5.30 Uhr auf, um mehrere Stunden Sport zu treiben, ehe der Unterricht begann. In der Schule betrieb sie dann Schwimmen, Volleyball, Basketball, Cross-Country und Ringen. Und abends powerte sie sich wieder bei Workout-Videos aus und machte sogar im Bett noch Sit-ups.

Dann wurde sie magersüchtig. «Das Hungergefühl wurde zu einer Art Kontrolle. Ich hatte erstmals das Gefühl, dass ich in meinem Leben etwas kontrollieren konnte.»

Mit 17 wollte sie sich erstmals das Leben nehmen. Sie gab sich die Schuld für die Schmerzen ihrer Mutter und dafür, dass die Familie wegen ihrer psychologischen Störung litt. Vor den Augen aller stopfte sie jede Menge Pillen in sich hinein. Die Familie raste mit ihr ins Spital. Shannon wurde auf die Psychiatrie gebracht.

Die Abwärtsspirale

Zum ersten Mal wurde sie in ihrem Leben unter Medikamente gesetzt. Diese machten sie hungrig und schläfrig. Sie hörte auf, Sport zu treiben und fiel in eine Depression. In den nächsten Jahren wuchs ihr Gewicht auf 135 Kilogramm an.

Sie zog nach Alaska, um dem Familiendrama zu entkommen. Shannon liebte Wale. Bald arbeitete sie auf einem Boot, von welchem aus diese Tiere beobachtet werden konnten – eine gute Therapie. Danach wollte sie studieren, doch wegen Angstattacken und Gefühlsschwankungen konnte sie die akademische Laufbahn nicht fortsetzen. Es folgten weitere psychiatrische Besuche. Und ein weiterer Selbstmordversuch.

Psychisch labil

Sie überlebte wieder. «Ich betete: 'Jesus, bitte nimm mich. Ich möchte bei dir sein.' Ich wollte einfach, dass es vorbei ist.»

Ein weiterer Umzug folgte, diesmal nach Bellingham im US-Bundesstaat Washington. Sie hatte eine Leidenschaft für Veterinärwissen entdeckt und wollte diese auf einer Schule vorantreiben. Doch ihre Psyche stand ihr weiterhin im Weg. Sie igelte sich ein, isolierte sich und schlief bis zu 14 Stunden pro Tag.

Dennoch schaffte sie es, einen Abschluss zu erlangen. Hilfe in der christlichen Gemeinde fand sie nicht; auch in der Kleingruppe stiess sie eher auf Ablehnung denn auf geistlichen Beistand.

2011 zog sie zurück nach Kalifornien, in der Zeit, als bei ihrer Mutter Brustkrebs diagnostiziert wurde.

«Selbstmordversuch»

Wieder fiel sie in eine tiefe Depression. Unter dem Einfluss einer starken Medikamenten-Dosis baute sie einen Unfall. Der Benzintank ging kaputt, der Treibstoff spritze überall herum. Glücklicherweise regnete es. Shannon glaubt, dass Gott in dieser Nacht ihr Leben gerettet hat.

In einem Gottesdienst im Jahr 2014 riet der Pastor, die grösste Sünde auf ein Blatt Papier zu schreiben und dieses an ein im Raum aufgestelltes Kreuz zu nageln. Shannon schrieb darauf: «Selbstmordversuch».

«Danach war ich sehr bewegt. Ich weinte. Auf dem Heimweg dankte ich Gott, dass er Jesus gesandt hatte. Er liebt uns so sehr, dass er uns vergibt.»

«Erstmals sagte ich, dass ich ihn liebe»

«Es war das erste Mal, dass ich ihm sagte, dass ich ihn liebte. Dies obschon ich in eine Gemeinde ging. Ich war immer wütend auf ihn. Doch an diesem Tag veränderte sich mein Leben völlig. Ich realisierte, dass ich Shannon war. Vorher war es, als wäre ich zwei Personen. Nun wurde ich wirklich ich.»

Durch fachliche Begleitung und mit Gottes Hilfe überwand sie das Stigma, psychisch krank zu sein. Sie realisierte, dass sie eine Krankheit hat, diese aber nicht ihre Identität ist. «Ich schämte mich nicht mehr. Und ich hatte nicht mehr das Verlangen, mich zu verletzten oder Pillen zu nehmen.»

Licht angeknipst

Sie begann, sich in der Kirche zu engagieren und Obdachlosen zu helfen. Es war, als würde das Licht in ihrem Leben angeknipst. Durch ihre Lebensgeschichte kann sie nun andere Mädchen ermutigen, die ebenfalls Probleme mit ihrer Identität oder ihrer Psyche haben.

Ihr persönlicher Kampf ist natürlich nicht zu Ende. Doch sie erlebt hoffnungsvolle Durchbrüche. Inzwischen hält sie es sogar für möglich, zu heiraten. «Vorher war das für mich unvorstellbar. Wegen dem, was mein Vater getan hatte, dachte ich, dass ich immer verlassen würde. Und so verletzte ich die Männer immer, bevor sie mich verletzen konnten.» Heute sei dieser Reflex nicht mehr so dominierend und sie könne sich vorstellen, eine verbindliche Beziehung zu einem Mann einzugehen.

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