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Cyntoia Brown-Long

Sie erschoss mit 16 einen Freier – «Loverboy» brachte sie auf die schiefe Bahn

Als Cyntoia Brown-Long noch die High-School besuchte, wurde sie von ihrem vermeintlichen «Freund» sexuell missbraucht und in die Prostitution getrieben. Bald darauf landete sie sogar im Gefängnis. Wie kam es, dass sie heute wieder lachen kann?

Als Cyntoia Brown-Long (32) noch die High-School besuchte, wurde sie von ihrem vermeintlichen «Freund» sexuell missbraucht und in die Prostitution getrieben. Bald darauf landete sie sogar im Gefängnis. Wie kam es, dass sie heute wieder lachen kann?Ihre Kindheitsträume änderten sich oft: «Einmal wollte ich Architektin werden, dann wieder Ingenieurin.» Als Kind wusste ich noch nicht genau, was das bedeutet, «es klang einfach schick.» Am Sonntag ging die Familie in eine Baptisten-Gemeinde, doch in der Schule begann Cyntoia, mit den falschen Leuten herumzuhängen.

Sie geriet in die Mühle jugendlicher Straftäter, wurde straffällig und landete in Nashville auf der Strasse. «Ich fing an, Drogen zu nehmen, Marihuana zu rauchen und regelmässig Kokain zu nehmen.» Von einem Drogenhändler dachte sie, dass dies ihr Freund wäre – sie war 16 Jahre alt, er 24. Die beiden lebten in Motels, sie musste anschaffen gehen. Kam sie ohne Geld zurück, schlug er zu und vergewaltigte sie.

«Du bist eine Schlampe, niemand will dich»

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Cyntoia mit ihrem Buch

Er sagte ihr, dass sie eine Schlampe sei und niemand sie wolle. Das Beste sei, wenn sie lernen würde, eine gute Schlampe zu sein.

2004 traf sie einen 43-Jährigen, der Sex mit ihr wollte. Bei ihm Daheim zeigte er ihr zuerst seine Waffensammlung. Sie bekam es mit der Angst zu tun und fürchtete um ihr Leben. «Ich habe ihn schliesslich erschossen, weil ich Angst davor hatte, was noch passieren könnte.»

Sie nahm das Portemonnaie mit, um es ihrem Zuhälter abzugeben. Cyntoia wurde wegen Mordes verhaftet. Ihr wurde erklärt, dass sie mindestens 51 Jahre absitzen müsse, bevor Sie überhaupt für eine Freilassung in Betracht kommen würde, offiziell erhielt sie «lebenslänglich».

Dennoch bedeutungsvoll

Die 16-Jährige wurde nach dem Erwachsenenstrafrecht beurteilt, heute würde sie als Menschenhandelsopfer gelten. Es dauerte zehn Jahre, bis sie realisierte, dass sie ein Opfer gewesen war. «Ich wusste, dass es einen Weg gab, wie ich eine Art bedeutungsvolles Leben im Gefängnis führen konnte.» Ihre Familie sei immer noch für sie da gewesen. «Um meiner Mutter willen wollte ich ein sinnvolles Leben führen.»

Sie konnte an der lokalen Lipscomb University an einem College-Kurs teilnehmen und es gelang ihr, im Gefängnisumfeld die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich aus Schwierigkeiten herauszuhalten. Und sie fand zurück zu ihrem Glauben aus der Kindheit.

Verbrannte Briefränder

Cyntoia erarbeitete sich einen Bachelor-Abschluss und drehte 2011 einen Dokumentarfilm über ihr Leben. Ihre Geschichte ging um die Welt. 2017 lernte sie den christlichen Musiker Jamie Long kennen. Via Youtube sah er die Dokumentation und schrieb Cyntoia einen Brief. Sie hatte viel Post erhalten und nie zurückgeschrieben … ausser bei Jamie, der die Ränder des Briefes verbrannt hatte.

Jamie erinnert sich: «Ich hatte den Brief bereits in das Couvert gesteckt, als ich spürte, wie Gott mir sagte, dass ich ihn noch einmal rausnehmen und die Ränder verbrennen sollte.»

Die beiden lernten sich kennen und sie sprachen viel über Gott. Schritt für Schritt verliebten sie sich ineinander. Das «Ja»-Wort gab sie am Telefon.

Gott der zweiten Chance

Cyntoias Geschichte weckte das Mitgefühl von Menschen auf der ganzen Welt, und Anhänger begannen den Hashtag «#FreeCyntoia» zirkulieren zu lassen. Die Begnadigung erfolgte und im August 2019 kam sie als freie Frau aus dem Gefängnis.

Viele Menschen hatten sich dafür eingesetzt, «weil Gott es ihnen aufs Herz gelegt hat. Er ist ein Gott der zweiten Chance».

Heute engagiert sich Cyntoia als Aktivistin gegen Menschenhandel, dazu gründete sie mit ihrem Mann die «Foundation for Justice, Freedom, and Mercy», kurz «JFam Foundation». Sie will «allen anderen Cyntoias eine Stimme geben».

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