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Samuel Lee

Samuel Lee – Leiter der «Migranten-Uni» ist Theologe des Vaterlands

Samuel Lee stammt aus dem Nahen Osten. Früher war er «Christenhasser», wie er sich selbst bezeichnet – doch dann hörte er Jesu Stimme im Hotel während der Flitterwochen. Heute ist er Pastor einer Migrantengemeinde in Amsterdam.

Samuel Lee stammt aus dem Nahen Osten. Früher war er «Christenhasser», wie er sich selbst bezeichnet – doch dann hörte er Jesu Stimme im Hotel während der Flitterwochen. Heute ist er Pastor einer florierenden Migrantengemeinde im Amsterdamer Brennpunkt-Stadtteil Bijlmer. Ende letzten Jahres wurde er zum «Theologen des Vaterlands» gewählt.Jedes Jahr wählt eine unabhängige Jury einen profilierten, akademisch gebildeten Theologen; der Titel öffnet Türen in die Medien, so erhält die christlich-theologische Sicht im Land eine Stimme. Lee ist der erste Pfingstpastor in dieser Rolle, zudem hat er einen Migrationshintergrund. Er sagt: «Es fühlt sich an wie damals bei der Einbürgerung, nur auf geistlicher Ebene.»

Lee lehrt an der Freien Universität Amsterdam und ist ein geschätzter Brückenbauer zwischen traditionellen Kirchen und Migrantengemeinden. Er gründete die Foundation Academy und nennt sie «Migranten-Uni»; sie bietet Kurse in Theologie, Menschenrechten und Global Studies (internationale Vergleiche / globalen Zusammenhänge).

«Im Hotelzimmer hörte ich die Stimme von Jesus»

Lee studierte Japanisch und war gerade auf Hochzeitsreise. Dem liberalen Blatt «Trouw» berichtete er: «Meine Bekehrung, das war übernatürlich. Meine Frau und ich waren in Spanien in den Flitterwochen. Mitten in der Nacht hörte ich im Hotelzimmer buchstäblich die Stimme von Jesus! Das war nicht eine Vision oder ein Hören im Herzen, sondern eine echte Stimme. Er sagte, er stehe vor meiner Herzenstür und klopfe an, und wenn ich öffne, würde er mit mir essen und trinken. Ich kniff mich in den Arm – ja, ich war wach! Und nochmals hörte ich diese Stimme 'sagen: 'Ich warte vor deiner Herzenstür. Mach sie auf, dann werde ich mit dir gemeinsam essen und trinken.' Es war eine sehr schöne Stimme.»

Der Interviewer konnte es kaum glauben. «Hatten Sie etwas getrunken?», fragte er. «Nein, nein, nein», antwortete Lee. «Natürlich war ich erstaunt. Ich fragte: 'Wer sind Sie?' – 'Mein Sohn, kennst du mich nicht? Ich bin Jesus.' Von da an war ich Christ, und das stellte mein Leben auf den Kopf. Davor war ich ein Christenhasser. Die waren so aufdringlich! Meine Frau auch, sie ist Koreanerin. Einmal war ich so wütend auf sie, ich war drauf und dran, ihre Kirche anzuzünden. Als ich ihr erzählte, dass Jesus bei mir im Zimmer war und mit mir sprach, war sie kein bisschen verwundert. Sie habe es gespürt, sagte sie. Ihre Familie hatte für mich gebetet. Ich sagte zu ihr: 'Jetzt will ich in die Kirche gehen.' Das war in Lloret de Mar, dort gab es nur eine katholische Kirche. Ich ging hinein, fiel auf die Knie, hob die Hände und sagte: 'Hier bin ich.'»

«Warum lässt du mich im Stich?»

Lees Zuhause wurde zu einem Wallfahrtsort. «Jeder wollte mit eigenen Augen sehen, dass ich, der Saulus, mich bekehrt hatte. Besonders die Koreaner – sie kamen kleinbusweise, und sie assen ständig. Auch der koreanische Pastor kam, er kümmerte sich um mich und lehrte mich, und nach etwa drei Jahren übergab er mir den Stab: 'Samuel, all die Leute hier haben sich bekehrt, weil sie deine Geschichte gehört haben. Ich gehe weg, jetzt bist du ihr Pastor.' Ich geriet halb in Panik: 'Warum lässt du mich im Stich?' – 'Gott hat dich berufen', antwortete er. So wurde ich Pastor in genau der Kirche, die ich einmal anzünden wollte.»

Das war Lees erste Bekehrung; seine zweite war die von einem hochgelobten supergeistlichen Pfingstpastor zum Hirten, der sich um Arme und Schwache kümmert, besonders um Migranten und deren Probleme. «In Amerika war ich ziemlich berühmt, ich stand im Rampenlicht – und wurde traurig. In Gedanken sah ich Mutter Teresa von Kalkutta und fragte mich: 'Würde sie das auch tun?' Das war die Stunde der Wahrheit. Ich hatte über den Zehnten gepredigt, also das, was die Mitglieder der Kirche spenden müssen: 'Wenn du deinen Zehnten nicht bezahlst, geht deine Brille kaputt und dein Auto bleibt stehen', und all diesen Unsinn. Das liess ich von da an bleiben. Dann traf ich Christen, die liberaler sind, Leute wie Shane Claiborne – er ist ein Franziskus von Assisi – und Richard Rohr; der bringt uns bei, dass wir Christus begegnen in allem, was wir erleben.»

«Es ist Zeit für eine neue Art Pfingstbewegung»

Dieser Wendepunkt gab Lee ein neues Ziel: die Pfingstbewegung zum Besseren zu reformieren. Er schrieb ein Buch dazu, «A New Kind of Pentecostalism» (dt. «Pfingstbewegung ganz anders»); darin kritisierte er den Fanatismus der Pfingstbewegung und bot den Grosskirchen die Hand der Versöhnung. «Heute denke ich nicht mehr in Gegensätzen wie falsch oder wahr, schwarz und weiss, pro und contra. Alles ist allumfassend. Wenn du an die Dreieinigkeit glaubst, bist du mein Bruder. Aber wenn du an den Einen glaubst, bist du auch mein Bruder. Ehrlich gesagt: Es ist mir egal. Jesus sagt: Den Baum erkennt man an der Frucht.»

Wie sieht der neue holländische «Theologe des Vaterlands» die Theologie? «Ein Theologe ist ein bisschen wie ein Kunsthistoriker: Er sieht im Museum ein Gemälde von Rembrandt oder von Van Gogh und sieht darin den Geist des Künstlers am Werk. Ein Theologe sucht in Gottes Geschöpfen das Ebenbild Gottes. Meine Theologie ist also mehr als Bibellesen und sie systematisch zu ergründen. Chemie, Physik und Astronomie sind für mich auch eine Art Theologie – sie helfen uns, Gottes Schöpfung besser kennenzulernen und damit den Schöpfer selbst. Auf einer weiteren Ebene ist Theologie, Gott zu lieben von ganzem Herzen und ganzer Seele und seinen Nächsten wie sich selbst. Ein guter Arzt hat nicht nur Bücherwissen über den Körper, sondern er hilft mit diesem seinen Wissen lebendigen Menschen – und ein Theologe ist jemand, der dem Menschen hilft mit seinem Wissen um Gott.»

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