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Aimee Byrd

Der Weg zurück – Kirchliche Verletzungen überwunden

Nach schmerzhafter Kritik und Anfeindungen fand Aimee Byrd in der Bibel Trost und neue Kraft. Sie lernte, dem Zweifel mit Glauben zu begegnen, denn «Gott will keine künstliche Braut, sondern die echte».

«Ich bin in der Kirche aufgewachsen», sagt die Autorin und Rednerin Aimee Byrd. Ihre Eltern brachten ihr früh das Beten bei. Schon als Kind fühlte sie sich von Gottes Gegenwart umgeben. «Ich spürte Gottes Liebe in meinem Leben», erinnert sich die heutige Mutter von drei Kindern.

Doch mit der Scheidung ihrer Eltern und der fehlenden Unterstützung durch die Gemeinde begann eine Phase der Ernüchterung. «Niemand in der Kirche war wirklich für uns da», erinnert sie sich. Das führte zu tiefen Fragen: «Was kann die Kirche in solchen Situationen für uns sein? Wer ist Gott für uns, wenn alles zusammenbricht?»

Für einige Jahre entfernte sich Aimee von der christlichen Gemeinschaft. «Ich habe eine Weile rebelliert», blickt sie zurück. Doch im College fand sie zu einer tiefen Glaubensüberzeugung zurück: «Ich erkannte, wie real und schön Gott ist, und ich wollte ihn wirklich kennenlernen.» Sie kehrte allein in die Gemeinde zurück und erwartete, willkommen geheissen und geistlich unterstützt zu werden. «Ich hatte gehofft, unter die Fittiche genommen zu werden, um zu lernen und geistlich zu wachsen, aber stattdessen musste ich mich selbst durch einen christlichen Buchladen führen.»

Die Dinge «richtig» angehen

Kurz nach dem Studium heiratete Aimee Byrd. Sie und ihr Mann, die beide aus geschiedenen Familien stammten, wollten es nun mit dem christlichen Leben und der Ehe «richtig» angehen. Aimee vertiefte sich in Bücher über biblische Weiblichkeit, weil sie eine «biblische Frau» sein wollte. Dabei entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Theologie: «Ich lernte, dass das, was ich so spannend fand, einen Namen hat – es ist Theologie, das Studium Gottes.»

Doch in der Kirche fühlte sie sich als «denkende Frau» oft isoliert. «Ich dachte, vielleicht könnte ich ein Werkzeug schreiben, um Frauen zu zeigen, dass wir alle Theologen sind. Was wir über Gott wissen, beeinflusst unser tägliches Leben.»

Sie schrieb ein Buch, erfuhr positive Resonanz und wurde Co-Moderatorin eines Podcasts. Bald folgten Einladungen zu Vorträgen und Reisen, auf denen sie viele Frauen traf, die wie sie das Bedürfnis nach einem tieferen theologischen Austausch in der Kirche hatten.

Harte Zurückweisung

Doch als dann ihr Buch «Recovering from Biblical Manhood and Womanhood» erschien, türmte sich heftiger Gegenwind auf. «Ich hatte mit Kritik gerechnet, aber das Ausmass war schockierend», sagt Aimee Byrd. Mehr als 1’100 christliche Leiter, vor allem Männer, griffen sie heftig an, beschimpften sie und versuchten, ihr öffentliches Ansehen zu zerstören. «Sie nannten mich ‚Jezebel‘ und riefen während meiner Vorträge an, um die Gemeinden vor mir zu warnen», berichtet sie.

«Einige wollten sogar meine Rezensionen bei 'Amazon' sabotieren und sie machten sich über mein Aussehen lustig.» Besonders verletzt war sie, als sie herausfand, dass einer der Ältesten ihrer eigenen Kirche zu dieser Gruppe gehörte. «Das war ein tiefer Verrat.»

«Ich hatte keine Stimme»

Zwei Jahre lang versuchte sie, die Situation über die offiziellen Kanäle ihrer Denomination zu verbessern. «Aber ich hatte keine Stimme.» Stattdessen wurde sie von den Männern in Machtpositionen verspottet und verhöhnt.

Diese Krise erschütterte ihr Vertrauen in die Kirche zutiefst: «Ich dachte, ich gehöre zu dieser kirchlichen Familie, aber es war eine falsche Zugehörigkeit.»

Doch gerade diese Desillusion führte sie tiefer in das Studium der Bibel, insbesondere des Hoheliedes, das sie als besondere Quelle des Trostes entdeckte.

Mutig Gott suchen

Im Hohelied fand Aimee Byrd eine Frau, die mutig ihre Bitten vor Gott brachte, ihre Unsicherheiten und Ängste offenbarte. «Manchmal kann sie ihn nicht finden», sagt Aimee Byrd und fügt hinzu: «Mir ging es genauso.» Doch die Metaphern und Allegorien berührten sie tief und lenkten ihre Sehnsucht neu. «Ich nahm mir diese Worte zu Herzen und fand Trost darin.»

Aimee Byrd glaubt, dass Gott unsere Desillusion nutzen kann, um uns zu ihm zurückzuführen. «Vielleicht ist die Enttäuschung ein Werkzeug, das Christus benutzt, um uns aufzuwecken und uns zu zeigen, was falsch ist.»

«Gott will die echte Braut»

Ein Bibelvers, der sie besonders bewegt, steht in Johannes Kapitel 12, Vers 24: «Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt.»

Für Aimee Byrd war dieser Prozess des «Sterbens» auch ein Prozess der Heilung und des Wachstums. «Ich musste vieles in mir sterben lassen, um neu von Gott und seinem Wort gelehrt zu werden.»

Aimee Byrd betont, dass Gott uns so sehen und annehmen will, wie wir sind. «Christus will keine künstliche Braut, sondern die echte», sagt sie. Gott benutze unsere Narben und Wunden, um uns zu lehren. «Unsere Wunden erzählen eine Geschichte. Sie zeugen davon, wo wir waren, was wir durchgemacht haben und wo Christus uns begegnet ist.»

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