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Marie-Theres Nadig

Marie-Theres «Maite» Nadig – Kicken statt stricken

Ski-Ikone und Frauenfussball-Pionierin Marie-Theres Nadig blickt zurück auf ihr Leben und ihre Karriere. Ihre Eltern engagierten sich einst als Mesmer und erzogen die Kinder im christlichen Glauben. Diese Werte prägen die Flumserin bis heute.

Im Rahmen der Women’s Euro 2025 in der Schweiz pfiff SRF zur Doku-Serie «Kick it like Trudi» sechs Fussballpionierinnen zusammen. Auch die fussballbegeisterte Ski-Ikone Marie-Theres Nadig (71) liess sich auf den Rasen locken und tauchte so erneut in der Öffentlichkeit auf.

«Maite», wie sie sich selbst vorstellt, wuchs ab 1954 mit vier Geschwistern in Flumserberg auf und konnte als Teenager überraschend grosse Skierfolge feiern. 1972 wurde sie gar Doppel-Olympiasiegerin in Abfahrt und Riesenslalom. Mit diversen WM- und anderen Titeln bis in die 80er-Jahre, war der Skiprofi noch zwei Jahrzehnte als Trainerin tätig. In Sachen Fussball wurde Maite Nadig 1972 von Edi Nägeli alias «Stumpen-Nägeli» als Spielerin für den FC Zürich angeworben. 1977 wechselte sie in die Erste Liga nach Bad Ragaz, wo sie bis 1980 auch als Trainerin engagiert war.

Die Ex-Spitzensportlerin beschreibt sich selbst als offen, geradeaus, bodenständig und hilfsbereit. «Aber geduldig bin ich nicht!», stellt sie umgehend klar. So schreiten wir behände zum Interview – und sind sofort per du.

Die Frauen-Fussball-EM in der Schweiz ist Geschichte. Was ist dein Fazit und welche Tipps hast du für die jungen Spielerinnen?
Marie-Theres Nadig:
 Sie haben das sehr gut gemacht; das OK (Organisations-Komitee) und die Spielerinnen. Es wurde Präsenz markiert, ich hoffe, dass sie den Schub ausnützen können. Man sollte die Frauen unbedingt weiterhin so unterstützen. Von nichts kommt nichts. Wer den Willen und die Begeisterung mitbringt und bereit ist, regelmässig zu trainieren, der sollte dranbleiben. So wird man gesehen, und es können sich weitere Türen öffnen. Nicht vergessen: Die Frauen dürfen sich nicht mit den Herren vergleichen – auch nicht im Skisport. 

Siehst du Erfolge als Gabe Gottes oder als Folge harten Trainings?
Klar gibt es auch genetische Voraussetzungen. Meistens gilt: Gottvertrauen hilft, demütig zu bleiben, sich nicht über andere zu erheben. So verstehe ich auch die Zehn Gebote. Es ist nicht an uns, Herrgott zu spielen. Meine Erfolge machen mich vor Gott nicht zu einem besseren Menschen.   

Worin gründet dein Bezug zum christlichen Glauben?
Meine Eltern waren Mesmer in der Pfarrei und haben meinen Geschwistern und mir den Glauben vorgelebt. Kam ich etwa mit einer schlechten Leistung nach Hause, erhielt ich oft eine Umarmung als Antwort. Als es mit 15 oder 16 losging und ich 17-jährig Olympia gewann, war mein Wunsch: ‹Hoffentlich bleibst du am Boden!› Aber ich war zufrieden, nicht hochmütig. Auch das habe ich meinem Glauben zu verdanken: mir selbst treu zu bleiben.

Du hast nie dafür gebetet, dass du gewinnst?
Ich betete nicht für den Sieg, das ist richtig. Mein Gebet lautete: «Lieber Heiland, hilf, dass ich zurückkomme und gesund bleibe!» Auch betete ich: «Lieber Herrgott, nimm die Eltern nicht zu früh von mir weg.» Sie verstarben im 90. und 91. Lebensjahr.

Wie erlebst du Gott sonst noch?
Wenn es mir mal nicht so gut geht und ich ihn um Hilfe bitte, steht er mir bei. Auch mit anderen Gespräche zu führen, hilft, danach geht’s dir besser. Glaube bedeutet für mich auch: Gott kennt mich besser als ich mich selbst. Trotz meines Unwissens nimmt er mich an.

An welche Anekdoten aus dem Frauenfussball erinnerst du dich gern?
Damals, nach 1972, war es ein Hobby für mich. Ich hatte schlicht keine Lust, zu stricken… Das ‹Tschutti-Spiel› war sehr einfach. Wir sind halt hin- und hergerannt. Dann wollte ‹Stumpe-Nägeli› vom FC Zürich den Damenfussball präsenter machen und holte mich. Meine Positionen waren der linke Flügel und das Mittelfeld. Ich hatte eine gute Übersicht, Spielwitz, einen starken Schuss und war auf dem Platz wie ein Tank: kraftvoll und kaum zu stoppen. Wir älteren Spielerinnen fuhren oft eigenständig zu Trainings und Matches. Einmal verfuhren wir uns, mussten uns im Bus umziehen und rannten mit Verspätung direkt aufs Spielfeld.

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Doku-Serie von SRF - mit Maite (links)

Teamgeist ist im Fussball zentral. Worauf hast du noch geachtet?
Gerechtigkeit war mir immer wichtig, und dass jede in der Mannschaft gesehen wird. Ich habe mich für die Schwächeren eingesetzt, deshalb bin ich auch Trainerin geworden: Ich wollte unterstützen, fördern und dafür sorgen, dass jede weiterkommt. Ich suchte das Miteinander, den Zusammenhalt.

Die Gesellschaft ist im Wandel. Wie beurteilst du diese Entwicklungen?
Leitplanken sind wichtig. Damals gab’s am Tisch ein Gebet, und wenn Vater und Mutter zusammen sprachen, hörten wir zu. Sich mitzuteilen, war selbstverständlich, aber man wartete, bis der andere ausgesprochen hatte. Die Eltern waren die Chefs, wir achteten und liebten sie. Gibt es heute Strafaufgaben, dann wird der Trainer oder Lehrer infrage gestellt. Es zählt nur noch Leistung, die gut bezahlt ist – Geld steht im Vordergrund. Man wird schon mit drei Jahren in die Leistungs-Gesellschaft hineingezogen. Früher war das anders, wir spielten mit Schnecken, brauchten unsere Fantasie, ohne ständig von Reizen überflutet zu werden. Es ist nicht bei allen gleich. Aber es braucht Orte der Ruhe, die einen zurückholen – besonders das Daheim.

Wie sieht dein Alltag heute aus?
Ich spiele Tennis und geniesse gesellige Runden mit Frauen von damals. Dazu gehören meine einstige «Erzrivalin» Annemarie Moser-Pröll aus Österreich, Bernadette Zurbriggen, Lise-Marie Morerod, Erika Hess und andere. Auch bete ich jeden Morgen und Abend und besuche zweimal im Monat die Messe – eine einfache Messe.

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