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Pastor Houmayoun (links) bei einem Hausgottesdienst (Bild: persecution.com)

Mit handgeschriebenen Bibeln – Iranische Pastoren evangelisieren im Gefängnis

Fast 3,5 Jahre verbrachte der iranische Pastor Houmayoun mit anderen Christen im Gefängnis. Dort begannen sie, auf kreative Weise die Bibel zu übersetzen bzw. abzuschreiben. Viele der Mitgefangenen hörten so von Jesus und entschieden sich für ihn.

Fast 3,5 Jahre verbrachte der iranische Pastor Houmayoun mit anderen Christen im Gefängnis. Dort begannen sie, auf kreative Weise die Bibel zu übersetzen bzw. abzuschreiben. Viele der Mitgefangenen hörten so von Jesus und entschieden sich für ihn.

Pastor Houmayoun leitete 2012 gerade ein Gebetstreffen in seinem Haus in Shiraz, Iran, als die Polizei das Haus stürmte und ihn, seine Frau, ihren 17-jährigen Sohn sowie vier andere Gemeindeleiter festnahm. Mit verbundenen Augen wurden sie in ein Gefängnis gebracht und dort verhört. Nach Tagen brachte man sie in ein anderes Gefängnis und ordnete an, dass sie nicht über den Grund ihrer Verhaftung reden sollten – gross war die Angst, dass sich unter den 6'000 Häftlingen das Christentum verbreiten könnte.

Doch der Pastor und die anderen Christen hielten sich nicht daran – obwohl das deutlich leichter gewesen wäre. Sie begannen, den Mithäftlingen von Jesus zu erzählen. Einige drohten damit, sie zu töten, andere hörten aufmerksam zu. Wieder andere baten um mehr Informationen. Doch sie hatten keine Bibeln. «Ich erzählte einfach von meinem Zeugnis und von der Guten Nachricht der Evangelien und die biblischen Geschichten», erinnert sich Houmayoun. «Gott gab mir Weisheit darüber, wer wirklich offen war und wem ich wieviel anvertrauen konnte.»

Handgeschriebene Bibeln

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Eine der handgeschriebenen Bibeln

Natürlich bekamen die Wächter das mit – allein Pastor Houmayoun erhielt 20 schriftliche Warnungen, mit dem Evangelisieren aufzuhören. Doch sie machten weiter. Nach und nach begannen sie, die Bibelverse, die sie auswendig konnten, auf Papier aufzuschreiben. Und diese Verse ermutigten sie selbst, viele, gerade zum Thema Verfolgung, verstanden sie erst jetzt wirklich.

Nach 37 Tagen wurde sein Sohn Nima entlassen – er musste sich ab sofort um die zehnjährige Schwester kümmern, die zuvor bei Verwandten gewohnt hatte. Sieben Monate später wurde auch seine Frau Fariba entlassen. Als man den fünf Pastoren, die im Gefängnis bleiben mussten, erlaubte, Freunde und Verwandte anzurufen, baten sie diese, ihnen ganze Kapitel der Bibel auf Englisch aufzuschreiben und diese dem Imam zu geben, der die Häftlinge regelmässig besuchte. Weder der Imam noch die Wächter konnten Englisch lesen – und so gelangten diese «Briefe» zu den gefangenen Christen. Diejenigen von ihnen, die Englisch konnten, übersetzten die Kapitel auf Farsi und schrieben dies auf, damit auch andere Häftlinge die Bibel lesen konnten. Nach mehreren Monaten hatten sie die komplette Kopie diverser Bücher aus der Bibel. Und ihre handgeschriebenen Bibeln wurden ständig erweitert. Während es ausserhalb des Gefängnisses kaum eine Bibel gab, vervielfachten sie sich innerhalb der Gefängnismauern.

Die Botschaft verteilt sich im Gefängnis

Die Wächter trennten bald darauf die Christen voneinander in der Hoffnung, die Evangelisation würde aufhören. Doch jeder der christlichen Häftlinge hatte eine Kopie der handgeschriebenen Bibel – sie taten so als seien es Tagebücher. «Wir hatten zu Beginn keinen Zugang zu allen Gefangenen, aber weil sie uns immer weiter straften und uns vom besseren Teil des Gefängnisses in den schlimmsten Teil schickten, bekamen wir nach und nach Zugang zu fast dem gesamten Gefängnis», berichtet Houmayoun.

Letztlich landete der Pastor im schlimmsten Teil der Haftanstalt, auch «Hölle» genannt: In den Kellerräumen warteten 200 gewalttätige Gefangene auf ihre Todesstrafe. Jede Woche ermordeten sich Häftlinge gegenseitig. Als besonders grausame Strafe steckten sie Pastor Houmayoun in eine Zelle mit Drogenabhängigen, weil sie erfahren hatten, dass der Pastor zuvor 30 Jahre lang abhängig gewesen war. Seine Zellen-Kollegen wurden regelmässig mit Heroin und Crystal Meth versorgt. Doch mit Hilfe der Bibel und ständigem Gebet widerstand der Pastor der Versuchung. «Nicht nur das, einige der Drogenabhängigen hörten sogar auf, Drogen zu nehmen, weil ich mich ihnen näherte.» Er nutzte jede Gelegenheit, ihnen von Jesus zu erzählen, da viele von ihnen nur kurz auf die Urteilsvollstreckung warten mussten. Und mehrere kamen zum Glauben.

Das Erbe lebt weiter

Zwei Jahre nach der Inhaftierung – fünf Monate verbrachte er in der «Hölle»  – wurden die fünf Christen offiziell zu weiteren drei Jahren Haft verurteilt. Nach Berufung und Bitte um Haftminderung wurde Pastor Houmayoun im Juli 2015 entlassen. Doch die Arbeit als Pastor wurde zu gefährlich und so wanderte er mit seiner Familie und einigen anderen Familien in ein Nachbarland aus. Auch dort versucht er, vorsichtig anderen von Jesus zu erzählen.

Doch die ganze Familie hofft, irgendwann wieder in den Iran zurückzukehren. Er denkt oft an die vielen Gefangenen, denen sie von Jesus erzählen konnten. «Einige von ihnen sind aus dem Gefängnis raus und wir haben immer noch Kontakt», berichtet der Pastor. «Andere haben lebenslange Haftstrafen und wieder andere bereiten sich auf ihre Todesstrafe vor.» Viele der handgeschriebenen Bibeln befinden sich noch im Gefängnis. «Einige der Kopien sind in andere Gefängnisse gekommen, denn immer, wenn ein Häftling in ein anderes Gefängnis transportiert wurde, nahm er eine Kopie mit. Und dort machten sie dann neue Kopien…» Einer der Drogenabhängigen, denen Houmayoun in der «Hölle» das Evangelium erzählte, lebt nun in einem anderen Land und besucht eine Hausgemeinde. Und auch im Gefängnis wird das Evangelium weiterleben, ist er sich sicher. «Wir haben etwas hinterlassen und diese Leute werden ihren Glauben mit anderen teilen. Ist das nicht wunderschön?»

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