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DawnCheré Wilkerson mit ihrem Mann Rich

Mitten im Warten – In der Stille spricht Gott

Unfruchtbarkeit, Stille und dennoch Hoffnung: DawnCheré Wilkerson blickt auf acht Jahre voller Tränen, aber auch voller Glauben zurück. Sie entdeckte, dass Gott nicht nur am Ziel, sondern mitten auf dem Weg gegenwärtig ist.

«Ich bin seit 19 Jahren verheiratet, acht Jahre kämpften wir mit Unfruchtbarkeit. Ich werde nie den Tag vergessen, als mir die Ärztin – ich war 25 Jahre alt – bei einem Routine-Termin sagte: ‘Ihre Blutwerte sind auffällig.’ Sie reichte mir eine Visitenkarte einer Spezialistin für Unfruchtbarkeit», erinnert sich DawnCheré Wilkerson.

Alles, was man ins Zentrum seines Lebens stellt, kann eine Beziehung strapazieren: «Es gibt unzählige Foren zum Thema Unfruchtbarkeit – mit vielen wohlmeinenden Menschen. Doch bei einigen wird der Kinderwunsch zur zentralen Lebensaufgabe, was die Partnerschaft verdrängt.»

Wollen wir im Warten leben?

Sie mussten als Ehepaar eine Entscheidung treffen: «Wollen wir im Warten leben? Denn letztlich besteht das Leben aus Warten. Die Spannung zwischen Hoffnung und Verzweiflung ist spürbar, aber mein Glaube an Jesus hat alles verändert. Wir beschlossen, dass nicht der Kinderwunsch das Zentrum unserer Beziehung sein sollte, sondern unser Dienst für Gott. Wir wollten nicht zulassen, dass gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie eine Zeit der Unfruchtbarkeit aussehen sollte, unsere Ehe bestimmen.»

In der Zeit des Wartens wurde ihr klar, dass Warten kein Abschnitt, sondern Leben ist. «Ich würde keinen einzigen dieser Tage zurückgeben. Die Nähe zu Gott, wenn man ihn am dringendsten braucht, ist unbeschreiblich: Zu wissen, dass er in jedem Moment gegenwärtig ist, dass er das Leben lenkt, das schenkt eine tiefe Gewissheit. Und wenn man diese Nähe in der Not erlebt, bleibt sie nicht auf diesen Moment beschränkt. Man trägt sie durch das ganze Leben.»

Schweigt Gott?

Es gab in diesen acht Jahren viele Momente, in denen DawnCheré Wilkerson das Gefühlt hatte, dass Gott schweigt. «Doch ich habe gelernt: Wenn wir meinen, Gott spricht nicht, dann können wir immer noch zu seinem Wort greifen. Dort spricht er immer.»

Sie begann, die Psalmen zu lesen. «Zu wissen, dass David so ehrlich und offen mit Gott sprach, tröstete mich ungemein. Es gab mir die Freiheit, es ebenso zu tun. In meinen Tagebüchern findest du Einträge voller Zuversicht und Frieden – aber auch solche, in denen ich schreibe: ‘Gott, ich bin unruhig. Ich bin wütend.’ Doch in seiner Gegenwart fühlte ich mich sicher und wusste: Er ist da.»

Vier Wunder

In der Zeit der Unfruchtbarkeit lernte sie: Es gibt Arbeit während des Wartens. «Da ist fruchtbarer Boden, den ich bearbeiten darf. Bereiche, in denen ich wachsen, mich zurücknehmen und grosszügig sein kann. Man möchte am liebsten vorspulen – aber gerade jetzt ist Gottes Herrlichkeit da. Er möchte meinem Herzen Dinge offenbaren, die mich staunen lassen über seine Güte und mir zeigen, dass sein Blick auf mir ruht – und dass er mich gebrauchen will, um seine Liebe weiterzugeben.»

Das eigentliche Zeugnis ihres Lebens sei nicht, dass Gott ihr vier Kinder geschenkt hat, die sie alle als Wunder bezeichnet. «Nein, das wahre Zeugnis ist: Gott war mitten im Warten bei mir.»

Nicht alle erlebten Verheissungen

DawnCheré Wilkerson beobachtet: «Der Hebräerbrief in der Bibel macht klar: Abraham, Sarah, Rahab und Mose starben, ohne die Verheissung erfüllt zu sehen. Wenn die Glaubenshelden nicht alles in diesem Leben sahen, warum sollte ich das erwarten? Genau hier setzt unser Vertrauen ein. Das ist nicht das Ende der Geschichte.» Sie hätten ihrem Erbe von Ferne zugewinkt.

Gott möchte zu uns sprechen. «Doch unser Leben ist voller Ablenkungen. Selbst im Warten sind wir oft damit beschäftigt, die Zeit mit allem Möglichen zu füllen, wodurch Gottes Stimme leiser wird. Ich bin da nicht anders. Ich neige dazu, mich mit zu vielen Dingen zu beschäftigen, während ich eigentlich auf Gott warte. Dabei wartet Gott darauf, dass wir hinhören.»

Gott in der Stille begegnen

Daraufhin wurde ihr Gebetsleben zu einem Ausdruck der Sehnsucht nach Stille. «Manchmal nahm ich mir einen ganzen Tag, um einfach nur die Bibel zu lesen. Andere Male betete ich morgens oder abends und schrieb Tagebuch. Ich glaube, jeder Mensch betet auf seine Weise; es gibt keine Formel, denn es geht um Beziehung. Für manche ist es ein Spaziergang, ein bestimmter Raum im Haus oder Bewegung. Wichtig ist nur, den eigenen Zugang zu Gott zu entdecken und ihn zu pflegen. Gerade inmitten des Trubels, des Alltags, der Aufgaben: Nehmen wir uns bewusst Zeit, um uns neu auszurichten.»

Sehen Sie hier einen Talk vom September 2023 zum Thema Warten und unerfüllter Kinderwunsch:

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