Open Doors
Koreanische Frau

Flüchtling aus Nordkorea – Ihr Ziel war es, ein reiches Parteimitglied zu heiraten

Als Chan-Yeol die schwierige Reise von Nordkorea nach China auf sich nahm, um dort ein besseres Leben zu suchen, hatte sie keine Ahnung, dass ihr Leben eine völlig neue Richtung nehmen und sie letztlich wieder nach Korea bringen würde.

Für Chan-Yeol (Name geändert) waren die Führer ihres Landes das Grösste und Wertvollste im Leben. Sie hatte nur ein Ziel: Kim Il-sung und Kim Jong-il stolz zu machen. Sie gab alles in der Schule und im Studium und machte sich auf die Suche nach einem reichen Parteiangehörigen, den sie heiraten könnte. Dann änderte sich alles schlagartig. «Kim Il-sung, unser höchster Führer, der ewig regieren sollte, starb ganz plötzlich und die Wirtschaft des Landes brach zusammen.» Millionen Nordkoreaner mussten hungern, und viele von ihnen versuchten ihr Glück mit der Flucht nach China.

Aufgrund der schwierigen Situation beschlossen Chan-Yeol und ihre Mutter, ebenfalls nach China zu fliehen. «In einer dunklen Nacht liessen wir meine Geschwister und andere Familienmitglieder zurück und mit der Hilfe eines Schleusers begann unsere Flucht.» Doch es lief nicht so glatt wie erhofft. «Als wir den Grenzfluss überquerten, um nach China zu langen, schaffte meine Mutter es nicht bis auf die andere Seite.» Sie verstarb bei der Überquerung.

Verraten

Chan-Yeol gelang die Flucht zu ihrem Onkel und der Tante, die in China lebten. Dort traf sie eine Südkoreanerin, die für eine christliche Organisation arbeitete. Diese lud sie zu einem Bibelstudium ein. «Sie war so freundlich zu mir, dass ich zusagte. Nach und nach öffnete sich mein Herz für das Evangelium und schon bald betete ich und besuchte Gottesdienste.» Einer ihrer Cousins hatte jedoch etwas gegen sie und verriet sie bei der chinesischen Polizei. Um ein Haar hätte diese sie gefasst – doch ihr gelang erneut die Flucht und sie kam bei einem christlichen Ehepaar unter. Dem Ehepaar verriet sie ihren Racheplan gegenüber dem Cousin: «Ich werde definitiv zurückgehen, das Haus anzünden und alle töten!» Ihr Gastgeber hörte höflich zu und erzählte ihr dann die Geschichte von Joseph, den seine Brüder als Sklaven verkauften – und trotzdem vergab er ihnen.

Vergeben? Das war undenkbar für sie. Und dann wurde sie auch noch mit Tuberkulose diagnostiziert. Das war zuviel für sie und sie klagte Gott an: «Warum hast du mich nicht in Nordkorea umgebracht? Nach all dem Kummer und den Schwierigkeiten muss es so enden?» Sie konnte weder arbeiten noch andere besuchen, «doch Gott gebrauchte diese Zeit, um mich zu verändern und mir zu helfen, näher zu ihm zu wachsen.» In der Zeit wuchs auch in ihr der Wunsch, nach Südkorea zu gehen und dort Theologie zu studieren – sie wollte ihre Leute erreichen!

Zehn Jahre durch die Wüste

Ein Jahr lang musste sie warten, dann konnte sie endlich nach Südkorea reisen. «Zu meiner Überraschung sagten mir die Ärzte dort, dass ich wieder völlig gesund war. Ich lobte Gott, dass er meine Gesundheit wiederhergestellt hatte.» Zehn Jahre lang war sie, wie sie es beschreibt, in der Wüste umhergeirrt – durch all die Schwierigkeiten in China. «Wenn ich zurückblicke, sehe ich, dass Gott meine Reise genutzt hat, um mich und mein Ego zu brechen, mir Demut beizubringen und mich in einen Menschen zu formen, den er gebrauchen kann.»

Von Gott geformt

Sie hat mittlerweile ihr Theologiestudium beendet und versucht von Südkorea aus, ihre nordkoreanischen Mitbürger zu erreichen. Im Rückblick konnte sie auch ihrem Cousin vergeben. «Seit ich Jesus in China kennengelernt habe, war Gott treu. Er war da, als ich meine Mutter verlor und bei meinem Onkel wohnte. Er war da, als ich zu dem chinesischen Ehepaar floh. Er war da, als ich gegen das Fieber und den Husten kämpfte, ganz allein in einem feuchten Keller. (…) In diesen Zeiten der Ungewissheit und Hilflosigkeit erlebte ich ihn so greifbar.»

Und genau das hilft ihr heute, um die Nordkoreaner zu erreichen. «Eines Tages, wenn die Zeit kommt, werde ich zurück in mein Heimatland gehen und mich den Christen und der Kirche dort verschreiben. Aber vor allem möchte ich erleben, dass sein Reich kommt und sein Wille in Nordkorea geschieht.»

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