Opfer eines Sexualverbrechens – «Ich habe meinen Vergewaltigern vergeben»

Als Alisa Kaplan auf eine Party geht, ahnt sie nicht, dass sie Opfer eines schrecklichen Verbrechens werden wird. Danach findet sie nicht mehr zurück zu einem fröhlichen Leben. Bis sie Christen kennenlernt...

Als Alisa Kaplan auf eine Party geht, ahnt sie nicht, dass sie Opfer eines schrecklichen Verbrechens werden wird. Danach findet sie nicht mehr zurück zu einem fröhlichen Leben. Bis sie Christen kennenlernt...Ich war immer eine Aussenseiterin, bis ich zum 16. Geburtstag ein Auto bekam. Plötzlich wollten alle mit mir befreundet sein und ich wurde ständig zum Feiern eingeladen. So auch am 5. Juli 2002.

Meinen Eltern erzählte ich nichts von dieser Party, ich ging heimlich hin. Ich erinnere mich, dass ich irgendwie ein ungutes Gefühl hatte, aber ich schob das beiseite. Heute glaube ich, dass Gott mich warnen wollte. 

K.o.-Tropfen und ein Verbrechen

Am nächsten Morgen wachte ich in meinem Auto auf und hatte keinerlei Erinnerungen an den Abend zuvor. Drei Tage später stand die Polizei mit einem Video vor unserer Tür. Darauf war zu sehen, wie ich von mehreren Männern mehrfach vergewaltigt wurde.

Die darauffolgende Zeit war ein Albtraum. Mein Fall wurde zum bekanntesten Sexualverbrechen in der Geschichte Kaliforniens. Die Medien schlachteten die Story aus und die Presse verfolgte uns. Der Staatsanwalt erwartete, dass ich vor Gericht aussagte. Meine Freunde wollten nichts mehr mit mir zu tun haben. Meine Familie war traumatisiert. Und ich war wie im Schock.

Fast drei Jahre lang zog sich der Prozess hin. Am 2. März 2005 wurden 24 Männer verurteilt und wegen Vergewaltigung und sexuellem Übergriff schuldig gesprochen. Sie bekamen sechs Jahre Haft und wurden als Sexualstraftäter registriert.

Was bleibt?

Die Täter hatten ihre Strafe bekommen. Der Fall war für die Öffentlichkeit erledigt. Und ich musste irgendwie weiterleben und mit dem Trauma fertig werden. Jeden Tag betrank ich mich und nahm Drogen, doch der Schmerz und die Scham liessen sich nicht betäuben. Mehrmals versuchte ich, eine Überdosis zu nehmen, um Schluss zu machen. Damit konnten meine Eltern nicht umgehen. Sie warfen mich raus. Ich glaube, sie hielten es einfach nicht mehr aus, mich so zu sehen.

Also zog ich zu meinem Freund. Eines abends sass ich in unserem dreckigen, heruntergekommenen Appartement, ohne Geld und ohne Drogen. Ich ging auf die Knie und suchte unseren Teppich nach Drogenkrümeln durch. Als ich nichts fand, fing ich an zu weinen und schrie zu Gott: «Bitte hilf mir, Gott!»

In den darauffolgenden Tagen versuchte ich, bei verschiedenen Entzugskliniken einen Platz zu bekommen, doch alle Plätze waren belegt.

Gott greift ein

Ein paar Wochen später stand die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl vor unserer Wohnung. Ich war total high. Zu meiner Entlastung fand die Polizei die Liste der Entzugskliniken in meinem Geldbeutel. Und sie organisierte einen Platz für mich. Für mich war die Razzia also ein Riesen-Geschenk.

Ich kam in eine christliche Einrichtung, in der regelmässig die Bibel gelesen wurde. Obwohl ich wenig davon begriff, tat es mir irgendwie gut. Und nach einiger Zeit konnte ich anfangen zu glauben, was darin steht.

Auf einer christlichen Freizeit im Jahr 2011 wurde mir bewusst, was Jesus für mich am Kreuz getan hat und ich bat ihn, in mein Herz zu kommen. Das hat alles verändert.

So lange hatte ich mich gefragt, wo Gott an dem besagten Abend war. Jetzt spürte ich, dass er nie von meiner Seite gewichen war. Gott schenkte meiner verletzten Seele Heilung. Durch seine Hilfe konnte ich meinen Vergewaltigern vergeben – und dadurch selbst frei werden und diese schreckliche Vergangenheit hinter mir lassen.

Heute bin ich Anwältin und verteidige Opfer von Sexualverbrechen. Ausserdem arbeite ich ehrenamtlich bei einer Anlaufstelle für sexuellen Missbrauch. Es klingt verrückt, aber Gott macht selbst aus dem schrecklichsten Verbrechen etwas Gutes. Ich kann heute anderen Menschen Mut machen. So ist Gott. Er heilt und macht alles neu.

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