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Wilson Femayi

Dennoch wurde es ein Segen – Hinter Gittern für ein Verbrechen, das er nicht verübte

Zu Unrecht verurteilt und im Gefängnis gelandet – für Wilson Femayi war das nicht das Ende, sondern ein Neuanfang. Heute hilft er anderen Inhaftierten, neue Hoffnung zu finden, und zeigt, wie Gott selbst tiefstes Leid in Segen verwandeln kann.

Wilson Femayi kehrt heute aus einem ganz anderen Grund ins Gefängnis zurück: um eine Botschaft der Hoffnung zu bringen. «Wenn ich heute ein Gefängnis betrete, dann aus freien Stücken – und weil ich dazu berufen bin. Ich bin Gründer und Geschäftsführer von ‘Prison Outreach Support Zimbabwe’, auch bekannt als ‘Prison Fellowship Zimbabwe’. Gemeinsam mit meinem Team leite ich Programme, die das Leben von Gefangenen und ihren Familien im ganzen Land verändern. Doch vor über zehn Jahren betrat ich ein Gefängnis als Insasse; verurteilt für ein Verbrechen, das ich nicht begangen hatte.»

Eine demütigende Erfahrung

«Im Jahr 2005 studierte ich an einem Bibelkolleg und leitete die Kinderarbeit in meiner Gemeinde. Ich liebte diese Arbeit. Doch die Beziehung zu einem anderen Mitarbeiter wurde zunehmend schwierig», blickt Wilson Fenayi zurück. «Ich erhielt mehr finanzielle Unterstützung als er, was zu Neid und Missgunst führte. Er setzte alles daran, mich aus dem Dienst zu drängen und aus der Gemeinde zu entfernen. Schliesslich erfand er eine Lüge und beschuldigte mich eines Verbrechens, das ich nie begangen hatte.»

Die Polizei kam ins Kolleg und verhaftete ihn vor den Augen aller anderen Studierenden. «Eine zutiefst demütigende und beängstigende Erfahrung. Sie verhörten mich und nahmen eine Aussage auf, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich mich verteidigen sollte. So etwas war mir noch nie zuvor passiert.»

Verurteilt und hinter Gittern

Der Prozess zog sich über drei Jahre hin. «Zum Glück wurde ich gegen Kaution freigelassen und konnte mein Studium fortsetzen, während ich auf das Urteil wartete. Am 3. April 2008 machte ich meinen Abschluss am Bibelkolleg. Am nächsten Tag wurde ich verurteilt und ins Gefängnis geschickt.»

Es fühlte sich an, als hätte er seinen Abschluss fürs Gefängnis gemacht. «Ich verbrachte sechs Monate im Gefängnis. Ich wusste, dass ich unschuldig war, und klammerte mich in dieser Zeit an Gott. Mitten im Chaos und in der Not war ich überzeugt, dass Gott etwas Gutes in meinem Leben bewirken würde.»

Ein neues Kapitel beginnt hinter Gittern

Einige seiner Dozenten beteten für ihn, während er im Gefängnis war… «und genau dort lernte ich ‘Prison Fellowship Zimbabwe’ kennen. Nach und nach begann ich zu erkennen und selbst zu erleben, wie lebensverändernd ihre Arbeit ist.»

Wilson Femayi begann sich für diesen christlichen Dienst zu engagieren. «Wir lehrten andere Gefangene biblische Prinzipien, wie man die Bibel versteht und wie man sie im Alltag anwendet.»

Er war so aktiv, dass einige Gefängnisbeamte zu ihm sagten: «Wir glauben nicht, dass du zufällig hier bist. Ich glaube, Gott will dir etwas sagen.» Da begann er zu begreifen, dass Gott ihn womöglich in die Gefängnisarbeit beruft. Nach sechs Monaten hinter Gittern wurde seine Berufung erfolgreich angenommen und er wurde freigesprochen.

Mehr als ein Beruf

Seitdem widmet er sein Leben der Gefängnismission. «Heute führen wir Programme in über 30 Gefängnissen durch und betreuen die Familien von fast 400 Kindern inhaftierter Eltern. Wir schulen Ehrenamtliche, arbeiten mit Kirchen zusammen und setzen uns auf nationaler Ebene für Gerechtigkeit und Wiedereingliederung ein.»

Für ihn ist das mehr als ein Beruf – es ist persönlich. «Ich habe erlebt, wie Gott Schmerz in Sinn verwandelt. Eine Geschichte werde ich nie vergessen: Zwei damals sechsjährige Zwillingsmädchen, ihr Vater war im Gefängnis, und wir nahmen sie in das Programm auf. Sie erhielten Schulgebühren, Mentoring und den Kontakt zu einer örtlichen Gemeinde. Heute blühen sie auf, die eine studiert Stadtplanung an der Universität, die andere besucht eine Fachschule für Lebensmitteltechnologie. Das ist Wiederherstellung. Und genau deshalb tue ich, was ich tue.»

Leben werden verändert

Noch vor Kurzem durften Kinder in Simbabwe ihre inhaftierten Eltern nicht besuchen. «Doch durch unser Engagement führte die Regierung die ‘Prison Family Week’ ein – eine Gelegenheit, bei der Familien, teils nach Jahren der Trennung, wieder zueinanderfinden und ihre Beziehungen erneuern können. Das verändert Leben.»

Seine Zeit als Gefangener hat auch seinen Blick auf die Bibel verändert. «Heute erkenne ich: Die Bibel ist ein Buch über Gefangene – und über ihre Befreiung. Sie erzählt davon, wie Gott Menschen, die gesündigt, die sich verirrt oder die zerbrochen sind, wiederherstellt. Selbst Jesus wurde verhaftet. Er wurde verhört, verspottet, eingesperrt und starb den Tod eines Verbrechers.»

Das Gefängnis habe ihn gebrochen. «Aber es hat mich auch zu dem Mann gemacht, der ich heute bin. Und durch Gottes Gnade hilft es mir, auch andere aufzubauen.»

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