Finanzminister Wolfgang Schäuble – «Gott lässt uns niemals aus seiner Hand»

Der christliche Glaube ist für den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble ein wichtiger Teil seines Lebens. Hier erzählt der Politiker, was er über das Schicksal, die Bibel und seinen christlichen Glauben denkt...

Der christliche Glaube ist für den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble ein wichtiger Teil seines Lebens. Hier erzählt der Politiker, was er über das Schicksal, die Bibel und seinen christlichen Glauben denkt...Dass der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble an Gott glaubt, ist kein Geheimnis. Immer wieder spricht der CDU-Politiker darüber und betont, wie wertvoll für ihn das Leben als Christ ist. Der Glaube an Jesus ist für ihn eine «Quelle der Vergewisserung und der Gelassenheit». Dadurch fühlt er sich «für die Widrigkeiten des Lebens besser ausgestattet».

«Ich bin evangelischer Christ», so der 75-Jährige. «Und es gehört, vor allem nach den vielen Erlebnissen in meinem Leben, zu meinen prägenden Erfahrungen, dass Gott, was immer uns geschieht, uns nicht aus seiner Hand lässt. Das gibt mir Kraft und Zuversicht.»

Die Nähe Gottes persönlich erfahren

Für Schäuble ist der Glaube an Gott keine theoretische Sache. Von Kindheit an wurde er christlich geprägt und der Glaube hat ihn durch sein Leben begleitet. 1990 wurde er Opfer eines gezielten Attentats und sitzt seitdem im Rollstuhl. Doch gehadert hat er mit Gott deswegen nicht. Im Gegenteil. Er hat erfahren, «dass man durch Gott auch gehalten und getragen ist, wenn man noch so grosses Elend erlebt». Wie er sagt, hat ihm der Glaube an Gott geholfen, mit den Folgen des Anschlags zurecht zu kommen. «Ich habe da die Erfahrung gemacht, die Dietrich Bonhoeffer einmal beschrieben hat: Widerstandskraft in der Not kriegt man nicht auf Vorrat. Man kriegt sie, wenn man sie braucht. Ich habe gelernt, dass das Leben weitergeht. Ich habe Geduld gelernt und Disziplin.» Und heute sagt er, «dass man ohne Rollstuhl möglicherweise auch nicht glücklicher ist als bei einem Leben im Rollstuhl».

Wie der Glaube im Alltag hilft

«Der Glaube schenkt die Freiheit, wichtige Entscheidungen zu treffen», so Wolfgang Schäuble. «Als Politiker hat man schwierige Entscheidungen zu fällen, die das Schicksal anderer Menschen ganz persönlich betreffen. Zu wissen, das man nicht die letzte Instanz ist und nicht für die letzten Dinge verantwortlich ist, hilft mir. Martin Luther hat gesagt: Es befreit dazu, seine Verantwortung in dieser Welt wahrzunehmen.»

Zudem gibt ihm der Glaube an Gott «Halt, Geborgenheit und Gemeinschaft. Ich bin ein einfacher Mensch. Ich war nie besonders fromm, aber ich habe im Laufe meines Lebens mehr und mehr die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, wenn man Halt hat», erklärt der Politiker und fügt hinzu: «Ich glaube, dass wir nicht aus eigener Macht heraus leben. Das Alte wie das Neue Testament ist voll von fundamentalen Menschheitserfahrungen, die man als Finanzminister jeden Tag braucht: den Tanz ums Goldene Kalb, den Turmbau zu Babel, die Masslosigkeit der Menschen, die in ihrer Idiotie sich selbst zerstören.»

Jeder sollte die Bibel lesen

Für den 75-Jährigen gehört die Bibel zum täglichen Leben dazu. Er findet: «Die Bibel sollte zum Handwerkszeug jedes Menschen gehören, der mit Sprache und Politik zu tun hat. Sie ist eines der wichtigsten Bücher unseres kulturellen Wissens.» Er ist «manchmal fassungslos», wenn er feststellt, dass junge Menschen nicht mehr die Bedeutung von Feiertagen wie Karfreitag wüssten.

Die Bibel gibt Schäuble auch in politischer Hinsicht Orientierung. So lehre sie zum Beispiel, «die Begrenztheit menschlicher Macht und damit die Absage an Fanatismus und Verabsolutierung». Die Bibel helfe auch, gelassen zu bleiben: «Wir treffen nur sehr vorläufige Entscheidungen, die immer wieder durchkreuzt werden. Wir sind zur Freiheit berufen», sagt der Finanzminister und appelliert daran, dass jeder selbst die Bibel lesen sollte und «selbst darum ringen» müsse.

Den Kirchen in Deutschland rechnet der Politiker übrigens gute Zukunftschancen aus. Er glaubt: «Mehr Menschen werden wieder einsehen, dass man ohne Glaube, Religion und Gott schwerer leben kann.» Und dann sagt Wolfgang Schäuble: «Meiner Kirche wünsche ich, dass sie laut und froh ihren Glauben bekennt und ihre Botschaft verkündet in einer Zeit, in der diese Botschaft dringend gebraucht wird.»

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