Im Kampf gegen Gewalt – «Gott ist die Quelle aller guten Dinge»

Zwischen sich bekämpfenden Kartellen, Krankheit und Armut kämpft die überzeugte Christin und Bürgermeisterin Jeaneth Ordoñez in Guatemala für ein besseres Leben ihrer Bürger – an Gottes Seite.

Zwischen sich bekämpfenden Kartellen, Krankheit und Armut kämpft die überzeugte Christin und Bürgermeisterin Jeaneth Ordoñez in Guatemala für ein besseres Leben ihrer Bürger – an Gottes Seite.Im sogenannten nördlichen Dreieck von Mittelamerika bilden die Länder Honduras, El Salvador und Guatemala eine Triade der Gewalt. Die Mordrate ist in dieser Region höher als in den meisten aktiven Kriegsgebieten. Banden, Kartelle und Selbstjustizgruppen drücken anderen ihren Willen auf, übernehmen und kooperieren mit den gesetzlichen Polizeibehörden und terrorisieren regelmässig die normalen Bürger. 

Mitten in dieser Region der Gewalt befindet sich die Stadt San Cristóbal Acasaguastlán, eine malerische Oase der Ruhe mit einer Bevölkerung von etwa 6'000 Einwohnern. Was diesen Ort von anderen unterscheidet, sind die Bemühungen von Jeaneth Ordoñez, der christlichen Bürgermeisterin, die sich gemeinsam mit den Bewohnern der Aufgabe gestellt hat, die Stadt frei von der Gewalt und dem Aufruhr zu halten, die um sie herum vorherrschen.

«Gott hat mich hierhergestellt»

«Dies ist ein sehr besonderer Ort», sagt Eduardo Gallo, ein in Kuba geborener Arzt, den Ordoñez in die Stadt gebracht hat, um ein besseres Gesundheitssystem aufzubauen. «Wir haben die Möglichkeit, das Leben der Menschen zu verbessern und wir tun das mit Liebe. Die Bürgermeisterin hat ein erstaunliches Umfeld geschaffen.»

Ordoñez's Motivation, um ihre Einwohner zu schützen und zu versorgen, entspringt unmittelbar aus ihrem Glauben. «Gott hat mich an diesen Platz gestellt und mir eine Liebe und ein Verlangen gegeben, meinen Leuten zu dienen und ihr Leben zu verbessern», sagt sie.

Ganz persönliches Engagement

Ihr Bezirk, der etwa zwei Stunden von Guatemala-Stadt entfernt liegt, umfasst eine kleine Stadt und ein grosses ländliches Gebiet mit einer hohen Arbeitslosigkeitsrate. Dies bedeutet, dass Armut nur allzu häufig vorkommt. Doch Ordoñez hat eine grosse Vision und sie hat auch bereits riesige Schritte eingeleitet, um das Gesundheitswesen, die Bildung und die sanitären Einrichtungen zu verbessern sowie für sauberes Wasser zu sorgen. Mittlerweile ist die Kleinstadt die einzige in Guatemala mit einer 100-prozentigen Alphabetisierungsrate.

Bürgermeisterin Jeaneth, wie sie gerne genannt wird, geht regelmässig durch die Stadt und wird von Jung und Alt umarmt, wenn sie anhält, um sich eine Geschichte oder das Anliegen eines ihrer Bürger anzuhören. «Ich kenne die meisten Menschen und sie kennen mich. Wir bauen gemeinsam ein besseres Leben auf.» Als sie gefragt wird, wie sie so unermüdlich arbeiten könne, sagt sie schlicht: «Gott gibt mir die Kraft.»

Berufung durch zeitweilige Blindheit 

Als junge Erwachsene hatte Ordoñez danach gestrebt, ihre kleine Stadt hinter sich zu lassen, und sich auf den Weg in die Hauptstadt des Landes gemacht. Doch, wie sie heute mit einem breiten Grinsen sagt: «Gott hat seine eigenen Pläne.» Nach dem Studium zog es sie wieder zurück in ihre Heimatstadt, wo sie den Lehrer Samuel Arroyo heiratete. 

Ordoñez's Weg in das Amt des Bürgermeisters war selbst eine Tat Gottes, sagt sie. Als sie mit ihrem dritten Kind schwanger war, verlor sie zweitweilig das Augenlicht. «Ich hatte eine Schwellung, die Druck auf den optischen Nerv ausübte und mir die Sehkraft nahm. Als die Leute in der Stadt von meinem Zustand hörten, kamen sie, um für mich zu beten. Die Welle der Liebe und der Unterstützung war so riesig, dass ich überwältigt war. Ich schwor, dass ich einen Weg finden würde, um dies den Menschen wieder zurückzugeben», sagt Ordoñez. Nachdem sie ihr Baby zur Welt gebracht hatte, kam die Sehkraft grösstenteils wieder zurück und sie übernahm eine Stelle bei der Stadtverwaltung. «Ich wollte den Menschen in meiner Stadt einfach helfen. Ich hatte nicht die Absicht, Bürgermeisterin zu werden.»

2007, als der damalige Bürgermeister der Stadt sich zur Wiederwahl aufstellen liess, half sie, seine Kampagne zu leiten. Ein paar Wochen vor der Wahl wurde er ermordet, als er eine Nachbarstadt besuchte. «Wir waren alle am Boden zerstört», erinnert sich Ordoñez. «Und dann war ich schockiert, weil die Menschen von San Cristóbal Acasaguastlán mich baten, ihre Kandidatin zu werden. Samuel und ich beteten und dachten darüber nach. Ich wusste, dass es kein einfacher Job war und dass er auch gefährlich ist.»

Zwischen Lebensgefahr und Gottes Schutz

Die Arbeitslosigkeit in der Gegend stellt eine grosse Herausforderung dar, auch die Sicherheit. Bürgermeister von irgendeiner Stadt in Guatemala zu sein bedeutet, zur Zielscheibe von kriminellen Fraktionen und Kartellen zu werden, die ständig um die Kontrolle in einer Region wetteifern. In San Cristóbal Acasaguastlán wurde das Haus von Ordoñez und ihrem Ehemann von Kugeln durchlöchert. Heute geht sie immer mit einem bewaffneten Security-Team in der Stadt umher. 

Doch sie betont, dass sie und die Bürger von San Cristóbal Acasaguastlán wissen, dass ihr ultimativer Schutz und Unterstützung von Gott kommen. «Wenn wir Erfolg haben, dann liegt das daran, dass wir unsere Knie vor Gott beugen und er uns gesegnet hat», sagt sie. «Wir dürfen nie vergessen, dass er die Quelle aller guten Dinge ist.»

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