Andrea Blaser – «Gott existiert doch»

Andrea Blaser (39) hat den christlichen Glauben von klein auf mit auf den Weg bekommen. Bis es die karriereorientierte junge Frau – samt einer heimlichen Essstörung – nach Amerika verschlägt. Dort kehrt sie Gott den Rücken zu.

Andrea Blaser (39) hat den christlichen Glauben von klein auf mit auf den Weg bekommen. Bis es die karriereorientierte junge Frau – samt einer heimlichen Essstörung – nach Amerika verschlägt. Dort kehrt sie Gott den Rücken zu. Heute engagiert sich die zweifache Mutter mit ihrem Mann in ihrer eigenen Kirche und hat eine wichtige Lektion in Sachen Leistung gelernt.

Die Tochter eines Maschineningenieurs und einer Pflegefachfrau wird 1977 geboren und wächst mit zwei jüngeren Schwestern im Emmental auf. Regelmässig besucht die Familie eine Freikirche. «Schon als kleines Mädchen habe ich Gott von ganzem Herzen gerngehabt und nie an seiner Existenz gezweifelt», sagt Andrea. Als sie ihre Freude später mit Freundinnen teilen möchte, bekommt ihr Glaube erste Risse: «Keine fühlte sich im Gottesdienst wohl.»

Süsse 17, kehrt Andrea mit einigen Extrapfunden von einem Sprachaufenthalt in der Romandie zurück. Eine siebenjährige, stille Leidenszeit nimmt ihren Lauf: «Ich habe mit Diäten angefangen und bin dann in einen Kreislauf von Bulimie und Magersucht geraten. Mein Gewicht veränderte sich dadurch kaum. Keiner merkte etwas.» – Auch Könu nicht, mit dem Andrea heute verheiratet ist. Damals hatte sie die Beziehung mit ihm wiederholt begonnen und wieder abgebrochen.

Das Aus in Amerika

Aus Karrieregründen fliegt die erfolgreiche KV-Absolventin mit 21 nach Amerika. Im Job steigt Andrea schnell auf, kostet das neue Leben und die Freiheit voll aus. Zunehmend distanziert sich Andrea von ihrem Glauben. Sie sagt: «Ich war mir nicht mehr sicher, ob Gott existierte. Ich befürchtete, dass mir mein Glaube schlicht anerzogen worden war.» Ihre Zweifel führen schliesslich dazu, dass Andrea die Freundschaft mit Gott beendet.

Könu und ein Kirchenkonzept

Nach zwei Jahren kehrt sie zurück in die Schweiz. Auch wenn Andrea es lange Zeit nicht wahrhaben will: Nach und nach realisiert sie, dass Gott im Alltag wirkt. Sie kommt wieder mit Könu in Kontakt und die Schmetterlinge tanzen bald als gäbe es kein Morgen. Zu Gott hält Andrea aber noch Abstand und die Tatsache, dass ihr Freund Könu Pastor werden will, bereitet ihr Mühe. Als jemand den beiden von einem modernen Kirchenkonzept erzählt, fängt sie sofort Feuer. Sie geht mit an einen Anlass dieser Kirchenbewegung in Zürich und ist total fasziniert: «Das war genau, was ich mir unter Kirche vorgestellt hatte. Offene Türen für alle, dazu verständliche, alltagsrelevante Predigten.»

Neue Freude am Essen

Unterdessen ist Andrea 24 und kontrolliert noch immer minutiös jede Kalorie. Als sie eines Tages in den Keller geht, hört sie eine Stimme. «Diese sagte: 'Andrea, du denkst mehr ans Essen als an mich.' Ich erschrak. Niemand hatte bisher von meiner Essstörung gewusst. Auf einen Schlag war mir klar: Gott existiert doch! Ertappt und beschämt bat ich ihn, mir aus dieser massiven Baustelle herauszuhelfen.»

Andrea lässt für sich beten und beschäftigt sich intensiv mit dem 139. Psalm in der Bibel (Vers 14: «Herr, ich danke dir, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast…»). Und Gott schenkt ein Wunder: «Plötzlich hatte das Essen wieder Geschmack – und es schmeckte mir so richtig gut!» Dennoch: Ein Jahr lang wird die junge Frau von negativen Gedanken geplagt, die sie zurückziehen wollen. Andrea erlebt dabei etwas Erstaunliches: «Solange ich den Stimmen zuhörte, drängten sie mich, ich solle wieder eine Diät beginnen. Kaum, dass ich meine Stimme erhob und konterte, dass Gott mich schön findet, kehrte Ruhe ein.»

Liebe ohne Leistung

Durch ihre Taufe macht Andrea ihre Rückkehr zu Gott für alle sichtbar. 2002 heiraten Andrea und Könu. Auch sie hat sich zur Pastorin weitergebildet und mit ihrem Mann die Freikirche ICF  Emmental gegründet. Das Paar hat zwei Kinder (9 und 11). Beide Kids litten die ersten vier Monate unter starken Krämpfen, was die junge Mutter wiederholt an den Rand der Erschöpfung brachte. Andrea war frustriert, hatte das Gefühl, zu nichts mehr nutze und damit wertlos zu sein. Bis Gott ihr eines nachts durch ihre schreiende Tochter seine Vaterliebe offenbarte. Andrea erzählt: «Ich war mal wieder ausser mir vor Wut – aber etwas bremste mich und ich nahm mein Kind einfach in den Arm, um es zu trösten. In diesem heiligen Moment spürte und wusste ich tief in mir, dass Gott mich genauso annimmt und liebt. Ob ich heute eine tolle Predigt geschrieben oder den ganzen Tag Windeln gewechselt habe. Es spielt keine Rolle. Mein Wert hängt nicht davon ab, was ich leiste, Gott liebt mich bedingungslos. Diese Erfahrung zeigt mir bis heute, wie er uns Menschen wirklich sieht.»

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