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Iris und Daniel Binggeli

Zur Freiheit berufen – «Gemeinde ohne Liebe und Freude ist nicht Reich Gottes»

Iris und Daniel Binggeli machten schwierige Erfahrungen in einer totalitären, sektiererischen Bewegung. Heute sind sie äusserst sensibel auf Druckausübung und Manipulation, haben sich aber für Grosszügigkeit entschieden und wollen Menschen helfen.

Iris und Daniel Binggeli machten schwierige Erfahrungen in einer totalitären, sektiererischen Bewegung. Heute sind sie äusserst sensibel auf Druckausübung und Manipulation, haben sich aber für Grosszügigkeit entschieden und wollen Menschen helfend zur Seite stehen.Daniel Binggeli (56) lebt mit seiner Ehefrau Iris (55) in Steffisburg. Ihr Weg in eine internationale, sektiererische Bewegung brachte ihnen und und auch ihren fünf inzwischen erwachsenen Kindern etliche Krisen. Sie wollen sich aber nicht durch vergangene Verletzungen bestimmen lassen. Nach ihrem Ausstieg gingen sie zurück in eine Freikirche und fanden dort ein geistliches Zuhause. In einer selbst gegründeten Selbsthilfegruppe fingen sie an, ihre Erfahrungen zu teilen.

Religion, Druck und Evangelium

Wo immer Binggelis waren, dauerte es nicht lange, bis sie mit vollem Einsatz mittendrin waren. «Wir leiteten Hauskreise oder gaben Sonntagschule. Wir halfen gerne mit, wo dies nötig war und machten, was gerade anstand.» Dabei erlebten sie immer wieder eine gewisse Druckausübung. «Das war immer nur punktuell und nicht weiter schwerwiegend.»

Später waren sie dann Teil einer Gemeinschaft, deren Mitglieder systematisch unter Druck gesetzt wurden. Das öffnete ihnen die Augen für schlechte Mechanismen und liess sie erkennen, dass Druck nie gute Frucht bringt. «Was nicht von innen heraus entsteht, ist Krampf und gebiert immer neuen Krampf.» Religion sei das menschliche Streben, etwas für Gott tun zu müssen, um bei ihm etwas zu erreichen, erklärt Daniel. «Evangelium hingegen bedeutet, dass Gott für und mit uns ist, ohne dass wir uns irgendetwas verdienen oder Gott und den Menschen etwas beweisen müssen.»

Sehnsucht nach mehr kann krank machen

«In all den Jahren des Dienstes dachte ich manchmal: Ist das alles? Gibt es da nicht mehr? War's das schon?» Mit diesen Gedanken steht Iris nicht alleine da. «Ich wollte etwas, das über das Bisherige hinausgeht, etwas, das abgeht.» Dann war es, als würde Gott ihr genau das geben. Sie gerieten in eine «Gemeinschaft», wo es tatsächlich immer mehr zu geben schien. «Irgendwie ging da die Post ganz anders ab». Das wirkte anfänglich attraktiv, brannte Iris dann aber richtiggehend aus.

Das viele Arbeiten und die 100-prozentige Verfügbarkeit machten sie kaputt. Gott sagte zu Paulus: «Lass dir an meiner Gnade genügen!» Aber: Genügte Gottes Gnade denn für Iris? Sie hatte zu viel Stress, zu wenig Schlaf und trotzdem war es für die Zielerreichung in dieser Gemeinschaft nie genug. Letztlich wurde Iris körperlich krank.

Ausgestiegen

Irgendwann war es genug und die Familie Binggeli verliess die Gemeinschaft, in der sie sogar eine Leitungsfunktion innehatten. Ein schwerwiegender Entscheid. Der Ausstieg war heftig und kostete viele Beziehungen. Trotzdem sind Iris und Daniel sehr froh, den Schritt gemacht zu haben.

Nach dem Ausstieg galt es erst einmal, das Erlebte zu verarbeiten. Das brauchte Zeit. Binggelis sind dankbar, dass der Pastor ihrer aktuellen Gemeinde (Pfimi Thun) Verständnis für ihre Geschichte hat. Sie selbst sind sich bewusst, dass sie heute auf gewisse Dinge empfindlicher reagieren. Trotzdem wagen sie es, auch mal kritische Fragen zu stellen. Zum Beispiel: «Sind wir wirklich frei, eine Anfrage des Leiters abzulehnen, oder müssen wir dann nicht doch mit dem Verlust von Gunst oder anderen negativen Auswirkungen rechnen?» In allem ist es wichtig, uns selbst sein zu können.

Glücklicherweise dürfen Binggelis heute wieder gesunde Gemeinschaft erleben. «Es ist wichtig, sich nicht aufgrund von Problemen und Fehlern anderer Geschwister zurückzuziehen, denn auch wir machen immer wieder Fehler. Stetige Vergebung nach Verletzungen und Enttäuschungen ist Grundlage, um echte und wohltuende Beziehungen zu erfahren.»

Bestes Navigationssystem: göttlicher Friede

In jeder lebendigen Gemeinschaft gibt es Probleme und Spannungen, eines sollte aber nie fehlen, betont Daniel Binggeli: die Liebe. Er empfiehlt darum, in allem Gottes Frieden zu suchen. «Dieser göttliche Friede ist das beste Navigationssystem, denn wenn wir in diesem Frieden und im Glauben vorwärtsgehen, wird Gott uns auch dann führen, wenn wir erstmal die falsche Richtung einschlagen. «Wenn aber in allem keine Liebe, keine Freude, und keine Freiheit wirksam sind, so ist das nicht Reich Gottes!»

Binggelis fragen sich deshalb immer wieder selbst: «Sind wir wirklich frei? Oder sind wir getrieben von einem inneren oder äusseren Druck, der uns wieder diesen Frieden raubt?» Es lohnt sich, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen, diese ehrlich zu beantworten und falls nötig mit einem Freund oder Seelsorger darüber zu reden. «So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen!» (Galater Kapitel 5, Vers 1).

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