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Eine Seilbahn

Immer wieder aufstehen – Gefährliche Fahrt auf dem Seilbahn-Dach

Josias Flury aus Seewis ist tief verwurzelt in seiner Heimat, dem Kanton Graubünden. Als er bei einem Unfall beinahe sein Leben verliert, fragt er nach dessen Sinn. Heute ist die Freundschaft zu Jesus die wertvollste Beziehung seines Lebens.

«Das Arbeiten mit Holz gefiel mir schon als Bub», erinnert sich Josias Flury. Als 1951 für seine fünfköpfige Familie in Davos ein Haus gebaut wird, lernt der damals Neunjährige verschiedene Handwerke kennen und schätzen. Sein Vater ist Oberstufenlehrer, und so ermutigen ihn die Eltern, das örtliche Gymnasium zu besuchen. Nach der Matura zieht Josias nach Zürich, um an der ETH Forstwirtschaft zu studieren. «Das fiel mir nicht leicht, ich musste viel arbeiten – eine praktische Laufbahn hätte wohl besser zu mir gepasst», findet der 82-Jährige heute.

Zwei Jahre lang wohnt er in einem Studentenwohnheim der reformierten Kirche. Die Hauseltern halten regelmässig Andachten für die Studenten, Josias hört interessiert zu. Doch er erkundet auch das Leben in der Stadt und probiert Verschiedenes aus, das ihn heute nicht mit Stolz erfüllt. Dazu gehört auch die Beziehung zu einer jungen Frau, die schliesslich schmerzvoll endet.

Verantwortung übernehmen

Noch vor Ende des Studiums übernimmt der 25-Jährige am 1. November 1969 die Stelle als Forstverwalter in Schiers. 1970 heiraten Josias und die Lehrerin Lisbeth, ein Jahr später werden sie Eltern des ersten von zwei Söhnen. «Damals wurde im Winter geschlagenes Holz noch mit Pferdeschlitten aus dem Wald geholt und dann mit einer Seilbahn quer übers Tal weiter transportiert», erzählt Josias. Weil die Kiste, die zum erlaubten Personentransport dient, für das Anhängen von Baumstämmen abgehängt ist, steigt der junge Forstverwalter aufs Dach der Seilbahn, um hinüberzufahren. «Ich hatte das beim Vorarbeiter gesehen und gedacht: Das kann ich auch!» Doch in der Eile er hat sich falsch gesichert. Beim Mast wird ihm der Arm durch das Sicherungsseil über die erste Rolle gerissen. «Ich hatte Todesangst!», gesteht er. Der Maschinist erkennt die Situation und stoppt die Fahrt. Sein grobfahrlässiges Verhalten hätte Josias beinahe die Stelle gekostet. «Bei meinen Vorgesetzten, Mitarbeitern und meiner Familie stand ich eine Weile in einem schiefen Licht...»

Auf der Suche

zVg.
Josias Flury

Dieses Ereignis bringt den jungen Familienvater ins Nachdenken. Er und Lisbeth besuchen gemeinsam reformierte Gottesdienste, auch evangelistische Vorträge in der Kirche. Als später Christen aus der Region zu Vorträgen mit dem Evangelisten Wilhelm Pahls einladen, macht Josias Nägel mit Köpfen und nimmt Jesus in sein Leben auf. Lisbeth ist von seiner Bekehrung wenig begeistert. Für beide folgt einejahrelange Leidenszeit. Die Spannungen wirken sich auf die Erziehung der Söhne aus. Sie hat Mühe, wenn er den Kindern aus der Bibel erzählt. «Ich habe mich damals nicht besonders weise verhalten», gibt Josias zu.

In Schiers wird die freie evangelische Gemeinde gegründet. «Wenn du da mitmachst, bin ich weg!», warnt Lisbeth ihren Mann. Der Druck steigt weiter – beide suchen Beratung. Dabei verliebt sich ein Berater in Lisbeth. Josias entdeckt es und schreibt dem verheirateten Mann einen geharnischten Brief. Als der ältere Sohn 1991 für sein Studium weggeht und der jüngere ein Austauschjahr in den USA beginnt, verlässt Lisbeth Josias. Die Beziehung zum Berater bricht sie ab,1992 wird das Paar geschieden.

Das volle Leben

1978 wird Josias von der Kantonsregierung zum Kreisförster gewählt. Die beste Zeit seines Berufslebens beginnt. Am liebsten ist ihm die Bauleitung von Walderschliessungen im Schraubach- und im Furnertobel. Er arbeitet mit den Förstern mehrerer Gemeinden im Vorderprättigau zusammen. Mit 63 Jahren lässt er sich frühzeitig pensionieren.

Josias lebt nicht gerne allein. Er heiratet erneut, doch 2003 stirbt seine Frau nach wenigen Jahren an Krebs. Seine dritte Frau ist unter anderem als Seelsorgerin tätig und ermutigt Josias, die Lasten seiner Vergangenheit aufzuarbeiten. «Sie hat mir damit einen grossen Dienst erwiesen», betont er heute. Auch sie stirbt 2012 nach schwerer Krankheit.

Die wertvollste Beziehung

2021 ist Josias nach Seewis umgezogen, besucht die Pfingstgemeinde Prättigau und studiert im Hauskreis mit anderen Christen zusammen die Bibel. Er ist Mitglied der Gideons, war Fahnenträger von Scuol, betet mit für die Schweiz und engagiert sich als Chauffeur für einen erkrankten Freund. Oft nimmt er an Treffen teil, wo sich Gläubige ermutigen. Er hat erkannt: «Ich will mit Jesus leben, denn er ist mein bester Freund.» Und so lebt Josias heute allein und hat einen grossen Freundeskreis an gläubigen Christen. Er sagt: «Als Nachfolger Jesu und an der Seite von Glaubensgeschwistern möchte ich weiterhin Licht und Salz für Menschen in der Welt sein.»

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