Gott hat gute Gedanken – Fährunglück überlebt: Wo bleibt das Happyend?

Im Jahr 2000 standen Eveline und Stefan Baumann aus Schwarzenburg in den Schlagzeilen. Auch danach wurden sie nicht von Schwierigkeiten verschont. Doch dabei wurden sie stärker und helfen heute mit ihren Pferden, dass auch andere erstarken können.

Im Jahr 2000 standen Eveline und Stefan Baumann aus Schwarzenburg (BE) in den Schlagzeilen. Auch danach wurden sie nicht von Schwierigkeiten verschont. Doch dabei wurden sie stärker und helfen heute mit ihren Pferden, dass auch andere erstarken können.Der Film «Titanic» übte auf Stefan und Eveline Baumann grosse Faszination aus. Daran dachte Eveline jedoch in keiner Weise, als sie betete: «Gott, lass mich dich so erleben, dass es meinen Verstand übersteigt!» Das Gebet sollte in Erfüllung gehen – und zwar inmitten einer riesigen Tragödie.

Das Fährunglück

September 2000: Ein fröhliches Hochzeitsfest, dann ab in die Flitterwochen. Eveline und ihr frischgebackener Ehemann Stefan schauten einer schönen Zukunft entgegen. Dann, die beiden waren noch nicht einmal an ihrem Zielort angekommen, ereignete sich das Unglück: Ein Fährenunglück in Griechenland mit mehr als 80 Todesopfern.

Stefan erinnert sich: «Niemand wusste, ob er das Unglück überleben würde.» Panik herrschte, es war dunkel, stürmisch und keiner wusste, wie man die Überlebenschancen erhöhen konnte. Da wurde Eveline plötzlich ruhig. «Auf einmal stand mir unser Trauvers vor Augen.» Dieser steht in Jeremia, Kapitel 29, Vers 11a: «Denn ich weiss wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.»

Da wusste sie plötzlich, was zu tun war: «Das Schiff wird sinken, wir müssen runter.» In diesem Augenblick war Gott für sie tatsächlich so real, dass es ihren Verstand überstieg. Gemeinsam sprang das Paar ins stürmische Meer – ohne einen Plan, wie es weiter geht. Der Impuls war richtig: Die beiden erreichten eine Rettungsinsel.

Gerettet –aber keine heile Welt

Zurück in der Schweiz wurden sie von den Medien überrannt. Zeitungen und Fernsehsender berichteten von der Tragödie. Eveline und Stefan wurden als Helden bezeichnet, aber auch mit fehlerhafter Berichterstattung belegt, welche zu negativer Kritik aus ihrem Umfeld führte.

«Für uns schien klar: Wenn wir eine solche Tragödie erlebt haben, musste nun alles gut kommen», berichtet Stefan von seinen damaligen Gefühlen. Auch der Trauvers schien genau dies zu versprechen: eine hoffnungsvolle Zukunft. Er musste aber feststellen, dass dies nicht so wahr. Das Erlebte musste erst einmal verarbeitet werden und der Medienrummel war dabei keine Hilfe. Unverständnis und daraus folgende Verleumdungen führten dazu, dass er seinen Job aufgeben musste. Das war der nächste harte Schlag.

Wenn Krisen das Leben in neue Bahnen lenken

Die Jahre vergingen – neue Schwierigkeiten kamen, zum Teil bedingt durch das erfahrene Trauma. Evelines Belastbarkeit als Lehrerin war eingeschränkt, sie zweifelte an den eigenen Fähigkeiten und versuchte, dies zu kompensieren. Die Erfahrung, dem Sterben anderer Menschen ohnmächtig zuschauen zu müssen, drängte sie zu grossem Einsatz für ihre Schüler. Es war zu viel. Ausgebrannt gab sie ihre Stelle auf.

Aus ihrer Leidenschaft zu ihrem Pferd schöpfte sie in jener Zeit viel Kraft. Wenn sie nachts durch die Natur ritt, fühlte sie sich Gott, ihrem Schöpfer, besonders nahe. Lange hatte sie geglaubt, Gott würde ihr ein solch teures Hobby nicht gönnen, doch jetzt freute sie sich von Herzen, so reich beschenkt zu sein.

Eine Ausbildung zur Reitpädagogin legte den Grundstein für die spätere Tätigkeit. Auch Stefan entdeckte – nach mehreren Umwegen und weiteren unschönen Erfahrungen in verschiedenen Arbeitsstellen – seine Leidenschaft als Jobcoach. Hier kann er Menschen helfen, die selbst in Schwierigkeiten stecken und sich ihren Lebenssituationen hilflos ausgeliefert sehen.

baumis4u:«Menschen mit Pferden stark machen»

Heute können Baumis (Spitzname für Baumanns) mit ihren fünf Pferden einen Rahmen bieten, damit Menschen in ihrer Lebenssituation gesunden können. Das Motto lautet: «Menschen mit Pferden stark machen». Dazu gehören Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. «Menschen um und auf Pferden sind hier einfach glücklich», stellt Eveline begeistert fest. «Beim Arbeiten mit dem Pferd stehen zwei Dinge im Vordergrund: Vertrauen und Respekt. Dies zwischen Pferd und Mensch aufzubauen und zu erleben, stärkt das Selbstwertgefühl.»

«Gott hat mir Pferde anvertraut und mir damit einen grossen Lebenswunsch erfüllt.» Evelines pädagogische Tätigkeit mit ihren Pferden ist für viele Menschen eine echte Lebensschule – auch ohne hohe Ziele. «Bei mir kommen alle, wie sie sind. Ich versuche, Menschen nicht in Kategorien einzuteilen – Pferde tun das auch nicht. Und genau darin liegt eine grosse Chance.» Viele der Teilnehmer kommen aus schwierigen Umständen und Lebenssituationen.

Dem Leben begegnen

Eveline und Stefan haben in ihrem Leben viele schwierige Situationen durchlebt. Und das tun sie auch heute noch. In all diesen Schwierigkeiten haben sie aber gelernt, sich dem Leben zu stellen. Es geht nicht mehr darum, ein problemloses Leben zu erwarten – auch nicht für andere Menschen. Mit Gottes Hilfe können Probleme aber durchlebt und überwunden werden. «Meine Leidenschaft beim Reiten ist das Springen!», sagt Eveline begeistert und ist sich des Symbolgehalts bewusst. Hindernisse werden überwunden.

«Gott hat gute Gedanken über uns und auch über andere Menschen!» Der Trauvers ist für die beiden zum Lebensmotto geworden. Im Jahr 2018 sah sich Stefan etlichen gesundheitlichen Problemen gegenüber. «Als Bewegungsmensch, der ich bin, fallen mir körperliche Einschränkungen schwer», betont er. Die Frage «warum lässt Gott das zu» führt nirgendwohin. «Es ist einfach das Leben. Gut, dass Gott gute Gedanken über uns hat, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass er uns Zukunft und Hoffnung gibt.»

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