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Anne Frank beim Schreiben

Glaube einer 15-Jährigen – «Es wird Gott sein, der uns aufrichtet»

Sie ist eine der bekanntesten Opfer der NS-Diktatur: Anne Frank. Nun soll es Beweise geben, die zeigen, wer die gläubige Jüdin verraten hat.

Sie ist eine der bekanntesten Opfer der NS-Diktatur: Anne Frank. Nun soll es Beweise geben, die zeigen, wer die gläubige Jüdin verraten hat.

Am 4. August 1944 entdeckten Polizisten das Versteck von Anne Frank in der Amsterdamer Prinsengracht 263. Sie wurde mit ihrer Familie, weiteren Juden und zwei Helfern verhaftet. Später kam sie in das deutsche Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo sie vermutlich im Februar 1945 starb, nur wenige Wochen, bevor das Lager von britischen Soldaten befreit wurde.

Tagebuch wurde Weltliteratur

Bekannt wurde Anne Frank durch ihr Tagebuch, das Weltliteratur wurde und viele Millionen Leserinnen und Leser fand. Zwei Jahre lang, während sie im Versteck und später in Gefangenschaft lebte, vertraute sie ihrer (imaginären) Freundin Kitty im Tagebuch alles an. Nach Anne Frank wurden unzählige Strassen und Schulen benannt.

Notar van den Bergh soll sie verraten haben

Nun, nach 75 Jahren will ein internationales Rechercheteam, den Verrat aufgeklärt haben, der zu ihrer Verhaftung und Deportation führte. Danach war es der Notar Arnold van den Bergh. Er soll das Versteck verraten haben, um seine eigene Familie zu schützen. Nach den Recherchen ging es bei dem Verrat nicht gezielt um Anne Frank und ihre Familie; vielmehr soll der Notar den Behörden eine ganze Liste mit Verstecken von Juden gegeben haben.

Das Rechercheteam gibt die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit der Untersuchung mit 85 Prozent an. Weltweit berichteten Medien über die Recherche. Es gibt allerdings auch Kritiker, welche die Ergebnisse anzweifeln.

«Ich danke für all das Gute»

In Anne Franks Familie spielte der Glaube keine sehr grosse Rolle; sie feierten den Shabbat nicht zuhause, sondern gingen zu einer befreundeten Familie. Für Anne gewann der Glaube an Bedeutung, als sie in dem Versteck lebte. Sie schöpfte aus ihrem Glauben und aus dem Gebet Kraft und Zuversicht. Ab Februar 1944 beziehen sich ihre Einträge auf Gott. So schrieb sie einmal: «Wenn ich des Abends im Bett liege und mein Gebet mit den Worten endige: 'Ich danke für all das Gute und Liebe und Schöne…', dann jubelt es in mir.»

Während ihrer Zeit im Versteck verliebt sich Anne in Peter van Pels, der mit seinen Eltern ebenfalls in dem Hinterhaus versteckt lebt. Zu gerne wollte Anne Peter etwas von ihrem Glauben vermitteln.

Mit Verzweiflung und Klage zu Gott

Pastorin Ulrike Pagel-Hollenbach befasste sich genauer mit dem Tagebuch im Blick auf Aussagen zum Glauben und entwickelte dazu Unterrichtsmaterialien. Demnach brachte Anne Frank nicht nur ihren Dank, sondern auch Klage und Verzweiflung zu Gott: «Sie wendet sich mit ihrer verzweifelten Klage an Gott, bittet da, wo sie nicht helfen kann, Gott selbst um Hilfe auch für die Freundin, und findet für sich im Beten eine Möglichkeit des Umgangs mit ihrer Verzweiflung.»

Weil der Glaube ihr Halt gab, so Hollenbach-Pagel, konnte sie in ihrer Situation Zukunftspläne entwerfen. Ihre Schreibbegabung sah sie als ein Geschenk Gottes: «Ich bin Gott so dankbar, dass er mir bei meiner Geburt schon Möglichkeiten mitgegeben hat, mich zu entwickeln und zu schreiben, also alles auszudrücken, was in mir ist... Das ist die grosse Frage, werde ich jemals etwas Grosses schreiben können, werde ich jemals Journalistin…»

«Gott hat unser Volk nie im Stich gelassen»

Und über ihr Jüdisch-Sein schrieb Anne: «Wer hat uns das auferlegt? Wer hat uns Juden zu einer Ausnahme unter allen Völkern gemacht? Wer hat uns bis jetzt so leiden lassen? Es ist Gott, der uns so gemacht hat, aber es wird auch Gott sein, der uns aufrichtet… Wer weiss, vielleicht wird es noch unser Glaube sein, der die Welt und damit alle Völker das Gute lehrt, und dafür, dafür allein müssen wir auch leiden… Seid mutig! Wir wollen uns unserer Aufgabe bewusst bleiben und nicht murren, es wird einen Ausweg geben. Gott hat unser Volk nie im Stich gelassen, durch alle Jahrhunderte hindurch mussten Juden leiden…»

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