Nach Überlebenskampf in der Kälte – «Es gibt einen Grund, weshalb ich noch am Leben bin»

Nach seiner Karriere als Eishockey-Profi gleitet Eric LeMarque in Drogen ab. Als er eine Pistenräumung missachtet, fährt er in einem Wintersturm mit dem Snowboard in die Wildnis, wo er bei Eiseskälte eine Woche ausharrt. Das ist sein Weckruf.

Nach seiner Karriere als Eishockey-Profi gleitet der Frank-Amerikaner Eric LeMarque (49) ab. Er nimmt Drogen und lebt egozentrisch. Als er eine Pistenräumung missachtet, fährt er in einem Wintersturm mit seinem Snowboard in die Wildnis, wo er bei Eiseskälte rund eine Woche ausharren muss. Das ist sein Weckruf.«Ich erinnere mich, wie ich zurück in den Schnee fiel, auf meine Füsse schaute und sagte: 'Du wirst deine Füsse verlieren.' Der nächste Gedanke war: 'Du bist nicht so hart, wie du denkst.'»

Eric LeMarque war eigentlich mehr als hart, er war hockeyfest. Den grössten Teil seines Lebens verbrachte er auf dem Eis. Nach ein paar Jahren im Team der «Northern Michigan University» gelang ihm in Europa der Durchbruch. Er spielte überwiegend in Frankreich, in Deutschland und den USA. Dank der doppelten Staatsbürgerschaft trat er für Frankreich bei den Olympischen Spielen 1994 an und bestritt zwei Weltmeisterschaften mit der französischen Nationalmannschaft.

Der Karriere folgten Drogen

Wie alle Profisportler ging auch Erics Karriere zu Ende. Er bekam einen Job in einem Sportartikelunternehmen, aber ohne den Tagesablauf und die Aufregung des Eishockeys suchte er andere Dinge, um den Kick zu erreichen, den er früher auf dem Eis erhielt – durch Drogen wie Crystal Meth.

«Ich fühlte mich so euphorisch, es gab mir diese unglaubliche Energiewelle, einen unglaublichen Auftrieb und ein hohes Niveau. Meth beeinflusste mein Urteilsvermögen. Ich isolierte mich von meiner Familie, meinen Freunden und tat mein eigenes Ding, wenn ich wollte, wie ich wollte, mit wem ich wollte und nichts anderes war wichtig, ausser ich selbst.»

Dann entwickelte Eric eine weitere Sucht. «Snowboarden wurde zu meiner Leidenschaft. Es wurde etwas, wofür ich lebte und etwas, wofür ich sehr egoistisch wurde...»

Vom Nebel verschluckt

Als Eric in Kalifornien am Snowboarden war, zwang ein herannahender Sturm die Skipatrouille, die Pisten zu schliessen. Eric entschied sich, die Warnung der Skipatrouille zu ignorieren; er war entschlossen, eine letzte Fahrt zu unternehmen. «Das war ein grosser Fehler. Unterwegs bin ich im Nebel versunken. Es war, als öffnete ich die Tür zu einer anderen Welt.»

Im Nebel machte Eric eine falsche Wendung und fuhr nicht mehr auf der Piste, sondern direkt in die Wildnis. Er war verloren und es wurde Nacht. «Ich habe kein Auge zugemacht. Ich sass da und zitterte.»

Abgestürzt

«Mein Plan für den zweiten Tag war es, meinen Spuren zurück zu folgen. Dann hörte ich Wasser, und wollte etwas trinken.» Es war etwa eine Meile bis zu einer Unterkunft am Berg. «Ich legte meine Hand auf den Stein und trank den grössten Schluck, den ich konnte. Die Kante, auf der ich war, gab nach und ich fiel ins Wasser. Ich kämpfte, um möglichst rasch wieder ans Ufer zu kommen.» Das gelang auch, doch nun war er in der Eiseskälte auch noch völlig durchnässt.

Er zog die Kleider aus und hielt sich tanzend warm. Bald aber zog er die feuchten Kleider wieder an, sonst wären sie wohl eingefroren. Bis zum Einbruch der Dunkelheit kam er nicht mehr weit. Er schlief auf einem Felsvorsprung.

Neun Meilen abgekommen

Am nächsten Morgen hatten die Minusgrade einen hohen Tribut gefordert: Er konnte seine Füsse nicht mehr spüren. «Als ich meine Socken auszog, waren sie schwarz und lila.»

Eric kämpfte sich weiter, aber nicht in die richtige Richtung. «Ich wanderte und wanderte und kam wohl etwa sieben Meilen weit. Es war, als wäre Gott gekommen und hätte den Himmel ausgehöhlt. Jetzt war es nur noch klar. Ich konnte alles sehen. Ich dachte: Ich bin einen Grat zu weit südlich…»

Eric war neun Meilen (rund 14 Kilometer) vom Kurs abgekommen. Die nächsten drei Tage kroch er den Berg hinauf. Er schlief in Schneehöhlen, die er selbst machte. Seine Reserven waren erschöpft und seine Füsse wie Eisblöcke, doch er weigerte sich, aufzugeben. Er ass Pinienkerne und Tannennadeln.

Doch durch den Energiemangel und den extremen Hunger bekam er Wahngedanken und seltsame Träume. Es war, als wäre jemand hinter ihm her. «Ich hätte schwören können, dass es der Sensenmann war, der mich nur ansah und mich auslachte. An diesem Tag begann ich zu beten. Ich betete, dass jemand merken würde, dass ich weg bin.»

Unbeantwortete Anrufe

Dieser Jemand lebte fünf Stunden entfernt in Los Angeles. Es war seine Mutter, Susan LeMarque. Sie hatte sich Sorgen gemacht, als Eric ihre Anrufe nicht beantwortete.

Susan überzeugte Erics Vater und einen Freund, zu den Behörden in Mammoth zu gehen. Sie erinnert sich: «Ich habe einfach geweint und geschrien: 'Gott, bitte pass auf ihn auf. Egal, was passiert, lass ihn einfach am Leben sein.'»

Am nächsten Morgen schaltete Eric sein MP3-Radio ein und hörte dort, dass Such- und Rettungseinsätze für ihn geleistet werden. Das gab ihm Mut, doch er war extrem müde. «Ich bin immer wieder eingeschlafen, während ich Dinge tat, und ich merkte: 'Du stirbst an Unterkühlung, weil du immer schlafen willst.'»

Der Hubschrauber

Plötzlich schwebte über ihm ein Hubschrauber. Nach acht Tagen auf dem Berg wurde er gefunden. «Der vorherrschende Gedanke war, dass ich zu jeder Beziehung zurückkehren wollte, die etwas wert war. Ich wollte alles wiederherstellen, was kaputt war.»

Eric war noch nicht ausser Gefahr. Er hatte rund zwanzig Kilogramm abgenommen und er war stark unterkühlt. Susan: «Die schlimmste Nachricht war, dass beide Füsse amputiert werden mussten.»

Eric: «Das sind die Füsse, die mich um die Welt geführt haben, die mir geholfen haben, alle Talente und Fertigkeiten zu erreichen, die weltlichen Träume...»

Im Rollstuhl in die Kirche

Der Verlust seiner Füsse und der Wiederherstellung seiner Gesundheit war ein langer Prozess. Eric setzte sich auch mit seiner Drogenabhängigkeit auseinander und merkte, dass er es nicht alleine schaffen konnte. Er musste sich auf Gott verlassen. «Ich ging im Rollstuhl in die Kirche. Ich begann, Gott zu loben und bat ihn, in mein Herz zu kommen.» Sein Leben veränderte sich nach und nach. Er fand einen neuen Sinn in seinem Leben.

«Das längste, was jemand unter diesen Bedingungen überlebt hatte, waren zwei Nächte», sagt Eric. «Ich habe sieben überlebt, und es gibt einen Grund, warum ich hier bin. Ich bin jetzt hier, um Gott zu verherrlichen.»

«Ohne Christus verpasst du etwas»

Eric ist heute verheiratet und hat zwei Söhne. Er ist seither von den Drogen frei, und tatsächlich liebt er es immer noch, Snowboard zu fahren.

«Wenn du Christus nicht hast, verpasst du etwas. Du verpasst es, dein Leben wirklich zu leben. Ich bin ein Mensch ohne Füsse. Ich bin jemand, der weltliche Träume verwirklicht hat, aber das alles war nur ein Schatten ohne Jesus. Jetzt, wo ich Jesus gefunden habe, fühle ich mich lebendig. Ich habe das Gefühl, dass ich laufen kann. Ich fühle mich, als könnte ich tanzen, und ich fühle mich, als wäre ich ein reicherer Mann.»

Zum Buch über Eric LeMarque:
Miracle Man

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