Held aus 2. Weltkrieg geehrt – Er rettete 200 Juden – und sagte niemandem etwas davon

In einem Akt der Humanität stand Oberfeldweibel Roddie Edmonds vor einem deutschen Kommandanten und rettete 200 amerikanisch-jüdische Soldaten vor dem sicheren Tod. Die Geschichte blieb mehrere Jahrzehnte verborgen.

In einem Akt der Humanität stand Oberfeldweibel Roddie Edmonds vor einem deutschen Kommandanten und rettete 200 amerikanisch-jüdische Soldaten vor dem sicheren Tod. Die Geschichte blieb mehrere Jahrzehnte verborgen. Jetzt ist Roddie Edmonds – nach seinem Tod – für den Einsatz geehrt worden.

Es war im Jahr 1945 als Edmonds als Kriegsgefangener in «Stalag IX-A», einem deutschen Arbeitslager, festgehalten wurde. Der hochrangigste Offizier war verantwortlich für die 1292 amerikanischen Kriegsgefangenen, darunter 200 mit jüdischem Hintergrund.

Während dem Krieg tötete die Wehrmacht jene jüdischen Soldaten, die an der Ostfront gefangen wurden oder deportierte sie in die Flüchtlingslager. Jene, die an der Westfront gefangen wurden, kamen in Berga in ein Sklavenlager, wo die Überlebenschance miserabel war.

Aus diesem Grund wurde in der US-Armee den jüdischen Soldaten gesagt, dass sie, wenn sie gefangen würden, sich sämtlicher Hinweise auf ihren Glauben entledigen sollten; zum Beispiel persönliche Gebetsbücher.

Während Jahrzehnten unerzählt

Dass 200 der Soldaten im benannten Camp überlebten, war Roddie Edmonds zu verdanken. Er starb 1985, ohne mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Und sie wäre wohl unerzählt geblieben, hätte er sie nicht mehrere Jahrzehnte später für eine College-Arbeit seiner Enkelin weitergegeben.

Vor wenigen Tagen nun wurde Edmonds postmortal von der «Jewish Foundation» geehrt. Warum er seine couragierte Geschichte niemals, weder seiner Frau, noch seinen Kindern oder den Grosskindern erzählt hatte, wusste wohl nur er selbst.

Er sprach über Gott

«Er war ein Mann des Glaubens. Er prahlte nie, aber er redete viel über Gott», sagte sein Sohn kurz bevor er die Auszeichnung stellvertretend für seinen Vater entgegennahm. Der Vorsitzende der Foundation, Harvey Schulweis, bei der Ehrung: «Über die Jahre ehrten wir viele Holocaust-Überlebende und ihre Retter. Doch die Geschichte, wie Roddie Edmonds 200 amerikanisch-jüdische Soldaten rettete, spricht über den Mann und Anführer, der er war.»

Und weiter: «Leider können wir ihn nicht mehr zu Lebzeiten ehren. Doch wir hoffen, dass der diesjährige Preis die Dankbarkeit und Anerkennung zeigt, die unsere Nation durch seine heroische Tat von diesem Tag hat.» Mehrere der damals Überlebenden waren bei der Ehrung dabei.

Eingekesselt

Geschehen war damals folgendes: Edmonds landete im Herbst 1944 mit der 106. Infanterie-Division in Europa und kämpfte sich an die belgisch-deutsche Grenze durch, wo seine Truppe Teil des 422. Infanterie-Regiments wurde. Am 16. Dezember folgte der Beginn der Schlacht um Bulge, tags darauf folgte die letzte warme Mahlzeit. In seinem Tagebuch hielt er fest: «Wir mussten unsere Köpfe unten halten, das war kein Picknick.»

Fast ausgeschossen und mit nur wenigen Leuten konnten sie die Wehrmacht so lange aufhalten, bis General George Patton mit seiner dritten Armee angerückt kam, um zu Hilfe zu eilen.

Für das 422. Regiment kam die Hilfe jedoch zu spät. Eine Panzer-Einheit der SS kreiste die Truppe ein. Edmonds war einer von über tausend Amerikanern, die gefangen genommen wurden. «Wir erwarteten, niedergemetzelt zu werden. Wir hatten kein Essen und kein Wasser mehr.» Doch die Eingekesselten wurden ins erwähnte Sklavenlager gebracht.

«Wir sind alles Juden»

Im Lager waren 1'292 amerikanische Kriegsgefangene interniert. Eines Tages im Januar, rund einen Monat nach der Gefangenschaft, forderten die Deutschen, dass sämtliche jüdischen Soldaten am folgenden Morgen vor ihre Barracken zu treten hatten. Doch Edmonds wusste, was die Männer erwarten würde und er ordnete an, dass alle geschlossen nach draussen gehen.

Als der Lager-Kommandant Major Siegmann sah, dass alle da waren, forderte er von Edmonds, dass er die jüdischen Soldaten identifiziert. «Wir sind alle Juden», antwortete er.

Siegmann war irritiert. Er zog die Pistole, hielt sie an Edmonds Kopf und wiederholte die Anordnung. Wieder sagte Edmonds: «Wir sind alles Juden hier.» Und dann: «Laut der Genfer Konvention müssen wir nur unseren Namen, den Rang und die Dienstnummer sagen. Wenn Sie mich erschiessen, müssen sie uns alle erschiessen. Und nach dem Krieg müssen Sie sich für Kriegsverbrechen verantworten», sagte Edmonds laut einem der Überlebenden.

«Alle waren Helden»

Edmonds Sohn sagt, dass damals alle 1'292 Männer Helden gewesen waren. «Als Vater sagte, dass alle nach draussen treten mussten, hätten die nicht-jüdischen dies ablehnen können. Und als die Pistole an den Kopf meines Vaters gehalten wurde, hätte einer der Männer auf Juden deuten können. Keiner tat es. Sie standen alle zusammen.»

Nach hundert Tagen Gefangenschaft konnte Edmonds nach Hause zurückkehren. Er sprach nur wenig über den Krieg, jenen Tag erwähnte er nicht. Zu Tage kam es erst, als die Enkelin fürs College ein Video über ein Familienmitglied drehen musste. Oma gab ihr dazu das Tagebuch von Roddie aus jener Zeit.

Roddie Edmonds ist der einzige amerikanische Soldat und nur einer von fünf Amerikanern, die vom Holocaust-Gedenkmuseum Yad Vashem in Jerusalem zu den «Gerechten der Nationen» geehrt worden sind. Er ist der einzige darunter, der amerikanische Juden gerettet hat.

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