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Joy Block-Wright fand im Gefängnis zum Glauben

Gläubige nach der Haft – Entlassen und doch nicht frei

Joy Block-Wright fand im Gefängnis zum christlichen Glauben. Nachdem sie entlassen wurde, plante sie einen Neuanfang – der viel schwerer wurde als erwartet. Heute engagiert sie sich für andere Haftentlassene und hilft ihnen.

Die Gefängnistüren fallen hinter einem zu und man ist draussen. Man atmet einmal tief durch und sagt: «Frei!» Tatsächlich vermitteln manche Hollywood-Filme immer noch dieses Bild, es sitzt erstaunlich tief im Bewusstsein – und ist völlig falsch. Die grosse Freiheit herrscht nach der Entlassung aus der Haft nicht vor: Es gibt Meldeauflagen und Einschränkungen, normale Dinge wie das Abschliessen einer Ratenzahlung oder das Mieten einer Wohnung sind schwierig, das Finden einer neuen Arbeit fast unmöglich. Es ist eine Freiheit mit grossem «Aber». Dass diese Situation selbst für Menschen schwierig ist, die im Gefängnis eine Begegnung mit Jesus hatten, unterstreicht die US-Amerikanerin Joy Block-Wright. Mit ihrem Bericht hilft sie, der Situation vieler Betroffenen ein Gesicht zu geben.

Hinter Gittern

Joy Block-Wright fühlte sich bereits sehr erwachsen, als sie in Tulsa, Oklahoma die High School besuchte. Liebend gern fuhr sie mit ihrer älteren Schwester dorthin, besuchte Kurse in Modedesign und -herstellung und fand neue Freunde. Nach ihrem Abschluss wollte sie ihre Ausbildung in Richtung Mode weiterführen und zog nach Kalifornien. Falsche Freundschaften und ihre Arbeit an einem Militärstützpunkt führten sie jedoch schrittweise weg von ihrem Traum, sie vernachlässigte die Ausbildung und begann, «abzudriften und verkehrte Dinge zu tun».

Joy konsumierte Marihuana, PCP und Kokain. Erst war es nur eine Partygewohnheit, aber sie wurde abhängig, straffällig und verbrachte deshalb den grösseren Teil ihrer Zwanziger hinter Gittern. Mit 30 verlobte sich Joy, immer noch drogenabhängig, mit einem Mann, der sie körperlich und emotional missbrauchte. Sie wurde schwanger und nach der Geburt des ersten Kindes gleich wieder. Um Familie und Drogenkonsum zu finanzieren, bestahl sie ihre Bank und wurde wegen Kreditkartenbetrugs verurteilt und inhaftiert. «Es war das erste Mal, dass ich ins Gefängnis musste, während ich Kinder hatte – und es zerriss mir das Herz», erzählt Joy.

Ihre Mutter holte die beiden Kinder aus dem Heim ab, nahm sie zu sich, rief sie an und sagte ihr, dass Gott sie liebe. Dieses Gespräch wurde zum Startpunkt ihres Glaubens. Noch hinter Gittern begann sie, täglich die Bibel zu lesen und erlebte eine tiefgreifende Veränderung. «Das war mein Aha-Moment», erklärt sie heute. «Ich war bereit für eine Veränderung.»

Draussen, aber chancenlos

Wieder auf freiem Fuss wollte Joy Block-Wright alles anders machen. Sie fand einen Job und Anschluss in einer Kirchengemeinde und sie besuchte die Abendschule, um eine Ausbildung als Immobilienmaklerin zu machen. Fleissig kämpfte sie sich über alle Hürden hinweg, um kurz vor dem Abschluss zu erfahren, dass sie aufgrund ihrer Vorstrafe nicht zur Prüfung zugelassen wurde. «Alles war umsonst!», fasst sie frustriert die Erfahrung derer zusammen, die viel von zweiten Chancen hören, sie aber nicht erleben. Joy berichtet von 44'000 Vorschriften, die als Barrieren zwischen Haftentlassenen und ihrem neuen Leben stehen.

Das sind Zahlen aus den USA, die in der Schweiz oder Deutschland ganz anders aussehen mögen, aber das Prinzip ist dasselbe: Um die Gesellschaft vor dem Rückfall ehemaliger Straftäterinnen und -täter zu schützen, richtet sie Hürden auf, die die Resozialisierung und Normalisierung ihres Lebens erschweren oder gar verhindern. In Deutschland liegt die Rückfallquote laut Tagesschau «stabil bei etwa 46 Prozent», ergänzt um den Hinweis, dass «in der Haftanstalt […] eher eine De-Sozialisierung statt[findet]» als tatsächliche Hilfe. In etlichen Fällen ist es sinnvoll, Menschen aufgrund ihrer Geschichte aus bestimmten Berufsfeldern auszuschliessen, doch Joy wurde dadurch frustriert, dass sie pauschal abgelehnt wurde und keine Möglichkeit bekam zu zeigen, dass sie sich verändert hatte. Sie sieht darin einen Widerspruch zum christlichen Ansatz, Gerechtigkeit und Menschenwürde ganzheitlicher zu sehen und auch denen zuzusprechen, die am Rande stehen.

Hilfen zum Neuanfang

Im Gegensatz zu anderen wurde Joy nicht mehr rückfällig. Ihr Glaube trug sie und auch Christen, denen sie begegnete, halfen ihr. 2019 gründete sie «Walter’s Way», eine Hilfsorganisation, die Haftentlassene dabei unterstützt, ein neues Leben zu beginnen. Hier und im Rahmen von «Prison Fellowship» engagiert sie sich für Menschen, die so wie sie erst einmal ohne Job ihre Schulden zurückzahlen, den Führerschein noch einmal machen oder auch das Sorgerecht für die Kinder wieder beantragen müssen.

2020 wurde Joy formell vom Gouverneur begnadigt und freut sich darüber, wie viel sie erreichen konnte. Aber sie sieht auch die Hindernisse, die für sie und viele andere immer noch existieren. Es ist nicht so, dass Gesellschaft und Politik ehemaligen Gefängnisinsassen nicht weiterhelfen, doch gerade christliche Gemeinden können hier eine besondere Rolle spielen, weil Vergebung und das Gewähren einer zweiten Chance sozusagen zu ihrer DNA gehören. «Menschen müssen die Möglichkeit haben, im Leben voranzukommen», sagt Joy. «Und eine zweite Chance ist solch eine Gelegenheit, die man jemandem gibt. Das könnte deinen Nachbarn oder meinen Nachbarn betreffen, deinen Freund, meinen Cousin, meinen Bruder. Es könnte jeder sein.»

Auch in der Schweiz und Deutschland gibt es Hilfsorganisationen für Menschen, die nach einem Gefängnisaufenthalt eine zweite Chance suchen. Weitere Informationen finden Sie hier:
Gefährdetenhilfe Schweiz
Neustart e.V., Gefährdetenhilfe Breitscheid
Schwarzes Kreuz, Christliche Straffälligenhilfe e.V.
Seehaus e.V., Modellprojekt offener Jugendstrafvollzug

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