Geschichte einer Befreiung – Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker?

«Ich heisse ... und bin Alkoholiker.» So stellt man sich in anonymen Alkoholikergruppen vor. Jürgen Gibbisch kennt das aus eigener Erfahrung. Ihm wird aber immer deutlicher, dass der Alkohol zwar Teil seiner Biografie ist, aber nicht seine Identität.

«Ich heisse Soundso und bin Alkoholiker …» So stellen sich Besucher in Gruppen der Anonymen Alkoholiker vor. Jürgen Gibbisch kennt das aus eigener Erfahrung. Doch in letzter Zeit wird ihm immer deutlicher, dass der Alkohol zwar Teil seiner Biografie ist, aber eben nicht seiner Identität.Kurz nach seinem 28. Geburtstag stand Jürgen Gibbisch (63) vor den Scherben seines Lebens. Er hatte Chemie studiert und hingeworfen. Auch Kunstgeschichte hatte er nicht geschafft. Der Alkohol nahm einen immer grösseren Raum in seinem Leben ein und ihm wurde klar, dass er so auch kein anderes Studium bewältigen würde, geschweige denn sein Leben. Er war total vereinsamt, körperlich und seelisch am Ende.

Ein Neuanfang

In dieser Situation kam er zu den Anonymen Alkoholikern (AA). Mit ihrer Hilfe fand er einen Weg aus dem sich abzeichnenden Untergang und wagte schliesslich doch noch ein neues Studium: Volkswirtschaft. Dieses Studium schloss er ab. Nicht zuletzt, weil er inzwischen Christ geworden war. Auf der Suche nach einer Freundin lernte er eine Frau kennen, die «zufällig» gläubig war. Sie lud ihn in die Studentengruppe von Campus für Christus ein und dort kam er zum Glauben. Das ist jetzt viele Jahre her. Jürgen lebt immer noch als Christ. Er weiss, dass er noch nicht am Ziel ist, immer noch Fehler macht. Und er fragt sich, ob das nicht ganz anders sein sollte. Hatte Jesus nicht versprochen: «Sieh doch, ich mache alles neu!» (Offenbarung, Kapitel 21, Vers 5)? Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es hatte sich schon viel bei ihm verändert. Aber sollte sein Leben nicht ganz anders sein? Oder stimmt es einfach, was die AA sagen: «Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker»?

Ist Heilung möglich?

Jürgen erzählt: «Jetzt kannte ich Jesus Christus und hörte von Fällen, wo er Süchtige von jetzt auf gleich heilte, und ich fragte mich: Gilt dieser Satz der AA noch für mich? Wenn Jesus alles neu macht, kann mir der Alkohol noch etwas anhaben?

Ich erinnere mich an eine Situation in der Studentengruppe: Bei einer Weihnachtsfeier gab es als Höhepunkt eine Bowle. Für mich war das wie ein Schlag in die Magengrube, denn ich war davon ausgeschlossen. Ich wollte keinen Alkohol mehr trinken, aber das hatte Konsequenzen. Mir tat das weh. Und wie ist es mit dem Abendmahl? Da sollte mich Jesus Christus doch beschützen! Ich habe ein einziges Mal ein Abendmahl mit Wein genommen, ansonsten nur mit Saft oder darauf verzichtet. Und ich hatte mich damals genau beobachtet, ob sich bei mir irgendwelche Anzeichen in Richtung 'Ich will mehr' zeigen.»

Eine Frage der Identität

Immer wieder einmal drängen sich Fragen wie diese bei Jürgen nach vorne: «Trinke ich mal ein alkoholfreies Bier, das es inzwischen wohl mit echten null Prozent Alkohol gibt? Hat mich Jesus nun frei gemacht vom Alkoholismus oder nicht?» Jürgens Antwort klingt pragmatisch und weise: «Offen gestanden, ich weiss es nicht. Ich will es auch nicht testen. Warum auch? Ich brauche den Alkohol nicht mehr, und das zählt. Hat Jesus alles neu gemacht? Oh, ja! Für mich klebt auf mir nicht mehr das Etikett 'Alkoholiker', sondern ich bin ein Kind Gottes. Bei den AA sagte ich, wenn ich bei einem Meeting erstmals zu Wort kam: 'Ich heisse Jürgen und bin Alkoholiker'. Heute sage ich: 'Ich heisse Jürgen und bin Christ. Und ich bin mal so frei, keinen Alkohol zu trinken'. Und wenn der Alkohol ab und zu an die Tür klopft? Dann darf er das, aber er darf auch draussen bleiben.»

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