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Gordon MacDonald ist heute als gefragter Autor und Sprecher unterwegs

Gordon MacDonald – Eine erstaunliche Veränderung

Er war unscheinbar, nicht sonderlich begabt, fiel in der Klasse nicht auf und fühlte sich dementsprechend unwichtig, ein Niemand. Das alles änderte sich nach einer einzigen Begebenheit. Gordon MacDonald über seinen Weg vom Niemand zum Jemand.

Als ich noch ein kleiner Junge war und die öffentliche Schule besuchte, stand ich selten (wenn überhaupt) für irgendjemanden auf der Liste der bewunderten oder beliebten Kinder. Auf die meisten Geburtstagsfeiern wurde ich nicht eingeladen. Ich wurde immer als einer der letzten gewählt, wenn Teams für Fussball oder Basketball zusammengestellt wurden.

Deswegen waren meine ersten Schuljahre für mich eine unschöne Erfahrung. Ich fühlte mich wie ein «Niemand». Oder um es anders auszudrücken, ich fragte mich, ob jemals irgendjemand sich dafür stark machen würde, die Möglichkeiten zu entdecken, die in mir schlummern könnten.

Ich erinnere mich an Karen, ein Mädchen in meiner Klasse. In meiner idealisierten Wahrnehmung war Karen wunderschön, enthusiastisch und fähig, alles zu erreichen, was sie sich vornahm. Sie war, so dachte ich, das genaue Gegenteil von mir. Ich sass oft an meinem Schultisch und beobachtete alles, was Karen tat. Manchmal stellte ich mir Situationen vor, in denen einer der Jungs anfangen würde, sie zu ärgern, und sie würde sich dann zu mir drehen und sagen: «Gordon, würdest du ihm bitte sagen, dass er mich in Ruhe lassen soll?» Und ich würde dem Jungen einen finsteren Blick zuzuwerfen und er würde sofort aufhören, sie zu ärgern. Aber das passierte leider nie…

Ein Niemand wird ein Jemand

An einem Schultag kam es zu einem erinnerungswürdigen, lebensverändernden Ereignis. Zumindest für mich: Ich glaube, es war der Tag, an dem ich zum ersten Mal zu glauben wagte, dass in schüchternen kleinen Jungen wie mir Möglichkeiten stecken könnten – dass ein Niemand ein Jemand sein könnte.

Unsere Lehrerin, Frau Barbour, forderte die Klasse am Anfang der Stunde auf, uns auf unsere Plätze zu setzen. Als wir alle still geworden waren, sagte Frau Barbour: «Ich habe euch alle in den letzten Tagen beobachtet. Ich habe mich dabei gefragt: Wer von allen in der Klasse hat die beste Haltung? Wer sitzt am geradesten am Tisch? Wer steht am aufrechtesten, wenn alle in der Schlange am Wasserspender stehen? Wer hält den Kopf am höchsten auf dem Nachhauseweg?» Die Klasse hatte noch nie eine solche Frage gestellt bekommen.

Die Schüler und Schülerinnen begannen, Namen zu nennen. «Ist es Robert?», fragte jemand. «Nein, es ist nicht Robert», sagte Frau Barbour. «Robert hat eine gute Haltung, aber ich denke an jemand anderes.» «Könnte es Maria sein?», fragte ein Mädchen aus der letzten Reihe. «Nein, es ist nicht Maria. Schaut euch im Raum um», sagte Frau Barbour. «Schaut euch nach jemandem um, den ihr bisher vielleicht noch nicht bemerkt habt.»

Ein paar weitere Namen wurden genannt, aber jedes Mal schüttelte Frau Barbour den Kopf. Schliesslich gingen der Klasse die Ideen aus. «Nun, liebe Kinder», sagte Frau Barbour schliesslich, «ich sage euch, wer die beste Haltung in dieser Klasse hat. Und wenn ich den Namen sage, werdet ihr überrascht sein, dass euch das nicht selbst aufgefallen ist.» Die ganze Klasse, ich eingeschlossen, lehnte sich nach vorne, um den Namen zu hören, den Frau Barbour meinte. «Die Person, an die ich denke, ist Gordon MacDonald. Er hat die beste Haltung in dieser Klasse. Gordon, steh einmal auf und lauf durch den Klassenraum. Lass alle deine gute Haltung sehen.»

Schockiert

Niemand war mehr von Frau Barbours Worten geschockt als ich. Sie sagte, dass ein «Niemand» wie ich tatsächlich der Beste in dieser Klasse bei etwas war. Ich schaute mich noch einmal im Klassenraum um, um sicherzustellen, dass Frau Barbour tatsächlich mich meinte. Dann stand ich auf, stellte sicher, dass mein Rücken gerade und mein Kopf hochgehalten war, und begann, durch den Raum zu laufen. Mit jedem Schritt wurde ich selbstbewusster, dass ich meiner Klasse – und besonders denen, die mich nicht auf ihren Geburtstagsfeiern und in ihren Sportteams haben wollten – zeigen konnte, wie eine wirklich gute Haltung aussieht.

Es folgte ein noch erstaunlicherer Moment (oder zumindest für mich unvergesslich). Während ich durch den Klassenraum lief, fing die Klasse an zu applaudieren. Plötzlich schien es mir, als könnten alle, sogar Karen, die Möglichkeiten in mir sehen – und das nur, weil die Lehrerin auf meine Haltung hingewiesen hatte.

Jesus tat dasselbe für die Niemands in dieser Welt: eine Frau, die mit mehreren Ehemännern und Partnern zusammenlebte, ein Zöllner, der andere um ihren gesamten Besitz betrog, ein gutmeinender Jünger, der kläglich versagte. Sie alle waren danach nicht mehr dieselben. Vom Niemand zum Jemand – genau wie ich.

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