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Willi Weitzel

«Willi wills wissen» – Ein Fernsehstar sucht sich selbst

Willi Weitzel ist seit 20 Jahren aus den Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Doch irgendwann wusste der Meister des Erklärfernsehens für sich selbst nicht mehr weiter und machte sich auf die Suche nach sich selbst.

Willi Weitzel ist seit 20 Jahren aus den Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Doch irgendwann wusste der Meister des Erklärfernsehens für sich selbst nicht mehr weiter und machte sich auf die Suche nach sich selbst.

«Irgendwann hab ich mich dafür entschieden, Abenteurer zu sein», erklärt Helmar Rudolf Willi Weitzel (49), bekannt als «Willi», im Interview bei Thorsten Otto. Nach einer normalen Kindheit zwischen Kinderchor und Leichtathletik studierte Willi Theologie in München. Nach vier Semestern wechselte er zum Lehramt, machte ein Praktikum beim Kinderfunk des Bayerischen Rundfunks und dort wurde ihm bald darauf etwas Neues angeboten: Moderator im Erklärfernsehen. 2001 ging «Willi wills wissen» auf Sendung und hatte von Beginn an Erfolg.

Willi lebt seinen Traum

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Willi Weitzel bei einer Sendung von «Willi wills wissen»

«Wo geht das hin, das Rohr im Klo? Wer bringt meine Post nach Mexiko?», so starteten seine 180 Fernsehsendungen. Und Willi ging hin und fragte nach: Er fuhr kindgerecht auf dem Müllwagen mit, fragte, was bei einem Erdbeben passiert, erklärte Kindern (und sicher auch vielen Eltern!), wie Glas durchsichtig wird und machte selbst vor Themen wie Krebs und dem Sterben nicht halt.

Acht Jahre lang war er stellvertretend für viele Kinder auf dem Bildschirm unterwegs und stellte ihre Fragen. Manche nannten ihn dafür einen Berufsjugendlichen, andere einen Kindskopf. Seine Fans liebten ihn dafür – und er selbst wusste: Kinder lachen rund 400-mal am Tag, Erwachsene durchschnittlich 18-mal. Natürlich wollte er das Kind in sich lebendig halten! Neugierig, ehrlich, manchmal penetrant, aber meistens fröhlich stellte er seine Fragen und erklärte Kindern und allen anderen Menschen die Welt.

Willi heiratete und bekam eine Tochter. Er begann weitere Fernsehsendungen und drehte den Kinofilm «Willi und die Wunder dieser Welt». Seine Karriere brummte.

Zusammenbruch

Doch dieser Erfolg war nur die eine Seite: Die erfüllende und gleichzeitig zu viele Arbeit entfremdete ihn und seine Frau – die Ehe ging zu Bruch. Mitten in den Dreharbeiten zur nächsten Produktion wurde ihm bewusst, dass er in einer Maschinerie steckte, aus der er nicht so einfach wieder herauskam. «Da ist mir zum ersten Mal aufgefallen: Bist du der Willi oder spielst den Kindern eine Rolle vor?», formuliert er es Thorsten Otto gegenüber.

Er beendete die Erfolgsserie «Willi wills wissen» und zog sich zurück. Er «kappte seinen Anker». Von dieser Zeit erzählt er dem Journalisten Max Kronawitter in einem berührenden und sehenswerten Fernsehinterview. Willi ging in ein Benediktinerkloster, um Frieden zu finden, doch dort brach er vollständig zusammen. Immerhin gewann er die Klarheit, dass er sich dem Leben neu stellen sollte als «ein auf die Vierzig zugehender Mann, der ein Kind hat». Eine vierwöchige Auszeit, bei der er zu Fuss die Alpen überquerte und manche Probleme im Tal nun von oben betrachten konnte, tat ein Übriges: Willi wechselte die Perspektive.

Perspektivwechsel

Viele Dinge kamen in Bewegung. Willi heiratete wieder und übernimmt inzwischen auf eine neue Art Verantwortung für seine Frau Lena und seine inzwischen drei Töchter. Sein Abenteurer-Gen kommt nach wie vor zum Tragen. Als die Kirche ihn anfragte, ob er für die Sternsinger-Aktion Filme drehen würde, war er sofort dabei. Willi fuhr mit einem Lkw an die syrische Grenze, um Hilfsgüter ins Kriegsgebiet zu liefern, und er ritt zwölf Tage auf einem Esel von Nazareth nach Bethlehem, um sich auszumalen, wie Maria sich wohl auf dieser Strecke gefühlt hatte.

Mit «Gut zu Wissen» ist Willi zurück im Fernsehen und informiert schwerpunktmässig über ökologische Themen. Mit seinem Bühnenprogramm «Willis wilde Wege» ist er deutschlandweit unterwegs, um Kinder und Erwachsene für einen neuen Blick auf die Schöpfung zu gewinnen. Dazu geht er spannende Wege: So stellte er sich als Anhalter an eine Autobahnauffahrt und hielt das Schild «Paradies» als Zielangabe in der Hand. Die meisten fuhren einfach vorbei – entweder nahmen sie aus Prinzip keine Anhalter mit oder sie dachten sich: «Hilfe, ein Verrückter!». Einige aber hielten an und meinten: «Pass mal auf, ich bring dich in mein persönliches Paradies.» Mit anderen ergab sich auf der Fahrt ein wunderschönes und spannendes philosophisches Gespräch.

50 – na und?

Bald wird der Star des Kinderfernsehens 50 Jahre alt. Ist damit für ihn eine Tür zugefallen? Natürlich sieht auch Willi im Laufe der Jahre Dinge realistischer, vielleicht sogar pessimistisch, doch er unterstreicht bei Max Kronawitter: «Ich würde mir manchmal einfach wünschen, die Welt so unbedarft wie ein Kind zu sehen.» Ist das möglich? Willi meint: «Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, erwachsen zu werden und doch irgendwie Kind zu bleiben.» Dabei erinnert der erwachsene Jugendliche an das, was Jesus sagte: «Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen! Wer nun sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Grösste im Reich der Himmel. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.» (Matthäus, Kapitel 18, Verse 3–5)

Willi Weitzel, ein Star des Kinderfernsehens, musste sich ein Stück weit neu erfinden, um sich selbst treu zu bleiben. Als Margot Kässmann seinerzeit nach einer
Alkoholfahrt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland zurückgetreten war, erklärte sie in einem Interview: «Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand.» Willi konnte ihre Gedanken zum Absturz sehr gut nachvollziehen. Gleichzeitig weiss er, dass «das genau das Gefühl ist, mit dem ich durchs Leben gehe. Das wünsche ich auch jedem!»

Doku über Willi Weitzel:
Der Fernsehstar auf der Suche nach sich selbst (BR)

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