«Teufel war mein Freund» – Ein Ex-Satanist packt aus

Nach dem Tod seiner Schwester und dem Mobbing in der Schule schloss Angelo Nero (richtiger Name der Redaktion bekannt) mit Gott ab. «Bewusst verkaufte ich meine Seele an den Teufel.» Jahrelang führte er Rituale aus, allein und in Zirkeln.

Nach dem Tod seiner Schwester und dem Mobbing in der Schule schloss Angelo Nero (richtiger Name der Redaktion bekannt) mit Gott ab. «Bewusst verkaufte ich meine Seele an den Teufel.» Jahrelang führte er Rituale aus, allein und in Zirkeln. Doch das Böse forderte seinen Tribut – bis er auf eine Macht traf, die stärker war als jene aus dem dunklen Reich.«Ich hatte immer den Eindruck, ich hätte schon seit meiner Geburt eine Prägung gehabt, obschon ich in einem christlichem Elternhaus aufgewachsen bin. Schon als ich klein war, faszinierte mich das Böse», erinnert sich Angelo Nero. «Gerade war damals der Film 'Lion King' draussen, und ich erkannte, dass ich eine Sympathie für den bösen Charakter entwickelte. Sie hatten Macht, erhielten was sie wollten oder nahmen es sich.»

In der Kindheit erlebte er Mobbing und schon früh beschäftigte er sich mit dem Übernatürlichen. Durch sein christliches Elternhaus wusste er, dass er sich eigentlich nicht mit dem Bösen einlassen sollte.

«Dann helfe ich mir selbst!»

Mit 13 Jahren ging er in der Stadt Zürich und nicht mehr auf dem Land zur Schule. «Eines Tages war ich im Niederdorf unterwegs und lief an einem Esoterik-Laden vorbei. Dort sah ich Tarotkarten, Pendel und all das.» Er fand ein Kartenset des englischen Okkultisten Aleister Crowley. «Das faszinierte mich. Zunächst brauchte ich es für mich und übte einfache Legemuster. Ich stellte fest, dass es funktioniert.»

Gleichzeitig nagte sein Gewissen. «Ich wusste, dass ich das nicht tun sollte. Ich war noch Christ und redete mir ein, dass es doch nur Karten seien, durch die vielleicht ja auch Gott reden könne.» Bald kamen Pendel und Gläserrücken dazu. «Ich sagte mir, dass das in Ordnung sei, solange ich niemandem Schaden zufüge.» Dann erkrankte Angelos Schwester an Lungenkrebs. «Wir beteten und ich glaubte, dass Gott sie heilen kann. Es war ein Schlag, als sie starb. Nach all dem Mobbing, wo Gottes Hilfe ebenfalls nicht eintrat, sagte ich: 'Wenn du mir nicht hilfst, kann ich mir selbst helfen.'»

Seele bewusst Satan verkauft

Angelo Nero liess sich bewusst auf die schwarze Magie und den Satanismus ein. «Ich verkaufte Satan meine Seele mit meinem Blut.» Im Nachhinein stelle er fest, dass Gott ihn nie allein gelassen habe. «Er bewahrte mich davor, Dinge zu tun, die ich mir nie hätte verzeihen können. Ich beging bei Ritualen nie Tieropfer, sondern erhielt zum Beispiel beim Metzger einen Kuhschädel oder einen Kanister mit Stierblut. Zudem war ich nie festes Mitglied eines Zirkels. Gott bewahrte mich davor und zudem war es mein Stolz, der keine Autorität über mir dulden konnte.»

Von nun an erlebte er kein Mobbing mehr, auch nicht in der Berufsschule. «Logisch fiel mal ein dummer Spruch, weil ich herumlief wie Marilyn Manson. Gleichzeitig hatten sie Respekt, denn auch wenn sie nicht daran glaubten, dass all das Realität ist, war bei meinen Kollegen doch immer irgendwo im Hinterkopf der Gedanke, was wäre, wenn ich ihnen einen Fluch auferlegen würde.»

Ein Licht geht auf

Er fühlte sich bestätigt. «Dem Mobbing hatte ich ein Ende gesetzt und im Gegenzug konnte ich die Leute so manipulieren, dass sie taten, was ich wollte. Gerade am Anfang war das eine extreme Bestätigung. Ich hatte das Gefühl, dass ich Macht besitze. Und ich konnte mir die unsichtbare Welt fügig machen – bis ich merkte, dass es eine Täuschung war.»

Die Jahre vergingen. «Eines Tages wollte ich meinen besten Kollegen mit einem Fluch belegen; es ging um eine Frau, die ich begehrte. Weil sie sich nicht für mich entschied, fühlte ich mich persönlich angegriffen. Als ich mitten in der Nacht im Wald am Ritual-Werk war, ging mir ein Licht auf, was ich da eigentlich tat. Er war mein bester Kollege, der einzig wahre Freund und der einzige, von dem ich Kritik duldete. Er war Christ, ich Satanist – doch dieser Kollege war immer für mich da.»

Die Macht lässt sich nicht kontrollieren

In diesem Moment wollte Angelo das Ritual abbrechen. «Da merkte ich, dass ich das nicht mehr so im Griff hatte, wie ich mir das vorstellte. Das Ganze kehrte sich gegen mich. Pure Angst vor dem, was um mich war, überfiel mich. Überall hörte ich das Unterholz rascheln und ich sah Schatten, die sich im Finstern bewegten.» Panisch rannte er mit seiner Offizierskiste voller Ritualgegenstände weg.

Angelo Nero erlebte ein Blackout und weiss noch heute nicht, wie er in jener Nacht heimgekommen war. «In dieser Nacht erfuhr ich, dass die Macht, die ich unter Kontrolle gehabt glaubte, mich kontrollierte. Deshalb fasste ich den Entschluss, mich davon zu lösen. Ich erkannte, dass sie mich innerlich kaputt macht. Ich kannte keine Freude, keine Liebe, nur noch Wut, Zorn und Eifersucht. Alles drehte sich nur noch um das Negative. Das wollte ich stoppen.» Er trug alle okkulten Gegenstände und Bücher zusammen, errichtete einen Scheiterhaufen, verbrannte alles und dachte, dass er nun frei sei. Doch dann folgte ein Rückfall und alles war schlimmer als je zuvor - er entschied sich, das Leben zu nehmen.

Im Angesicht des Todes

«Ohne dich würde es allen besser gehen!», dachte er, als er von der Brücke springen wollte. «Ich wollte dem allem ein Ende setzen, weil ich so nicht mehr leben wollte.» Doch da hatte er plötzlich einen anderen Gedanken: «Jetzt bist du bereit, dein Leben wegzuwerfen, warum schluckst du nicht deinen Stolz und gibst Gott eine Chance? Du bist schon am Tiefpunkt, jetzt schadet es auch nichts mehr.»

«Im Grunde wusste ich schon vorher, dass ich Gott hätte finden können. Dazu hätte ich zugeben müssen, dass ich Gottes Hilfe brauche. Aber in dem Moment hatte mein Stolz keine Bedeutung mehr. Ich hievte mich zurück über das Geländer und flehte zu Gott: 'Wenn du da bist und noch etwas mit mir anfangen kannst, dann tu etwas.' Es passierte zuerst nicht viel. In mir drin spürte ich eine Ruhe, konnte etwas loslassen, ich war in der Lage heimzugehen und eine Nacht darüber zu schlafen.»

Der Anruf

Ein paar Tage später folgte ein überraschender Telefonanruf. Ein Kollege, von dem er zehn Jahre nichts mehr gehört hatte, war am Draht. «Wir hatten schon früher nicht viel miteinander zu tun. Nun fragte er, ob ich Lust habe, mit ihm in die Ferien zu fahren.» Es sollte in eine Villa in Südfrankreich gehen und noch andere würden mitkommen. «Er sagte, dass es ein Pfingstlager der Gemeinde sei. Zuerst dachte ich, dass ich das nun gerade gar nicht brauche, da kam mir aber in den Sinn, dass ich gerufen hatte: 'Gott, tu etwas'.»

Im Hinterkopf sagte eine Stimme: «'Mit diesen Christen in ein Lager gehen, brauche ich nicht.' Aber absagen wäre feige. Und so überlegte ich, was ich tun kann, dass sie mich nicht dabei haben wollen.» So fuhr Angelo mit seinem Wagen beim vereinbarten Treffpunkt vor, auf der Motorhaube war ein grosses Pentagramm aufgemalt, er war weiss geschminkt mit schwarzen Augenrändern, mit einem kopfstehenden Kreuz um den Hals sowie einem knöchellangen, schwarzen Mantel.

«Schön dass du da bist!»

Kaum geparkt, kam bereits ein junger Mann auf Angelo zu, aber nicht, um ihn von dannen zu weisen, sondern um ihn zu umarmen und ihn willkommen zu heissen: «Schön, dass du da bist!» Und schon fuhren sie gemeinsam nach Frankreich.

Die Zeit tat ihm gut: «Ich lernte Christen von einer anderen Seite kennen. Sie zeigten nicht mit Fingern auf mich. Sie liessen mich in Ruhe, es war eine gute Zeit mit coolen Leuten. Sie machten keine Andachten, aber beteten und sangen vor dem Essen. Da ging ich jeweils raus und rauchte – aber keiner machte mich deswegen an. Ich provozierte, aber es prallte an ihnen ab.»

Fluchtartig aus Kirche gerannt

«Zum Schluss fragte mein Kollege: 'Willst du mit uns in den Gottesdienst kommen?» Ich dachte, dass das nicht gerade sein muss, rang mich aber durch und ging in der Folgewoche mit in das Christliche Zentrum Buchegg.» Es sei ihm recht gewesen, dass so viele Menschen da waren, so habe er etwas in der Masse untergehen können.

Angelo liess sich zuhinterst nieder. Eher in einer traditionellen Gemeinde aufgewachsen, war er über den modernen, poppigen Lobpreis überrascht. «Und die Predigt war auch ansprechend. Doch während der Predigt zeigte der Pastor mit dem Finger mitten in die Masse auf mich und sagt: 'Auch dir kann vergeben werden, auch du kannst Rettung erfahren und ein neues Leben erfahren.' Ich war stocksauer über das, was er sich da erlaubt hatte, aber es traf mich auch.» Fluchtartig rannte er aus der Kirche.

Die Chance und der innere Kampf

Irgendwann kam der Kollege raus, um sich neben ihn zu setzen. «Ich liess Dampf ab. Er hörte einfach zu. Als ich fertig war, sagte er: 'Ja, jetzt ist es Zeit, dass du dein Leben Jesus gibt.' Ich sagte 'Ja!', weil ich erkannte, dass es die Chance ist, mein Leben auf die Reihe zu kriegen.»

In einem Gebet bekannte er alles, was ihm in den Sinn kam. «Es war ein Loslösegebet, wie man so schön sagt. Dann forderte er mich auf, dass ich mein Leben in meinen eigenen Worten an Jesus übergebe. Das war nicht einfach, auch wenn es nicht ausartete. Äusserlich war ich ruhig, doch innerlich tobte ein extremer Kampf zwischen dem, was ich will, und dem Nichtkönnen. So war es, bis ich das Wort 'Jesus' über die Lippen brachte. Dann kamen die Worte wie ein Wasserfall. An dem Abend habe ich Jesus mein Leben übergeben und ein Jahr später liess ich mich taufen.»

Alte, neue Kontakte

Sein Leben begann sich zusehends zu verbessern, seine Eltern waren überglücklich. «Es war nicht alles auf einmal gut, doch es war ein erster Schritt in die richtige Richtung, der erste Schritt in einem Prozess, der Jahre dauerte.»

Die Loslösung vom Okkulten geschah jedoch umgehend und auf einen Schlag: «Ich verbrannte alles endgültig und distanzierte mich von allem, was mich irgendwie in die alten Zeiten hätte zurückziehen können.» Ein Jahr lang hörte er nur Worship und schaute ausschliesslich christliche Filme.

Heute hat Angelo Nero Kontakt mit Leuten, die noch in der Szene drin sind. Manche öffnen sich ihm. «Weil ich sie verstehe. Wenn ich heute bei jemandem bin und satanische Musik im Hintergrund läuft, weiss ich, dass es mir nichts anhaben kann. Das ist die Freiheit, die ich von Gott erhalten habe. Oder wenn ein Pentagramm bei jemandem hängt, dann ist das halt so. Als Christen wissen wir: Es kann uns nichts anhaben, Jesus ist stärker als alles andere.»

Um seine Familie zu schützen, tritt Angelo Nero heute unter diesem Pseudonym auf. Unter anderem verfasste er seine Biografie «Der Teufel war mein Freund», welche direkt über seine Webseite bezogen werden kann.

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