zVg.
Nicole Schlatter

Frei von Sucht und Ehebruch – Ehe – ein Geschenk für Mann und Frau

Fast 29 Jahre lang litt Nicole Schlatter unter Bulimie. Als verheiratete Frau verliebt sie sich in eine andere Frau. Kurz vor der kirchlichen Trauung gesteht sie ihrem Mann, dass sie eine Geliebte hat...

«Der Start in unsere Ehe war nicht einfach, wir brachten beide unseren Rucksack mit», erinnert sich Nicole Schlatter. Eine ihrer Lasten war die Bulimie, unter der sie fast 29 Jahre lang litt. «Als 14-Jährige wog ich knapp 100 kg, wurde in der Schule deswegen ausgegrenzt und gemobbt.» Das war der Einstieg in die Ess-Brech-Sucht, die sie nicht mehr loswurde. Im Unterschied zur Magersucht stopfen Bulimiker Unmengen an Essen in sich hinein, um dieses gleich wieder zu erbrechen. Zunehmend Gewicht zu verlieren, verschaffte der jungen Frau immer mehr Anerkennung. Doch das Verheimlichen ist stressig, und ihre Versuche, ihr Essverhalten zu ändern, fruchteten nicht. Bis vor einem Jahr die Mitchristen im Hauskreis dafür beteten. Auf einen Schlag war sie von ihrer Sucht befreit. Heute ist die 43-Jährige gesund und bekennt: «Jesus hat mich geheilt.»

Das genügt nicht…

Als sich Nicole in Reto verliebt, hofft sie, dass die Ehe ihre Sehnsucht nach Liebe und Erfüllung stillen wird. Die beiden heiraten 2018 zivil, wollen die kirchliche Trauung später nachholen. Doch das Zusammenleben mit ihrem Mann füllt nicht die Lücken, die Nicole in sich spürt. «Wir waren beide stark mit unseren eigenen Geschichten beschäftigt.» Sie ist frustriert und enttäuscht. Als sie Lena kennenlernt, verbringt sie mehr Zeit mit ihr als mit Reto. «Als Frauen verstanden wir uns in einer Weise, wie sich das zwischen Mann und Frau oft schwieriger gestaltet», erklärt Nicole. Rasch kommen sich die Freundinnen auch körperlich immer näher. Nicole realisiert: «Das ist Ehebruch.» Sie ist Christin, spürt die Aufforderung von Jesus: «Tu das nicht!» Aber sie hört nicht darauf, meint, in der Beziehung zu Lena ihre Erfüllung gefunden zu haben.

Trotzdem kirchlich heiraten?

Nicole verändert sich, auch äusserlich. «Ich rasierte mir die Haare, schminkte mich nicht mehr, verlor immer mehr meine Identität als Frau.» Mit Reto zusammen war es klar gewesen: Er ist der Mann, sie die Frau. Jetzt hatte sie keinen Orientierungspunkt mehr, es zog ihr den Boden unter den Füssen weg. «Ich fühlte mich zerrissen – war Ehefrau und gleichzeitig Geliebte einer Frau.» Doch sie konnte über ihre Not mit niemandem reden. «Ich hatte Angst, die Freundinnen aus der Kirche würden mich verurteilen...» Im September 2019 ist die kirchliche Trauung geplant. Ende Juli hält es Nicole nicht mehr aus und gesteht Reto ihre Affäre mit Lena. Er ist geschockt. «Ich verstehe, wenn du dich scheiden lassen möchtest – ich gebe dich frei», schliesst sie ihr Geständnis. Reto ist sehr verletzt, doch er will an der Ehe festhalten.

Umkehr

Anfangs ist Nicole davon nicht begeistert. «Ich meinte, es wäre einfacher, wenn wir uns als Ehepaar trennen würden». Später erkennt sie, dass dem nicht so ist. Doch so schnell gibt sie nicht auf. Sie hadert mit Jesus, will von ihm wissen, ob es nicht auch möglich ist, als Frau mit einer Frau zusammen zu sein. In einer Predigt hört sie erneut die Antwort, die sie bereits kennt: Ehe ist eine Verbindung zwischen Mann und Frau.

«Ich hatte durch diese Erfahrung auch realisiert, dass es körperlich anders ist. Zwei Frauen können einander nie so nahe sein wie Mann und Frau.» Schliesslich trennt sich Nicole von Lena, obwohl es sie innerlich fast zerreisst. «Ich spürte, dass ich meine Nähe zu Jesus verlieren würde, wenn ich mich für Lena statt für Reto entscheide.» Zuerst war es eine reine Kopfentscheidung. Doch sie blieb dabei und kehrte dadurch auch zu ihrer «ersten Liebe» Jesus zurück.

Gnade

Die Hochzeit findet statt, doch danach müssen Scherben zusammengekehrt werden. Heute arbeiten Nicole und Reto daran, einander neu zu begegnen. «Man kann nicht einfach sagen: «Schwamm drüber» – da sind Verletzungen passiert.» Das Paar sucht Hilfe und lässt sich begleiten, um die Ehe auf einem neuen Fundament wiederaufzubauen. Nicole vertraut sich einer Freundin und Jesus an. «Ich habe mit ihm durchbuchstabiert, was mich belastet hat.»

Sie rät allen Menschen in Not, sich direkt an Jesus zu wenden. «Er ist die Wahrheit und spricht zu jedem Menschen so, wie dieser es verstehen kann.» Heute ist sie dankbar, dass sie schon verheiratet war, als sie sich in Lena verliebte. So war die Hürde für sie höher, sich von ihrem Mann zu trennen. «Dieser Umstand hat mich vor vielem bewahrt.»

Brauchen Sie Hilfe oder einfach ein offenes Ohr? Dann melden Sie sich bei der anonymen Lebenshilfe von Livenet, per Telefonoder E-Mail. Weitere Adressen für Notsituationen finden Sie hier

Sehen Sie sich das Video von WunderHeuteTV mit Nicole Schlatter an:

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