Verena Wurster – Durch Versöhnung Fülle und Weite entdecken

Verena Wurster aus Castrisch wird dieses Jahr siebzig und ist noch voller Tatendrang. Die Leiterin der Stiftung Casa Immanuel möchte ein weiteres Haus für über 60-Jährige bauen. Wie alle ihre Unternehmungen wird dieses Projekt im Gebet vorbereitet.

Verena Wurster aus Castrisch wird dieses Jahr siebzig und ist noch voller Tatendrang. Die Leiterin der Stiftung Casa Immanuel möchte ein weiteres Haus für über 60-Jährige bauen. Wie alle ihre Unternehmungen wird auch dieses Projekt im Gebet vorbereitet.

Wo Verena Wurster ist, gibt es Farbe. Zwei Strähnen in ihrem Haar, pink und lila, deuten das an. Auch das 2003 gegründete Casa Immanuel ist voll davon. Jedes Zimmer ist anders ausgestattet, hat farbige Wände und trägt einen Namen. Die Gäste dürfen nach Möglichkeit aussuchen, wo sie logieren wollen, zum Beispiel im Entdecker-, Strand- oder Diamantenzimmer. In Kursen, Einzelgesprächen und Wohngemeinschaften zeigen Verena Wurster und ihre Mitarbeitenden suchenden Menschen auf, wie sie die Fülle und Weite ihres Lebens entdecken und darin leben können.

Schlimme Kindheit

Verena Wurster wuchs als ungewolltes drittes Kind in Adliswil auf. Sie sei dumm, blöd und frech, hörte sie unzählige Male. Die Mutter war schwer depressiv, der Vater Hilfsarbeiter und an Tuberkulose erkrankt. Schliesslich landete die kleine Vreni in der Hilfsklasse, mehr traute man ihr nicht zu. Als publik wurde, dass sie missbraucht worden war, brachte sich der Täter um. Die Mutter beschuldigte ihre neunjährige Tochter, dessen Tod verursacht zu haben. Die Pflegefamilie, bei der sie während der häufigen Spitalaufenthalte ihrer Eltern lebte, brachte sie zur Sonntagsschule. Dort lernte sie ihren «Heiland» kennen. Und er wurde Verenas Ansprechperson und Hilfe. Ihm konnte sie allen Kummer erzählen, er stärkte ihren Glauben, sodass sie ihre lieblose Kindheit ertragen konnte.

«Ich bin wertvoll»

Schliesslich schaffte sie mit Unterstützung auch die Ausbildung zur Köchin, später wurde sie Krankenpflegerin und Gemeindeschwester. Sie besuchte eine Bibelschule in Dänemark, absolvierte einen Lehrgang zur Spitalseelsorgerin und eine Ausbildung in Gesprächsführung nach Rogers. Danach arbeitete sie über 20 Jahre in Häusern, die Seelsorge anboten. Die eigenen Erfahrungen hatten Verena Wurster gezeigt, dass Vergebung und Versöhnung mit der Herkunftsfamilie unabdingbar sind für ein erfülltes Leben. Doch lange gelang es ihr nicht, ihre tief empfundene Minderwertigkeit abzulegen. «Mit Jesu Hilfe entlarvte ich allmählich alle meine Lebenslügen, die über mir ausgesprochen worden waren und die ich bisher geglaubt hatte», erzählt sie. Nach einem jahrelangen Aufarbeitungsprozess glaubte sie immer überzeugter, dass sie wirklich wertvoll, einzigartig und kostbar ist. Sie begann, immer klarer entgegen der bisherigen destruktiven Verhaltensmuster zu handeln und definierte einen Weg der Versöhnung.

Versöhnen statt verdrängen

Im Alter von 57 Jahren erfüllte sich mit der Casa Immanuel ein Herzenswunsch: das Führen eines eigenen Hauses für Lebensberatung und Schulung. Dort lebt und lehrt sie mit ihrem Team zusammen den Weg der Versöhnung. Verena Wurster und die Mitarbeitenden sind überzeugt, dass Versöhnung die Voraussetzung ist für ein sinnvolles Leben in Beziehung zu sich selber, zu Gott und zu Menschen.

Mit 62 Jahren heiratete Verena Wurster einen Witwer und schrieb später mit Daniel Linder zusammen das Buch «Nemo - voll versöhnt». Wie bei Josef hat Gott aus den schmerzlichen Erfahrungen ihres Lebens Gutes entstehen lassen. Heute steckt sie Menschen an mit ihrer Freude und Fröhlichkeit. Sie ist spürbar versöhnt mit ihrer Vergangenheit und dankbar für die Lehren, die daraus entstanden sind: «Jesus macht aus jedem Mist Dünger!», ist ihre Überzeugung.

Die Stiftung Casa Immanuel ist ein schöner und liebevoll eingerichteter Ort, wo Menschen zur Ruhe kommen, Ballast abwerfen und mit Jesus neu anfangen können. «Versöhnung ist ein fortlaufender Prozess der Auseinandersetzung mit unseren Gefühlen, den wir nur mit Gottes Hilfe gehen können», sagt Verena Wurster. Und: «Der Lohn ist ein Leben in Eigenverantwortung, Fülle und Freiheit».

Stiftung Casa Immanuel

Die Stiftung leistet auf der Basis christlicher Glaubenswerte Unterstützung für Menschen im In- und Ausland. Sie bietet in der Lebensschule Casa Immanuel in Castrisch GR ein umfassendes Angebot: Lebensberatung, Kurse, WGs, Coaching, Supervision, Familien-Coaching, Tagesstruktur, Krisenintervention, Auszeit, Erholung. Geplant ist ein Neubau mit Alterswohnungen, wo erfülltes Leben im Alter möglich ist. Das Buch «Nemo - voll versöhnt» von Daniel Linder und Verena Wurster beschreibt anschaulich die Kernthemen der Versöhnung.

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