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Ann Voskamp

Ann Voskamp – Durch ein unvorstellbares Trauma gegangen

Ann Voskamp musste miterleben, wie ihre kleine Schwester vor ihren Augen überfahren wurde. Das Schreiben führte die auch im deutschen Sprachraum bekannte kanadische Autorin näher an die heilende Kraft Gottes heran.

Ann Voskamp musste miterleben, wie ihre kleine Schwester vor ihren Augen überfahren wurde. Das Schreiben führte die auch im deutschen Sprachraum bekannte kanadische Autorin näher an die heilende Kraft Gottes heran.

«Meine erste grosse Kindheitserinnerung geht auf die Zeit zurück, als ich vier Jahre alt war», erinnert sich Ann Voskamp. «Ich war gerade an der Spüle in der Küche unserer Farm, als meine kleine, 18 Monate alte Schwester Amy quer über den Hof hinter einer kleinen Katze herlief. Ein Lastwagenfahrer, der gerade auf den Hof fuhr, sah sie nicht. Sie wurde zerquetscht und starb vor meinen Augen und den Augen meiner Mutter.»

Als kleines Mädchen hatte sie nun grosse Angst, nachts einzuschlafen, weil Menschen, die man liebt, schreckliche Dinge zustossen können. «Und es gab Dinge, die ich nicht sehen wollte, wenn ich meine Augen schloss. Als ich sieben Jahre alt war, wurde ich wegen Geschwüren ins Krankenhaus gebracht. In meinen Teenagerjahren ritzte ich mich und als ich auf der Universität war, hatte ich regelrechte Panikattacken.»

Vorlesungen in der Scheune

Auch noch 40 Jahre später sieht Ann Voskamp das Entsetzen in den Augen ihres Vaters vor sich, als er die Schreckensnachricht erfuhr. «Es gab mir das Gefühl, dass die Welt kein sicherer Ort ist. Wir waren nicht gläubig und hatten Jesus nicht, an den wir uns hätten wenden können.» Zum Glauben fand sie erst später, auf der Highschool.

«Ich war 20, als ich Darryl heiratete, und beendete gerade mein zweites Jahr des Studiums der Kinderpsychologie und Pädagogik.» Zwei weitere Studienjahre sollten noch folgen, da erfuhr sie, dass sie schwanger war. Sie plante eine Auszeit von einem Jahr, «aber als Caleb geboren wurde, dachte ich: 'Ich kann dieses Baby nicht verlassen.'» Sie wechselte auf eine Uni, die ein Fernstudium ermöglichte. «Ich trug ein Baby auf dem Rücken und hörte mir Vorlesungen an, während ich in der Scheune arbeitete und mich um die Tiere kümmerte.» Sechs weitere Kinder folgten in den nächsten zehn Jahren.

Plötzlich Schriftstellerin

Ann Voskamp startete einen Blog, auf den ein Verlag aufmerksam wurde. «Ich hatte eigentlich nicht vor, 'Schriftstellerin' zu werden. Ein erstes Buch entstand, in welchem ich beschreibe, wie ich begonnen habe, mit meiner Angst umzugehen. Es ist unmöglich, gleichzeitig Angst und Dankbarkeit zu empfinden. Wenn du beginnst, aufzuzählen, wie Gott dich liebt, vertreibt die vollkommene Liebe die Angst. Auf diese Weise hatte ich begonnen, das Trauma meiner frühen Jahre zu verarbeiten.»

Vor einiger Zeit wurde sie darauf aufmerksam, dass es möglich ist, todkranke Kinder aus China zu adoptieren von Eltern, die sich Behandlungen in der Heimat nicht leisten konnten. Ann fragte ihren Mann und die Kinder: «Was würdet ihr davon halten, wenn wir ein Kind aus China adoptieren würden, das ein schweres Herzleiden hat? Wir hätten Herzoperationen vor uns und eines Tages eine Herztransplantation.»

Ihr Sohn Malachi (damals 13) sagte: «Sie ist also unheilbar krank. Nun, wir sind alle unheilbar krank, oder? Und sie müsste Jesus kennenlernen. Ich verstehe nicht wirklich, was das Problem ist.» Kurz danach wurde bei Malachi Diabetes Typ 1 diagnostiziert. «Unsere Adoptionsagentur sagte, wir könnten den Prozess aufschieben, aber Malachi sagte: 'Nein. Ich weiss, warum Gott mir Typ-1-Diabetes gegeben hat. Damit die kleine Shiloh Shalom Yu Xin nicht denkt, dass sie die einzige in unserer Familie ist, die die Hilfe bei der Gesundheitsfürsorge braucht.'»

Weitere Rückschläge

Shiloh hatte eine Operation am offenen Herzen hinter sich und Ann musste sich einer Gebärmutter-Uterusablation unterziehen. «Es hätte eine 20-minütige Operation sein sollen, aber am nächsten Tag bekam ich Fieber und landete wieder im Krankenhaus. Es wurde festgestellt, dass ich eine Herzinsuffizienz hatte.»

Einige Zeit zuvor hatte sie das Manuskript zu ihrem Buch «Waymaker» abgegeben. Sie erhielt die Änderungen an dem Tag zurück, an dem ihr Vater starb. «Ich kehrte auf die Farm meiner Kindheit zurück. Auf demselben Bauernhof, auf dem meine Schwester starb, wurde auch mein Vater unter den Rädern eines Traktors erdrückt und getötet.»

Als sie «Waymaker» bearbeitete, «hatte ich plötzlich das Gefühl, dass jede Seite die Frage stellte: 'Glaubst du das alles wirklich noch? Ist das alles noch wahr?' Wenn es mir nicht Halt gibt, hätte ich auch nicht hoffen können, dass es einen Leser durch seinen eigenen Kummer, sein Leiden und seine Prüfungen trägt.»

Heilung erfahren

«'Waymaker' kommt also nicht von einem banalen Ort; es kommt aus tiefem Kummer und Verwirrung heraus. Und ich vertraue seiner Liebe viel tiefer als zuvor. Denn ich musste mit der grossen menschlichen Frage ringen: 'Warum lässt Gott das Böse und Leid zu?' Dies ist eine Welt mit Milliarden von Möglichkeiten. Ich weiss nicht, wie diese Geschichte mit dem Weg einer anderen Geschichte zusammenhängt. Der Einzige, der das versteht und die Wege all dieser Geschichten navigieren und orchestrieren kann, ist der Weg selbst: Jesus.»

Ann Voskamp weiss sich von ihm getragen: «Ich werde darauf vertrauen, dass der Weg (Anm. d. Red.: Jesus) den Weg kennt, den alle unsere Geschichten gehen müssen, denn er schreibt eine viel grössere Geschichte. Und er ist noch liebevoller, gütiger und barmherziger als ich es mir vorstellen kann.»

Die kanadische Bestsellerautorin Ann Voskamp ist Bäuerin und Mutter von sieben Kindern. In deutscher Sprache sind von ihr «Tausend Geschenke», «Durch meine Risse scheint ein Licht» und (mit Davis Majors) «Katie – Hoffnung gib nicht auf» (alle im Gerth-Verlag) erschienen.

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