justingambino.com / Luke Dusenbury
Justin Gambino

Dankbar für zweite Chance – «Du bist mehr als willkommen»

Wegen eines Einbruchs stand Justin Gambino mit 18 Jahren vor seinem Richter. Der gab ihm eine zweite Chance... Jahre später lud Gambino zu einem Lobpreisabend vor dem Gerichtsgebäude ein. Der Richter: «Du bist mehr als willkommen.»

«Ich bin eines von sechs Kindern, und in der Familie Gambino gab es sonntags kein Ausschlafen», erinnert sich Justin Gambino. «Wenn in der Kirche etwas los war, waren wir immer da.»

Seine Mutter, welche die Kinder zuhause unterrichtete, erzählte ihm später oft, dass er schon als Fünfjähriger seine Kinderbibel mit in die Kirche nahm und so tat, als sei sie eine Gitarre. «Ich habe darauf ‘gespielt’, weil ich den Pastor und den Lobpreisleiter mit der Gitarre gesehen habe. Musik hat mich schon als Kind begeistert.»

Auf Abwegen

Mit 16 Jahren begann sich sein Denken zu verändern. «Ich ging zwar immer noch in die Kirche, aber inzwischen hatte ich mir eine Maske aufgesetzt – ich spielte den Christen, aber hinter den Kulissen ging ich feiern, fing an zu rauchen und zu trinken.»

Kurz nach seinem 18. Geburtstag beging er einen Einbruch. «Nur zwei Monate nach meinem Schulabschluss stand ich plötzlich vor einem Richter. Ich schaute ihm direkt in die Augen und fragte mich: 'Wie ist dieser christliche Junge, der zu Hause unterrichtet wurde, hier gelandet?'»

Der Richter fragte ihn: «Warum stehst du heute vor mir? Ich sehe, dass du ein guter Junge bist, der nur auf die schiefe Bahn geraten ist. Ich stelle dich heute vor zwei Möglichkeiten: Entweder du gehst für sechs Monate bis zwei Jahre ins Gefängnis, oder du entscheidest dich für den Militärdienst, um dein Leben wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Diebstahl ist eigentlich ein Verbrechen. Aber ich will dir noch eine Chance geben.» Justin Gambino entschied sich für die Armee.

Lobpreis in der Wüste im Irak

2007 wurde sein Bataillon in den Irak verlegt. «Ich war plötzlich in der Wüste und kämpfte für die Freiheit, die ich zuvor so leichtfertig aufs Spiel gesetzt hatte.»

Eines Tages ging er zur Kapelle. «Es waren nur ein Dutzend Leute da. Und der Kaplan fragte gleich zu Beginn: 'Gibt es jemanden, der Gitarre spielen und den Lobpreis leiten kann?' Ich verschränkte die Arme und dachte: 'Ich bin nicht hier, um Musik zu machen.' Und doch – ohne dass ich mich bewusst dafür entschieden hätte – hob ich die Hand. Ich weiss bis heute nicht, wie es dazu kam. Es muss der Heilige Geist gewesen sein.»

Der verlorene Sohn

Er rief umgehend seinen Vater an und sagte: «Papa, kannst du mir meine Gitarre schicken? Hier gibt es die Möglichkeit, den Lobpreis zu leiten.» Er fragte sich, was sein Vater wohl empfand, als sein verlorener Sohn ihn anrief und sagte: «Papa, ich will wieder Musik machen – für Gott.»

Als er nach Hause kam, dachte er, er könnte neu anfangen – und dass die Probleme im Irak geblieben wären. Aber sie waren nur verdrängt worden. «Ich fiel zurück in alte Gewohnheiten: Alkohol, Zigaretten, jetzt gepaart mit Suizidgedanken und Erinnerungen, die ich nicht mehr loswurde.»

Er war wütend, reizbar – Kleinigkeiten brachten ihn auf die Palme. «Und ich war Veteran, hatte Zugang zu Waffen, Alkohol und all meinen Süchten. Und irgendwann konnte ich nicht mehr.»

«Bring deine Gitarre mit»

In dieser dunklen Zeit lud ihn ein Freund zu einem Bibelkreis ein. «Bring deine Gitarre mit. Mal sehen, was Gott damit macht.» Nach einigen Besuchen fiel er in seiner Wohnung auf die Knie und betete: «Herr, ich schaffe das nicht allein. Ich habe dich nie gebeten, mir das abzunehmen. Aber jetzt bitte ich dich: Nimm es. Nimm diesen Schmerz, diese Schuld, diese Last.»

Es war, als würden ihm zwei Sandsäcke von den Schultern fallen. «Ich rannte in die Küche, öffnete alle Schränke, nahm jede Flasche – und schüttete sie ohne zu zögern in den Ausguss. Seitdem habe ich keinen Tropfen mehr angerührt.»

Alte Erinnerungen neu schreiben

Er beendete seinen Dienst bei der Navy ehrenvoll, arbeitete Vollzeit und verfolgte parallel die Musik. Seit rund zehn Jahren ist er nun hauptberuflicher Musiker.

In Salt Lake City, nach einem Lobpreisabend, sass er im Van. «Und ich hörte Gott sagen: ‘Justin, ich möchte, dass du nach Hause gehst. Mach einen Lobpreis- und Erweckungsabend in deiner Heimatstadt.’ Ich dachte: ‘Klingt gut.’ Und dann sagte er leise: ‘Mach es vor dem Gerichtsgebäude.’ Ich sagte: ‘Auf keinen Fall. Niemals. Nicht an dem Ort, an den ich so düstere Erinnerungen habe.’ Doch der Herr hat gewonnen.»

«Du bist mehr als willkommen»

Er rief seinen Pastor an und erzählte ihm davon. Dieser sagte sofort: «Wenn du willst, predige ich dort.» Der Bürgermeister sagte Ja. Der Stadtverwalter sagte Ja. Sogar der Bezirksrichter sagte Ja. «Ich fragte ihn: ‘Erinnern Sie sich an mich?’ Er sagte: ‘Oh ja. Und du bist mehr als willkommen, diesen Abend am Gerichtsgebäude zu machen.’»

Das war der Tag, an dem Justin – ein Kind des lebendigen Gottes – zum ersten Mal seit langem nach Hause kam. Der verlorene Sohn war zurück.

«Letzten Dezember haben wir unser fünftes jährliches Revival an genau diesem Ort gefeiert. Gott hat uns jedes Jahr aufs Neue versorgt. Menschen haben Christus gefunden – genau dort, wo ich einst fiel. Und heute stehe ich da und sage: ‘Jesus. Jesus ist der Weg. Und ich bete, dass du den Weg nach Hause schneller findest als ich.’»

Er will, dass alle sehen, was Gott in seinem Leben getan hat. «Dass er mich, den verlorenen Sohn, zurückgerufen hat. Das ist heute der Treibstoff für meine Musik, für meine Touren, für all das, was ich tue. Ich will der Welt erzählen, was Gott für mich getan hat.»

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