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Matt Stadler

Dienst am Nächsten – Die High Society war für ihn kein lebenswertes Ziel

Vor acht Jahren stand er vor einer grossen beruflichen Karriere und fuhr im Porsche durch Dubai – heute kümmert sich Matt Stadler um Menschen am Rand der Gesellschaft. Dabei spricht er von einem grossen Aufstieg.

Vor acht Jahren stand er vor einer grossen beruflichen Karriere und fuhr im Porsche durch Dubai – heute kümmert sich Matt Stadler um Menschen am Rand der Gesellschaft. Dabei spricht er von einem grossen Aufstieg.

Als langweilig bürgerlich darf das Leben von Matt Stadler (41) sicher nicht bezeichnet werden. Er ist zwar nicht Astronaut, Geheimagent und erforscht auch nicht unberührtes Gebiet, sein Leben darf aber trotzdem als Abenteuer bezeichnet werden.

Ein Kind von Auswanderern

1992, Matt war gerade zwölf Jahre alt, reiste seine Familie von der Schweiz nach Neuseeland aus. «Eigentlich hatte mein Vater ein Jobangebot erhalten, eine Woche vor unserer Ausreise ging die Firma jedoch Konkurs.» Trotz des Rückschlags entschieden sie, nach Neuseeland zu reisen. «Die ersten Monate lebten wir in einem Wohnwagen.» Irgendwann fand der Vater einen Job und Matt wuchs die nächsten Jahre auf einer Farm auf. Die vielen Tiere sind Teil vieler schönen Erinnerungen.

«Am ersten Sonntag nach unserer Ankunft in Neuseeland besuchten wir eine Kirche in der Nähe des Campingplatzes», erzählt Matt. «Es war unser allererster Besuch, doch jemand lud uns bereits zu sich nach Hause ein. Uns Kindern wurde Englischunterricht angeboten und als Familie erhielten wir, um Kosten zu sparen, einen Standplatz für unseren Wohnwagen angeboten.» Diese Gesten der Nächstenliebe hinterliessen Spuren.

Abenteuer im Blut

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Matt Stadler

«Ich ging nicht gerne zur Schule», blickt Matt zurück. «Das war mitunter wegen meiner Sprachprobleme.» Irgendwie schaffte er es, die 9. Klasse mit 18 abzuschliessen. Daraufhin ging er für die Wintersaison nach Colorado (USA), wo er in der Organisation einer Skischule und der Rezeption eines Hotels arbeitete. «Auf die Wintersaison in Neuseeland kam ich dann wieder zurück.» Um jährlich circa 200 Tage auf dem Snowboard stehen zu können, wechselte er mehrere Jahre ständig zwischen den Kontinenten hin und her.

Irgendwann erinnerte er sich an die mahnende Stimme seiner Mutter: «'Wenn du einmal eine Familie haben willst, musst du einen richtigen Beruf lernen.' So ging ich mit 23 in die Schweiz, um eine Lehre im Hotel Hilton in Basel zu absolvieren.» Nach seinem Abschluss übernahm er in verschiedenen 5-Sterne-Hotels die Leitung der Hauswirtschaft.

Das Leben unter den ganz Reichen

«2009 öffnete sich eine berufliche Türe in einem neueröffneten Hotel in Dubai mit mehr als 900 Suiten.» Für den Aufbau des Betriebes stellte er 80 Leute für die Hauswirtschaft ein. Zunehmend setzte ihm das luxuriöse Leben der Gäste und parallel dazu die traurigen Geschichten der Mitarbeiter, welche zu einem Hungerlohn arbeiteten, zu. «Ich hatte einen guten Lohn, bewegte mich im Anzug und wurde vom Privatchauffeur abgeholt.» Er fühlte sich zwischen zwei Welten eingeklemmt. Der Spagat zwischen arm und reich war schwierig.

Diese Spannungen führten dazu, dass er trotz vielversprechender beruflicher Zukunft in die Schweiz zurückkehrte. «Hier wollte ich erneut mit Menschen arbeiten und fand einen Job in einer Reinigungsfirma, die von Hotels engagiert wurde.» Hier erlebte er einen immensen Preisdruck, den er notgedrungen an seine Mitarbeiter weitergeben musste. «Das konnte und wollte ich so nicht mehr verantworten.» Er kündigte, um sich neu zu orientieren.

Von der Gassenküche zum Wohnprojekt

Matt traf auf einen RAV-Mitarbeiter, der ihn gut beriet. «Er versuchte, mich im sozialen Bereich unterzubringen, was ihm trotz meiner fehlenden Ausbildung auch gelang.» In der Sonnenstube der Arbeit von Pfarrer Sieber machte er ein zweiwöchiges Schnupperarbeiten – und blieb. «Hier schmiss ich die Gassenküche.» Letztlich war er knapp vier Jahre dabei und betreute dabei Jugendliche in Notsituationen. «Im Blick auf deren Lebenssituationen schickte ich viele Stossgebete gen Himmel und bat Gott um Hilfe.»

In diesen Jahren lernte Matt auch seine Frau kennen, die in der Streetchurch in Zürich arbeitete. «Um noch enger mit Jugendlichen unterwegs sein zu können, wollten wir ein grösseres Haus haben.» Mit dem Gedanken, Pflegeeltern zu werden, mieteten sie eine 6-Zimmerwohnung in einem Haus in Gretzenbach, welches unter dem Namen «Die Alte Post» bekannt ist. «Das Haus wurde zu einem Projekt für gemeinschaftliches Leben, ein Mehrgenerationenhaus mit vier Wohnungen.»

Ein ganz anderes Leben

Inzwischen ist Matt Vater geworden und zu grossem Teil als Hausmann und Pflegevater engagiert. In einem ehrenamtlichen Engagement leitet er das Projekt DaN (Dienst am Nächsten) mit einer wöchentlichen Lebensmittelausgabe und einem Deutschkurs für Frauen. Er hat mit jungen und alten Menschen zu tun, mit Schweizern und Ausländern. In der Vineyard Olten ist er Teil des Leitungsteams und unterstützt eine ganzheitliche Gemeindegründungsbewegung in Sierra Leone. «Die Unterstützung durch meine Familie ermöglicht mir, dies alles zu tun», sagt er dankbar.

«Wenn ich mir die Zeit nehme und sehe, wie sich das alles entwickelt hat, muss ich sagen: Es ist ein Wunder.» Vor acht Jahren fuhr er mit dem Porsche durch die Strasse Dubais und wurde als Zukunft einer Prestigefirma vorgestellt. Heute steht er als Pflegevater in der Küche. Dabei ist er überaus dankbar für sein Leben und dass er sich in Menschen investieren kann, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. «Wenn ich über meinen Werdegang nachdenke, muss ich über Gottes Humor schmunzeln. Weltlich gesehen habe ich einen grossen Abstieg gemacht, aber für mich ist es ein Aufstieg.»

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