11 Jahre in Gefangenschaft – Dem Peiniger vergeben: «Es ist, als ob Dreck zu Gold wird»

Es ist fast undenkbar, welches Grauen Michelle Knight während ihrer elfjährigen Entführung und Gefangenschaft in Cleveland erlebt hat. Dennoch entschied sie sich, dem Täter zu vergeben – und ist heute ein neuer Mensch geworden.

Es ist fast undenkbar, welches Grauen Michelle Knight während ihrer elfjährigen Entführung und Gefangenschaft in Cleveland erlebt hat. Dennoch entschied sie sich, dem Täter zu vergeben – und ist heute ein neuer Mensch geworden.Heute heisst sie Lily Rose Lee. Die 37-Jährige änderte ihren Namen, damit sie so wenig wie möglich an den Albtraum erinnert, den sie elf Jahre lang durchlebte. Früher hiess sie Michelle Knight. Im Jahr 2002 wurde die damals 21-Jährige von Ariel Castro gekidnappt und – mit zwei anderen Frauen, die ebenfalls kurz nach ihr von Castro entführt wurden – in einem Haus in Cleveland gefangen gehalten.

Elf Jahre lang lebten die drei in Ketten. Vergewaltigungen und Schläge waren an der Tagesordnung. Fünfmal war Michelle insgesamt schwanger, jedes Mal sorgte der Entführer durch Schläge dafür, dass sie das Kind verlor. Er zwang sie zudem, Dinge zu essen, gegen die sie allergisch war. Ein Albtraum, der erst endete, als einer der Frauen 2013 die Flucht gelang.

Heilung und Glück gefunden…

Fünf Jahre sind seither vergangen. Vor wenigen Tagen erschien Lily Rose Lees bereits zweites Buch mit dem Titel «Life after Darkness: Finding Healing and Happiness After the Cleveland Kidnappings» (frei übersetzt: Leben nach der Dunkelheit: Wie ich nach den Cleveland-Entführungen Heilung und Glücklichkeit fand).

…durch Vergebung

Wie ist es möglich, nach einem Jahrzehnt des Grauens überhaupt weiterzuleben? Für Lee ist hierbei ihr Glaube und ihr Ehemann entscheidend. Die überzeugte Christin ist seit 2015 glücklich verheiratet. Doch der wohl wichtigste Punkt sei die Vergebung, und hier ist Lee ein unglaubliches Vorbild. Sie habe Ariel Castro «in jedem Sinne» vergeben, erklärte sie in einem Interview mit dem Sender «E!». «Auch wenn andere Leute vielleicht denken, dass ich das nicht tun sollte. Aber ich denke, dass ich es tun sollte! Es ist, als ob Dreck zu Gold wird…»

Sie verspüre keinen Hass mehr gegenüber ihrem Entführer. Es habe zwar lange gedauert, bis sie an diesen Punkt gekommen sei, doch sie wolle anderen zeigen, dass es möglich ist, nach so etwas Schrecklichem weiterzugehen.

Gebet für ein eigenes Kind

Vergebung ist sicherlich der wichtigste Schritt auf dem Weg zu einem neuen glücklichen Leben. Dennoch kämpft Lee weiterhin mit ihren körperlichen und seelischen Narben. Essen sei schwierig für sie, sie habe ständig Kopfschmerzen – und die Ärzte haben ihr gesagt, dass sie keine Kinder bekommen könne. Doch auch dies kann sie nicht lähmen, denn Lily Rose Lee weiss, an welchen Gott sie glaubt. Sie hoffe und bete dafür, dass Gott ihnen ein Baby schenkt. Ihr eigener Sohn, der zum Zeitpunkt der Entführung zwei Jahre alt war, wurde von einer Familie adoptiert und Lee hat sich entschieden, ihn (noch) nicht zu kontaktieren, um sein geordnetes Leben nicht durcheinander zu bringen.

Der grausame Täter Ariel Castro war nach der Befreiung der drei Mädchen zu lebenslanger Haft plus 1'000 Jahre Gefängnis verurteilt worden, hat sich aber nach einem Monat Haft in seiner Zelle das Leben genommen. Das Grundstück, auf dem das Haus stand, in dem die Mädchen elf Jahre gefangen waren, wurde mittlerweile zu einem Park umgewandelt.

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