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Fabio Kunz

Vor dem Tod bewahrt – Deal mit «Dem da oben»

Nächtliche «Alkoholküsse» seines Vaters prägen die Kinderjahre von Fabio Kunz. In der Schule wird er gemobbt. Ein Entschluss, den er mit sechs Jahren fasste, bewahrt Fabio als Teenager vor dem Tod – und krempelt das Leben der ganzen Familie um.

Nächtliche «Alkoholküsse» seines Vaters prägen die Kinderjahre von Fabio Kunz (39). In der Schule wird der Baselbieter gemobbt. Ein Entschluss, den er mit sechs Jahren fasste, bewahrt Fabio als Teenager vor dem Tod – und krempelt das Leben der ganzen Familie um.Fabio hat zwei Brüder und wächst im Dörfchen Liedertswil BL auf. Die Mutter muss stets aufpassen, dass ihr Mann die spärlichen Mittel nicht versäuft. Fabio erinnert sich: «Unser Vater kam jeweils sturzbetrunken nachhause. Mitten in der Nacht zitierte er uns vor die Zimmertüre und drückte uns einen stinkenden Kuss auf die Backe. Dann schickte er uns wieder ins Bett, um mit meiner Mutter bis in die frühen Morgenstunden zu streiten.»

Bereits als kleines Kind versteht Fabio, dass seine Mutter, eine gläubige Katholikin, aus dem Gebet Kraft schöpft. Als sein Vater wieder einmal sternhagelvoll ins Haus poltert, schickt Fabio mit sechs Jahren folgende Worte in den Himmel: «Du da oben, wenn es dich gibt, dann verändere meinen Vater. Wenn du meinen Vater nicht verändern kannst, dann kann es dich auch nicht geben.» Dieses Gebet spricht er jedes Mal, wenn die nächtliche Tyrannei des Vaters wieder losgeht.

Jahrelange Ausgrenzung

Auch die Schulzeit ist für Fabio eine Tortur; der Junge wird verspottet und gemobbt. «Ich fühlte mich in meiner Klasse unendlich einsam. Bis auf einen waren alle gegen mich». Um nicht weiter verletzt zu werden, beschliesst Fabio, niemanden mehr an sich heranzulassen und «den ganzen Sauhaufen zu ignorieren». Er baut eine Mauer auf und flüchtet sich in seine eigene innere Welt, wo er stark und erfolgreich ist. Ein paar Freunde ausserhalb der Schule und der Sport (Schwingen und Leichtathletik) bewahren ihn vor der vollständigen Isolation. An der Situation zuhause ändert sich jedoch nichts.

Tiefe Reue

Als seine Mutter eines Tages mit gepackten Koffern dasteht, verliert der damals zwölfjährige Fabio seinen einzigen Halt und alle Hoffnung. Er erinnert sich: «Ich wusste genau, wann, wie und wo ich meinem Leben ein Ende setzen würde.» Doch dazu kommt es Gott sei Dank nicht! Drei Tage und Nächte lang hockt der Vater am Küchentisch, weinend über die aufgeschlagene Bibel gebeugt. In der dritten Nacht geschieht das Wunder: «Mein Vater legte den ganzen Mist seines Lebens bei Gott ab. Er nahm die Vergebung von Jesus für sich persönlich in Anspruch und lud ihn in sein Leben ein», erzählt Fabio.

Krasse Befreiung

Von einem Moment auf den anderen wird der kranke Mann von seiner Sucht befreit und begegnet Fabio am nächsten Tag wie ausgewechselt. Die Mutter kehrt zurück und die ganze Familie schliesst sich einer Kirche an. Gott hat den Herzenswunsch des damals sechsjährigen Jungen erhört und seinen Vater geheilt. Nur einen Tag später – und es hätte keinen Fabio mehr gegeben…

Indem er die zweite Sekundarstufe freiwillig wiederholt, nimmt das Mobbing in der Schule ein Ende. Fabio absolviert die Diplommittelschule und schliesst 2005 seine theologische Ausbildung am IGW (Institut für Gemeindebau und Weltmission) in Basel ab. Unterdessen hat er Daniela, seine heutige Frau, kennengelernt. Der dreifache Papi und freischaffende Pastor arbeitet heute als Jugendarbeiter im Jugendcafé in Gelterkinden.

Unerschütterliches Urvertrauen

Fabios Kindheit verlief alles andere als rosig. Dennoch sagt er heute mit Überzeugung: «Das Wunder, das Gott an meinem Vater, an mir und der ganzen Familie gewirkt hat, führte zu einem unerschütterlichen Urvertrauen in mir. Ich bin überzeugt, dass Gott es gut mit mir meint. Er weiss, welcher Weg am besten für mich ist und begleitet mich – auch wenn es mal stürmt.»

Noch immer hat das Gebet einen hohen Stellenwert in Fabios Leben. Sein Vater, mit dem er bis zu dessen Tod im April 2018 eine versöhnte, starke Beziehung pflegte, war Fabios treuester Gebetspartner. 26 Länder in Westeuropa hat Gott Fabio aufs Herz gelegt. Jede Woche betet er für ein Land. «Was Gott damit bezweckt, ist mir (noch) nicht klar. Aber ich weiss, dass er im Verborgenen wirkt. Mein Leben ist der beste Beweis dafür.»

Dieser Artikel stammt aus dem Jesus.ch-Print Nr. 48 zum Thema «Einsamkeit». Hier können Sie die neue Ausgabe bestellen oder herunterladen und verteilen.

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