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Pastor Simon Guillebaud

Pastor hilft zwei Prostituierten – «Das mechanische Lächeln brach mein Herz»

Pastor Simon Guillebaud bestellte sich zwei Prostituierte aufs Hotel in Burundi. Eine gefährliche Sache; würde er ertappt, wäre der Ruf, den er 16 Jahre lang aufgebaut hatte, verspielt. Doch was daraus entstand, rechtfertigte das Risiko.

«Weil ich Pastor bin, wollte ich nicht, dass die Menschen mitkriegen, was ich tue», schreibt Simon auf seinem Blog. Deshalb suchte eine Bekannte namens Cossette nach zwei jungen Frauen und brachte sie mit aufs Hotelzimmer. «Beide waren wir etwas nervös.» Sollte er erwischt werden, könnte seine Vertrauenswürdigkeit als Pastor verspielt sein – und die hatte er sich während 16 Jahren erarbeitet.

Simon brachte daheim seine Kinder ins Bett, las ihnen eine Gutenacht-Geschichte vor und ging dann ins Hotel, wo Cossette die beiden Prostituierten in der Zwischenzeit eingecheckt hatte. «Ich traf die beiden im Restaurant. Sie waren modisch gekleidet und trugen viel Make-up. Beide waren nervös, gaben sich jedoch Mühe, relaxed zu wirken. Divine war 21, Arlette 22.»

Tochter könnte betroffen sein

«Das mechanische Lächeln der beiden brach mein Herz. Ich setzte mich zu ihnen und stellte mich vor.» Simon erklärte ihnen, dass er ihnen eine freie Nacht bescheren wolle. Sie könnten sich zu Essen bestellen, was sie wollen, eine warme Dusche nehmen und dann schlafen gehen. Die einzige Bedingung war, dass sie sich nicht anderen Hotelgästen anbieten. Er würde am Morgen wieder kommen, sie bezahlen und nach dem Frühstück könnten sie wieder gehen.

In der Nacht lag Simon noch lange wach und dachte an die mehreren tausend jungen Frauen, die innerhalb weniger Quadratmeilen in diesem Moment Sex mit zufälligen Kunden haben mussten. «Ich hasse das Sexgeschäft, denn ich habe eine Mutter, eine Schwester, eine Frau und eine Tochter und jede von ihnen hätte unter schlechten Umständen das gleiche Schicksal wie Arlette, Divine und unzählige andere teilen müssen.»

Verkauft, um zu leben

Am nächsten Morgen trafen sich die drei zum Frühstück. Die beiden schienen misstrauisch zu sein. «Ich sagte ihnen, dass sie keine meiner Fragen beantworten müssen. Dann sagte ich, dass sie als junge Mädchen sicher nicht davon geträumt hätten, Prostituierte zu werden. Doch manchmal geschehen schwere Dinge im Leben, die einem dazu zwingen, unangenehme Entscheidungen zu fällen. Aber es könne auch Änderungen geben.»

Beide waren Waisenkinder. Keine von beiden hatte ältere Familienmitglieder, die sich um sie kümmern konnten. Divines Mutter starb kurz nach der Geburt und 2012 starb ihr Vater. Sie kam in die Prostitution, um die Rechnungen zu bezahlen. Arlette musste sechs Geschwister unterstützen und so war sie seit drei Jahren im Sexhandel. Sie verkauften ihre Körper, um zu überleben und studieren zu können.

Tränen und neue Träume

Tränen flossen. Simon fragte, was ihre Träume wären. Sie wollten ein kleines Geschäft führen oder Handel betreiben. «Ich erzählte ihnen, dass ich gebetet hatte, dass Gott Cossette zu den beiden richtigen Frauen führt. Vielleicht war es Zufall, vielleicht war es Gottes Handeln, dass genau sie beide da waren.» Simon sagte, dass sie in zehn Jahren einen guten Laden führen, glücklich verheiratet sein und ein paar Kinder haben könnten. «Divines Augen leuchteten auf.»

Cossette war eine junge Grossmutter, die selbst Vieles durchgemacht hatte. Nun übernahm sie das Gespräch. «Wir beteten zu viert und luden Jesus zu einem Neustart ein.»

Hoffnung

Wenige Minuten später kam Simons Frau Lizzie dazu. Zu acht sassen sie im Auto, hinten Lizzie, Arlette und Divine, jede der drei Frauen hatte eines der Guillebaud-Kinder auf dem Schoss. «An eine solche Szene hatten Arlette und Divine am Vorabend kaum gedacht. Wir setzten sie ab und sagten ihnen, dass sie einen Plan machen und zurückkommen könnten.»

Bald meldeten sich die beiden wieder. Sie waren in Schwung gekommen. Wir kamen überein, dass sie das akademische Jahr abschliessen sollen, bevor sie ein kleines Geschäft aufbauen würden. Wir erarbeiteten ein Budget. Divine freute sich: «Jetzt habe ich Hoffnung!» Die beiden wertvollen jungen Leben blickten in eine bessere Zukunft.

Eine Pioniernacht

Vor kurzem kamen die beiden erstmals in die christliche Gemeinde. Eine Gemeinschaft, an der sie Freude fanden. «Ein neues Kapitel beginnt für die beiden.»

Und Simon überlegt sich, noch weiteren zu helfen. Diese Nacht soll eine Pioniernacht gewesen sein, um noch anderen einen Neustart zu ermöglichen und zu zeigen, dass sie nicht vergessen, ungeliebt und abgelehnt sind.

Simon ist Autor, Redner und Gründer von «Great Lakes Outreach» in Burundi, und träumt davon zu sehen, wie die Leute erkennen, dass ihr Leben zählt und Veränderung im Land zu erleben. Simon und seine Frau Lizzie haben drei Kinder.

Dieser Beitrag erschien im April 2015 auf Jesus.ch.

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Simon Guillebaud

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