Der Tortur getrotzt – Buch über nordkoreanischen Christen

Kein anderes Land ist von der Aussenwelt so abgeschnitten wie Nordkorea. Timothy Kang wächst dort in bitterer Armut auf. Er flieht nach China, landet später in einem nordkoreanischen Straflager und überlebt die Tortur.

Kein anderes Land ist von der Aussenwelt so abgeschnitten wie Nordkorea. Und in keinem Land werden so viele Christen wegen ihres Glaubens verfolgt (s. Weltverfolgungsindex 2016). Dies zeigt auch die Lebensgeschichte von Timothy Kang. Er wächst in bitterer Armut auf, flieht nach China, landet später in einem nordkoreanischen Straflager und überlebt die Tortur. Eine Buchkritik von Johannes Weil.

Von Gott hat Timothy Kang bis zu seinem 13. Geburtstag nichts gehört. Nur die Mitglieder der Herrscherfamilie seines Heimatlandes Nordkorea werden wie Götter verehrt. Sein Vater stirbt, als Kang drei Jahre ist. Er verliert nicht nur den Vater, sondern auch einen Versorger und Beschützer. Armut und Hunger prägen seine Kindheit. Kritik am Staat verwehrt jede Chance auf Erfolg und bedeutet Gefängnis. Das politische Gefängnis verlässt fast niemand lebendig. «Deswegen hatten wir keine andere Wahl, als Zufriedenheit vorzuheucheln. Dabei konnte niemand wirklich zufrieden sein», beschreibt Kang die Lage als «ständiges Theaterspiel». Seine Erzählungen erinnern an mittelalterliche Zustände, aber nicht an einen Staat im 21. Jahrhundert. Die Bewohner werden in drei Gruppen eingeteilt: die Loyalen, die Schwankenden und die Feindlichen. Um nicht herabgestuft zu werden, beugen sich viele dem System, dass ihre existenziellen Bedürfnisse nicht stillen kann.

Flucht nach China

Wer überleben will, muss sich von Gras und Baumrinde ernähren. Die Verordnungen der Regierung schreiben vor, Abgaben zur Schule mitzubringen. Oft blieb dann keine andere Wahl, als zu stehlen. Das System ist einfach: der Starke unterdrückte den Schwachen. Für den Schwachen war es die Hölle auf Erden. Kangs grosser Halt in allem ist seine Mutter, «die bis zum Äussersten alles für mich ertragen würde.» Mit ihr reift auch der Plan, aufgrund des schweren Lebens und der Regierung nach China zu fliehen.

Als Kang 11 Jahre alt ist, wagen er und seine Mutter die heikle Aktion. Ihnen gelingt die Flucht über den gefrorenen Grenzfluss. Was er in China an materiellen Dingen vorfindet, ist für ihn ein Kulturschock. Obwohl das Land kein Vorreiter in der Wahrung der Menschenrechte ist, kam er sich vor, als sei er im Paradies gelandet. Bei der Tante des Vaters kommt er erstmals mit dem Glauben in Berührung.

Den Toten eine Stimme geben

Die Mutter kann dort Geld verdienen. Damit macht sich Kang auf den Weg nach Nordkorea, um mit dem verdienten Geld die Familie zu unterstützen. Doch er kommt als Flüchtling in eines der schlimmsten Gefangenenlager. Während so mancher Folter beginnt er, sich an Gott zu erinnern «und seine Souveränität» anzuerkennen. Er begreift, dass Jesu Leben heute noch etwas mit ihm zu tun hat. Ein Freund dort ringt ihm ein Versprechen ab: «Wenn er das Lager jemals lebend verlässt, muss er die grausamen Verbrechen öffentlich machen und den Toten eine Stimme geben.» Sinnlose Arbeiten in den «Besserungsanstalten», von denen Kang einige durchläuft, lassen das Leben sinnlos erscheinen

Für manch schreckliche Nachricht aus dem familiären Umfeld kann er Gott nicht verzeihen: «Alle Farbe war aus meinem Leben gewichen. Alles war grau. Aber ich lebte noch.» Sein eigener Tod scheint ihm als bessere Alternative. Doch er überlebt und kann mit 19 Jahren das Gefängnis verlassen. Er unternimmt – vorbestraft – einen weiteren Fluchtversuch. Die Furcht prägt sein Leben, macht ihn aber auch zu einem grossen Kämpfer für das Evangelium. Kang macht einen Neuanfang in Südkorea und setzt sich mit der Kraft Gottes dafür ein, dass Menschen von Jesus erfahren. Er studiert und gründet dort ein Gebetstreffen. Er hat einen Traum: Vollzeitiger Missionar zu werden.

Es ist ein packender und hinreissender Bericht, den Timothy Kang in seinem Buch beschreibt. Manche Zustände in Nordkorea lassen dem Leser das Blut in den Adern gefrieren. Hinter Kangs Buch steht aber auch eine klare Motivation. Er will nicht schreiben, um sich mit den harten Umständen zu rühmen, sondern weil er darüber nicht schweigen kann. Alleine schon aus diesem Grund ist es ein wertvoller Beitrag über das Land, in dem laut Weltverfolgungsindex die meisten Christen verfolgt werden.

Zum Buch:
Timothy Kang, Gegen den Strom: Meine Flucht aus der Hölle Nordkoreas (Deutschland / Schweiz)

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