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Eva und Fred Ryter gingen zusammen durch Höhen und Tiefen.

Liebe über Jahrzehnte – «Bringt das in Ordnung!»

Heute wird oft von frischverliebten Traumpaaren gesprochen. Dabei wäre es doch spannender, die Geschichte eines Paares über Jahrzehnte hinweg zu verfolgen. Eva und Fred Ryter haben eine eindrückliche Liebesgeschichte.

Die erste Begegnung war bei einer Boje auf dem Zürichsee. Am Vortag hatte Eva ihre Abschlussprüfung zur Pflegefachfrau abgelegt und Fred gönnte sich, inmitten intensiver Vorbereitung auf die eidgenössische Matura, eine Pause am See. Der Begegnung folgte ein fröhlicher Nachmittag und ein gemeinsames Picknick. «Mir gefiel der eher schweigsame Naturbursche mit den schönen blauen Augen», erinnert sich Eva. Dank Freds kontaktfreudigem Freund blieb es dann nicht bei dieser Begegnung. «Auf einem Tanzschiff funkte es zwischen Fred und mir und wir verliebten uns ineinander.»

Unterschiedliche Herkunft

Die familiären Hintergründe von Eva und Fred waren sehr unterschiedlich. Eva wuchs in einer Pfarrfamilie auf, wo grosser Wert auf den äusseren Schein gelegt wurde. «Gott kannte ich nur vom Hörensagen.» Gott erschien ihr in der Kindheit als streng und strafend. Fred wuchs in einer armen Handwerkerfamilie mit zehn Kindern auf. Da wurde viel gestritten und Fred entwickelte Strategien, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Oft liess er sich durch sein «Bauchgefühl» leiten.

Hochzeit und erste Ehejahre

Die beiden heirateten 1972 und gingen schönen Jahre entgegen. Eva arbeitete als Krankenschwester, Fred, gelernter Feinmechaniker, absolvierte als Zweitausbildung ein Studium zum Sekundarlehrer. «Wir verbrachten viel Zeit in den Bergen, aber auch am Wasser.»

Die unterschiedlichen familiären Prägungen und die verschiedenen Charaktere machten sich immer mehr bemerkbar. Eva hatte oft Mühe, Fred bedingungslos anzunehmen und seine Herkunft zu akzeptieren. «Trotz dem Schwierigen haben wir viel Schönes zusammen erlebt», erinnert sich Fred. Er investierte sich stark in seine Kinder, was er heute als ein Kompensieren seines Liebesdefizits erkennt. «Ich war mir nicht bewusst, dass die Liebe zu meiner Ehefrau über der Liebe zu unseren Kindern stehen sollte.»

Dunkle Wolken ziehen auf

Fred widmete sich den Kindern und zog sich innerlich von Eva zurück. Diese litt zunehmend unter Verlustängsten und suchte Hilfe bei einer Psychologin. Einige Zeit später entdeckte sie, dass Fred eine Beziehung mit einer anderen Frau eingegangen war. «Für mich brach eine Welt zusammen, meine Ängste waren Wirklichkeit geworden.»

Jetzt suchten beide Hilfe bei Psychologen, in Selbsterfahrungsgruppen, im Ausdruckstanz oder der Astrologie. Selbstverwirklichung stand im Fokus. «So lebten wir noch circa drei Jahre als Familie weiter, aber eine Ehe führten wir nicht mehr wirklich.» So entschieden sie sich für die Scheidung.

Wenn die Familie auseinanderbricht

Fred litt unter seinem Treuebruch und wünschte, die Zeit zurückdrehen zu können. Einen Weg, um Vergebung zu empfangen, kannte er nicht und er versuchte, sein Gewissen zu beruhigen, indem er die drei Söhne verwöhnte. Diese waren damals elf, neun und sechs Jahre alt. Fred nahm sich vor, Eva zu unterstützen. Gleichzeitig wollte er ein guter Lehrer sein und war gewillt, seine Traumfrau zu finden, die besser zu ihm passte als Eva.

Um als Familie über die Runden zu kommen, suchte sich Eva eine Arbeitsstelle. Die Kinder waren oft bei Fred, wodurch sie neue Freiheiten geniessen konnte. «Um den Kindern den Schein von Familie zu bewahren, verbrachten wir Weihnachten, Geburtstage und Schulveranstaltungen alle zusammen.» Dadurch wurde ihnen aber auch das Scheitern immer wieder neu vor Augen gehalten.

Plötzlich war da die Sache mit Gott

Während des Gymnasiums machte ihr ältester Sohn einen zweijährigen Schüleraustausch in Jamaika, wo er zum Glauben an Jesus fand und sich taufen liess. Nach seiner Rückkehr stellten Eva und Fred fest, wie er sich zum Guten verändert hatte. Trotz anfänglichen Misstrauens löste dies bei beiden etwas aus und irgendwann besuchten sie als ganze Familie einen Gottesdienst. Bald gingen sie sogar regelmässig hin – alle zusammen. «Anfangs störte es mich, dass Fred dabei war», sagt Eva. Schliesslich waren sie ja Geschiedene.

Eva und Fred öffneten sich für Gott und begannen beide einen intensiven seelsorgerlichen Prozess der Aufarbeitung und inneren Heilung. Als sie mal wieder als ganze Familie zu einem Gottesdienst gingen, rief ein afrikanischer Prediger die Anwesenden auf, sich als Familie segnen zu lassen. Sie gingen hin, der Prediger begann, für sie zu beten, bevor er sich plötzlich unterbrach: «Ihr seid geschieden! Gott möchte eure Familie ganz heilen! Geht nach Hause und bringt das in Ordnung!»

Versöhnung und Wiederheirat

«Die Worte des afrikanischen Predigers, der uns ja gar nicht kannte, verfehlten ihre Wirkung nicht.» Tatsächlich fühlten Eva und Fred, dass sie den Weg zehn Jahre nach der Scheidung noch einmal gemeinsam wagen sollten – im Vertrauen auf Gott. «Im Mai 1999 feierten wir im Beisein unserer Söhne und vieler Gäste ein wunderbares zweites Hochzeitsfest.»

Leider lief die Ehe auch im zweiten Anlauf nicht reibungslos. Die alten Verhaltensmuster drückten schnell wieder durch. Doch jetzt waren beide in der Lage, bei Gott Hilfe zu suchen. Sie entdeckten die Kraft des gemeinsamen Gebets. Oft, wenn sich wieder eine Krise anbahnen wollte, ergriff Fred Evas Hand: «Komm, wir beten und legen das Gott hin.» In alledem mussten sie lernen, alte und frische Verletzungen zu vergeben und immer wieder zu einem klaren «Ja» füreinander zu finden.

Gemeinsam leben, beten und dienen

Im Gegensatz zu früheren Jahren, als sich Schwierigkeiten in der Ehe als zerstörerisch erwiesen, waren Eva und Fred jetzt bereit zu lernen. Mit Gott an ihrer Seite und einem entschiedenen Ja zueinander machten sie Fortschritte und lernten wertvolle Lektionen. An diesen lassen sie heute gerne auch andere teilhaben. «Jede Situation ist anders und nicht jeder zerbrochene Krug kann geflickt werden. Wir sind einfach nur dankbar, dass wir heute mit Gottes Hilfe eine gesegnete Ehe haben und gerne miteinander unterwegs sind.»

Dieser Artikel erschien zuerst im Magazin wort+wärch des EGW.

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