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Dr. Lee Warren

Herzchirurg Lee Warren – Bei Trauma: «Hoffnung ist die erste Dosis»

Neurochirurg Lee Warren verbrachte mehrere Monate bei der US-Luftwaffe im Irak. Später folgte mit dem nie aufgeklärten Tod seines Sohns Mitch ein weiteres Trauma – und er entwickelte die Idee der «Eigen-Hirn-Operation».

«Ich arbeitete im Jahr 2005 viereinhalb Monate während des gefährlichsten Teils des Krieges  im Irak in einem Spital der Air Force», erinnert sich Lee Warren. «Es war ein Zeltkrankenhaus mit Herz-, Gefäss- und Neurochirurgen sowie Rettungssanitätern, Orthopäden und Allgemeinchirurgen. Ärzte in der Nähe des Schlachtfelds sind der beste Weg, um Leben zu retten.»

Das Zeitfenster zwischen Verletzung bis zur Operation dauerte etwa 60 Minuten. «Ich habe in dieser Zeit rund 200 Gehirnoperationen durchgeführt. Während meiner Zeit vor Ort verzeichneten wir mehr als 100 Mörser- und Raketenangriffe auf unseren Stützpunkt.» Es war nicht einfach, sich in einem derart traumatischen Umfeld um Soldaten, verletzte Terroristen, irakische Zivilisten und sogar Babys zu kümmern. «Einer der schwierigsten Teile bestand darin, jemanden zu operieren, während man selbst in Gefahr war.»

Hoffnungslosigkeit begegnen

Zuhause, nach dem Krieg, erlebte er Posttraumatische Belastungsstörungen mit anschliessender Heilung. Manchmal sah er bei seiner Arbeit bei den Scans einen Tumor, «und ich wusste, dass dieser Patient nicht mehr sehr lange zu leben hatte. Und so stand ich vor dem Rätsel, wie ich für jemanden beten soll und wie ich ihn ermutigen kann, an der Hoffnung festzuhalten.»

Hoffnungslosigkeit sei eine schlechte Lösung. «Also versuchte ich herauszufinden, wie ich ein guter Arzt für Menschen sein konnte, wenn ich sie nicht retten konnte, und wie ich ein guter Bruder im Herrn für Menschen sein konnte, wenn ich ihren Körper nicht retten konnte.»

Plötzlich selbst betroffen

Und plötzlich war Lee Warren selbst betroffen: «Wir haben einen Sohn verloren. Mitch war ein brillanter junger Mann. Er war 19 Jahre alt und immer lustig, jeder liebte ihn.»

Eines Tages wurden Mitch und sein bester Freund erstochen in einem Haus aufgefunden. «Er hatte acht Stichwunden am Hals, sein bester Freund eine einzige. Es gab drei Messer im Haus, an denen Blut klebte.»

Die Polizei ging von einem Mord-Selbstmord aus. «Sie riefen nicht nach Detektiven, Ermittlern oder dem FBI. Wir konnten nicht an diese Darstellung glauben. Mitch war nie gewalttätig gewesen, es war sein bester Freund und ihre Drogen- und Alkoholtests waren negativ.» So musste die Familie damit fertig werden, ohne jemals herausfinden zu können, was wirklich passiert war.

Aufwühlende Tage

Der Tag, an dem Mitch starb, war drei Tage vor der Geburt der ersten Enkelin. «Wir hatten die Flugtickets nach Texas gebucht, um bei unserer Tochter Katy und ihrem Mann Nate zu sein und auf die Ankunft von Scarlet zu warten.»

Anstatt zur Geburt der Enkelin zu fliegen, musste der eigene Sohn in Alabama beerdigt werden. «Es war das Dunkelste, was wir je durchgemacht haben, aber es gibt immer noch Licht in der Welt.» In diesem Fall die Geburt der Enkelin.

Gleichzeitig überlegte er, ob er ein schlechter Vater gewesen sei, ob er als Vater noch Glaubwürdigkeit haben würde und ob er den Tod von Mitch hätte verhindern können.

Die Eigen-Hirn-Operation

Dann dachte er: «Diese Gedanken sind nicht wirklich wahr. Ich habe vier Kinder, die meine Hilfe brauchen. Ich kann nicht aufhören zu versuchen, sie zu beraten und ihnen zu helfen, weil sie mich jetzt brauchen. Sie trauern auch.»

Im Laufe der Zeit entwickelte er die Idee der «Eigen-Hirn-Operation», «bei der Menschen lernen können, über ihr Denken nachzudenken, ihre Gedanken zu biopsieren, sie durch hilfreichere zu ersetzen und diese emotionale Reaktion zu kontrollieren, anstatt darauf zu reagieren. Für mich wurde dies der Weg nach vorne, um mich nach dem Verlust von Mitch wieder aufzubauen.»

«Tragische Ereignisse passieren in unserem Leben, und die schlechte Nachricht ist, dass sie uns allen passieren, aber die gute Nachricht ist, dass es wirklich einen Weg zurück gibt.» Der Neurochirurg Lee Warren verfasste mehrere christliche Bücher, um andere Menschen zu ermutigen. Eines davon trägt den prägenden Titel «Hope is the first dose» («Hoffnung ist die erste Dosis»).

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