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Buchcover «Geisel für Gott»

Pastor in der Türkei – Andrew Brunson: Pastor und Staatsfeind Nummer 1

Der Pastor Andrew Brunson lebte seit 1993 mit seiner Familie in der Türkei. 2016 wurde der Amerikaner als Terrorverdächtiger festgenommen. Erst zwei Jahre später kommt er auf Druck des amerikanischen Präsidenten Donald Trump frei und kann ausreisen.

Der Pastor Andrew Brunson lebte seit 1993 mit seiner Familie in der Türkei. 2016 wurde der Amerikaner als Terrorverdächtiger festgenommen. Erst zwei Jahre später kommt er auf Druck des amerikanischen Präsidenten Donald Trump frei und kann ausreisen. In einem Buch beschreibt Brunson nun die bedrückende Zeit der Haft und wie er zum Spielball der Weltpolitik wurde.23 Jahre lebte und arbeitete der amerikanische Pastor Andrew Brunson in der Türkei als Missionar. Der dreifache Familienvater gründete Gemeinden, arbeitete mit IS-Flüchtlingen und widmete sein Leben einem Land, in dem es Christen schwer haben. Für seine Mission sass er zwei Jahre in einem türkischen Gefängnis. Seine Geschichte hat er in dem Buch «Geisel für Gott» aufgeschrieben.

Brunson beschreibt die Missionstätigkeit in der Türkei als «oft entmutigend». Er bekommt Morddrohungen. Diese lassen ihn an seinem und Gottes Auftrag zweifeln. Trotzdem fühlt er sich am richtigen Ort. Seine Gemeinde in Izmir ist Anlaufstelle für viele Menschen: «Wir waren glücklich und hatten noch so vieles vor.» Dann verändert ein Anruf der Polizei das Leben der Familie grundlegend. Dabei geht es nicht, wie zunächst gedacht, um die Aufenthaltsgenehmigung. Brunson und seine Frau Norine werden ohne ersichtlichen Grund verhaftet und sollen abgeschoben werden.

Ein Spielball der politischen Interessen

Die türkische Regierung von Präsident Erdogan wirft ihnen Verbindungen zur kurdischen Terrorgruppe PKK vor. Die Eheleute fragen sich, ob die willkürliche Verhaftung wirklich Gottes Plan für sie ist. Während Brunsons Frau bald frei kommt, beginnt für ihren Mann eine zweijährige Odyssee durch türkische Gefängnisse. Der Missionar beschreibt in seinem Buch eindrücklich, wie schwach, machtlos und einsam er sich dabei fühlte.

Immer wieder zweifelt er an dem «liebenden Vater», von dem er als Missionar berichtet hatte. Brunson wird zum Spielball der politischen Interessen der Türkei und der USA. Die Gefängnisaufenthalte erlebt er als «pure Isolation», weil er kaum Besuch empfangen darf. Sein Glaube wankt. Als Amerikaner, Christ und Missionar ist er als Gefangener ein «attraktives Ziel für die türkische Regierung».

Weltweit beten Millionen Christen für ihn und sein Wohlergehen. Aber dem Häftling geht es körperlich und seelisch immer schlechter. In der Haft verliert er 22 Kilo Körpergewicht. Er fühlt sich von Gott verraten. Die Lage zermürbt ihn. In Panikattacken denkt er sogar daran, sich umzubringen. Einziger Anker sind die Besuche seiner Frau. Das Buch zeichnet einen gebrochenen Mann, der um sein Überleben kämpft.

Falsche Zeugenaussagen und haltlose Anschuldigungen

Als er dann tatsächlich endlich vor Gericht steht, traut er seinen Ohren nicht. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe basieren auf falschen Zeugenaussagen. So soll er mit dem Widersacher des türkischen Präsidenten Erdogan, Fetullah Gülen, und dessen Mitstreitern kooperiert haben. Er ist hilflos, war er doch lediglich in die Türkei gekommen, «um Jesus Christus verständlich zu machen».

Für ein politisches Verbrechen drohte ihm lebenslange Haft. Brunson ringt mit sich und Gott. Es dauert Monate, bis er bereit ist, «Gottes Auftrag für mich anzunehmen». Die 62-seitige Anklageschrift gegen ihn enthält «lächerliche Anschuldigungen». Sein Verbrechen war die «Christianisierung» des Landes. Brunson weiss, das Präsident Erdogan über sein Wohl und Wehe entscheiden kann.

«Geistliche Ernte in der Türkei einfahren»

Der Missionar will Gott auch im Gefängnis dienen. Aber von den Zeugen muss er sich an jedem Verhandlungstag «abscheuliche Lügengeschichten» anhören: «Ich hatte die türkische Regierung und ihr öffentliches Getue satt». Am Tiefpunkt angekommen, begibt er sich ganz in Gottes Hände. Trotz der vielen Lügen will er keinen Groll hegen und auf Gottes Erbarmen vertrauen.

Er weiss – und beteuert vor Gericht – dass er in allen Anklagepunkten unschuldig ist. Das Urteil des Gerichts trifft ihn genauso unvermittelt wie seine Verhaftung. Aus gesundheitlichen Gründen wird er in den Hausarrest entlassen. Die endgültige Freilassung wird eine Sache der Diplomatie: «In einem Land der Intrigen und Verschwörungen, konnte alles passieren», schreibt er.

Es kommt darauf an, welchen Preis der amerikanische Präsident Trump bereit ist zu zahlen. Zwischen einer baldigen Freilassung und einer 35-jährigen Haftstrafe scheint alles möglich. Genau dieses Strafmass fordert der Staatsanwalt in der finalen Verhandlung: «Es fühlte sich an, als würde sich der Schlund der Hölle erneut öffnen.» Doch es kommt alles anders: Der Staatsanwalt lässt seine Forderung fallen.

Christen sind «Spione, Verräter und Terroristen»

Die Haftstrafe wird auf drei Jahre, einen Monat und 15 Tage herabgesetzt. Mit der Untersuchungshaft ist die Zeit abgegolten. Brunson ist frei und die Familie wird so schnell es geht aus dem Land gebracht. Türkische Politiker bezeichnen ihn in der Öffentlichkeit immer noch als Spion. Für ihn selbst steht fest, dass die türkischen Medien seine Geschichte benutzten, um Christen öffentlich als «Verräter, Terroristen und Feinden der Türkei» zu brandmarken.

Er vermutet, dass die türkischen Christen auch heute noch die Auswirkungen seines Prozesses spüren und angefeindet werden. Durch seinen Fall hätten aber auch «Millionen Menschen die Türkei auf dem Radar». Im Rückblick ist Brunson klar, dass die Gebete und politischen Einlassungen für seine Freilassung sorgten: «Ich war Erdogans Geisel, bis Gott erreicht hatte, was er durch meine Gefangenschaft erreichen wollte», bilanziert er für sich.

Das Buch ist ein offenes und ehrliches Ringen mit Gott in einer sehr herausfordernden Lebensphase. Vielleicht sollte er anderen Menschen als Mutmacher und Beispiel dafür dienen, wie ein Mensch trotz grösster Anfechtungen und Tiefschlägen auf Gottes Fürsorge vertraut. Brunson ist ein Mann, den die Isolation, die Bedrohungen und die Ängste zu Gott getrieben haben. Das beschreibt er offen, ehrlich, spannend und lesenswert.

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Zum Buch:
«Geisel für Gott»

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